Komödie am Kai Gut gegen Nordwind

Innige Begegnungen via E-Mail: „Gut gegen Nordwind“ in der Komödie am Kai

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Komödie am Kai Gut gegen Nordwind
„Gut gegen Nordwind“: Anna Sophie Krenn und Anatol Rieger in der Komödie am Kai (Foto: Komödie am Kai)

Mit einem Erfolgsstück aus der Feder von Daniel Glattauer schmückt Direktorin Sissy Boran den Sommerspielplan ihrer Komödie am Kai. In „Gut gegen Nordwind“, im Jahr 2006 als Roman erschienen und 2009 als Bühnenversion (von Ulrike Zemme und Glattauer selbst verfasst) an den Kammerspielen des Theaters in der Josefstadt uraufgeführt, korrespondieren zwei Personen, Emmi Rothner und Leo Leike, monatelang via E-Mail miteinander. Ausgelöst wird der Schriftwechsel der besonderen Art durch eine Unachtsamkeit Emmis, die eigentlich ihr Zeitungsabo kündigen möchte, jedoch durch einen Tippfehler in der E-Mail-Adresse anstatt des Verlags den ihr unbekannten Leo kontaktiert.

Und so mailen die beiden einander hin und her: die verheiratete Homepage-Erstellerin Emmi und der seiner verflossenen Liebe nachtrauernde Sprachpsychologe Leo. Im Verlauf der vielen Monate (auf der Bühne steht ein Flipchart-Kalender, den die beiden Darsteller abwechselnd umblättern) gewinnt der Gedankenaustausch zunehmend an Innigkeit, und Emmi und Leo entwickeln ein virtuelles Naheverhältnis zueinander (obwohl beide, die längste Zeit über, einander siezen) – bis die Frage im Raum steht, ob ein persönliches Treffen die Online-Romanze krönen könnte. „Schreiben ist Küssen mit dem Kopf“ ist einer der herzerwärmenden Sätze, den Leo Emmi zukommen lässt.

Daniel Glattauer (1960 in Wien geboren) hat seine Charaktere mit großer Warmherzigkeit gezeichnet. Den beiden Regisseurinnen, Sissy Boran und Andrea Eckstein, gelingt es, eine Spannung aufzubauen, die den ganzen Abend über andauert (sehr stimmig wurden auch die passenden Musikzuspielungen ausgewählt). Wird es zu einem realen Kennenlernen von Emmi und Leo kommen? Wie entwickelt sich das zarte Pflänzchen ihrer digitalen Freundschaft weiter? Zuviel soll hier aber nicht vorweggenommen werden!

Siegbert Zivny hat ein zweigeteiltes Bühnenbild kreiert, in dem die beiden Figuren ihrer E-Mail-Leidenschaft frönen: ein gemütliches Sofa mit Couchtisch und Stehlampe für Emmi sowie ein schlichtes Arbeitszimmer mit Lederfau­teuil für Leo. Ein Sideboard, das an zwei Seiten offen ist, fungiert als Trennelement der beiden unterschiedlichen Lebenswelten. Barbara Langbein hat die passenden Kostüme beigesteuert.

Anna Sophie Krenn und Anatol Rieger verkörpern ihre beiden höchst sympathischen Charaktere auf hinreissende Art und Weise: Krenns Emmi, die Yoga praktiziert und dem Whisky nicht abgeneigt ist, wartet voller Ungeduld auf Leos nächstes E-Mail und gibt ihm ungebeten, aber fürsorglich Tipps, wie er von seiner Ex-Freundin loskommt. Als sich Leo urlaubsbedingt länger nicht meldet, fühlt sich Emmi zurückgesetzt und stellt sich die Frage, ob sie denn nur ein Forschungsobjekt für den Sprachpsychologen gewesen sei. Riegers Leo, passionierter Rotweintrinker mit einer berufsbedingten Präferenz, Emmis Nachrichten zu analysieren, gibt sich anfänglich zugeknöpft, verliert aber zusehends die Scheu, seine Gefühle gegenüber seiner E-Mail-Freundin offenzulegen. Wunderbar klappt das Zusammenspiel von Anna Sophie Krenn und Anatol Rieger, wenn sie zwar auf derselben Bühne agieren, Emmi und Leo aber räumlich getrennt voneinander leben.

Fazit: Diesem Abend wohnt ein Zauber inne! Wer mitfiebern möchte, wie sich die Beziehung zwischen Emmi und Leo entwickelt, dem sei ein Besuch in der Komödie am Kai wärmstens empfohlen!

„Gut gegen Nordwind“: Bis 28. August 2021 in der Komödie am Kai (1., Franz-Josefs-Kai 29), täglich außer Sonntag und Montag, Beginn jeweils: 20 Uhr.

Weitere Informationen: www.komoedieamkai.at, Karten unter: tickets@komoedieamkai.at

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