Freie Bühne Wieden Eine Rose für Juliette Gréco

Freie Bühne Wieden: Hereinspaziert in das Universum der Juliette Gréco!

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Freie Bühne Wieden Eine Rose für Juliette Gréco
„Eine Rose für Juliette Gréco“ in der Freien Bühne Wieden: Michaela Ehrenstein und René Rumpold (Foto: Rolf Bock)

Einmal mehr widmet sich die Freie Bühne Wieden dem Leben einer vielschichtigen Künstlerpersönlichkeit, und mit einer fulminanten Produktion startet das charmante Theater im vierten Wiener Bezirk in eine neue Saison: Dieses Mal – nach Melina Mercouri, Eva Perón oder Romy Schneider – würdigt man die „grande dame de la chanson“, Juliette Gréco.

Initialzünder René Rumpold, der auch als Erzähler fungiert, hat gemeinsam mit Intendantin Michaela Ehrenstein, die die Rolle der gefeierten Sängerin verkörpert, das präzise recherchierte Stück „Eine Rose für Juliette Gréco“ verfasst. Anhand ausgewählter Chansons wird die wechselvolle Lebensgeschichte der im Jahre 1927 im südfranzösischen Montpellier geborenen Künstlerin nachgezeichnet.

Die Kindheit der jungen Gréco war schwierig – mit ihrer älteren Schwester Charlotte zunächst bei den Großeltern aufgewachsen, litt sie unter der Gefühlskälte ihrer Mutter, den Vater kannte sie kaum. Im Alter von zehn Jahren zog Juliette nach dem Tod des Großvaters und nach einem Schlaganfall der Großmutter mit dieser, ihrer Schwester und der Mutter nach Paris. Schon als Backfisch wird Gréco politisiert, ihre Mutter leistete während des Zweiten Weltkriegs Widerstand und wurde, ebenso wie Juliettes Schwester, ins KZ Ravensbrück deportiert, das beide überlebten.

Später wurde die Gréco zur Muse der Existenzialisten. In einer Bar im Pariser Intellektuellenviertel wurde sie vom französischen Philosophen Jean-Paul Sartre entdeckt, auf sein Drängen trat sie auch zum ersten Mal als Sängerin auf. Sie schloss Bekanntschaft mit Simone de Beauvoir und Albert Camus, Miles Davis wurde zu ihrer Lebensliebe. Die Gréco war dreimal verheiratet, mit den Schauspielern Philippe Lemaire (aus der Ehe ging eine Tochter hervor), Michel Piccoli sowie mit dem Pianisten Gérard Jouannest.

Lebensgeschichten, die miteinander verknüpft sind

Michaela Ehrenstein und René Rumpold haben gemeinsam mit Béla Fischer, der den Abend musikalisch arrangiert hat und sämtliche Chansons am Klavier mitreißend interpretiert, ein höchst stimmungsvolles Stück (die passenden Kostüme hat Barbara Langbein kreiert) geschaffen. Ehrenstein nähert sich der großen Künstlerin mit eindrücklichem Spiel, setzt viele Akzente in ihrer Körpersprache, wechselt dabei meisterhaft zwischen ausladender Gebärde und feiner Gestik und bewältigt bravourös das musikalische Repertoire. Rumpold versteht es, das Publikum als Erzähler in seinen Bann zu ziehen, variiert sein unverwechselbares Timbre und setzt gekonnt und passend platziert Pausen ein. Die Chansons werden, mit der Ausnahme des berührenden Liedes „L’enfant secret“ („Das geheime Kind“), auf Französisch gesungen. Zuseher, die geringe oder gar keine diesbezüglichen Sprachkenntnisse haben, werden in die Atmosphäre der Musik dennoch gewiss eintauchen können.

Freie Bühne Wieden Eine Rose für Juliette Gréco
Bela Fischer am Klavier, Michaela Ehrenstein und René Rumpold (Foto: Rolf Bock)

Im Jahr 2010 eröffnete die Gréco das Wiener Jazzfest, fünf Jahre später verabschiedete sie sich mit einer Tournee von der Bühne. Im Oktober 2014 gab Juliette Gréco im Rahmen einer Ausstellungseröffnung ihr letztes exklusives Wien-Konzert. Am 23. September 2020 verstarb die große Künstlerin 93-jährig in ihrem Haus in Südfrankreich im Kreis ihrer Familie.

„Man stößt eine Tür auf, liest in eine Geschichte hinein, und weitere Türen gehen auf, Lebensgeschichten, die miteinander verknüpft sind. Aus einzelnen Puzzlesteinen wird ein großes Ganzes. Eine Reise, die sich lohnt. Und die nie zu Ende ist“, schreibt Direktorin Ehrenstein als Einführung zum Stück im Programmheft. In diesem Sinne: Hereinspaziert in das Universum der Juliette Gréco, und lassen Sie sich in seinen Bann ziehen!

„Eine Rose für Juliette Gréco“: bis 29. September 2021 in der Freien Bühne Wieden (4., Wiedner Hauptstraße 60b), Beginn jeweils: 19.30 Uhr

Weitere Informationen: www.freiebuehnewieden.at

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