„Das kleine Vergnügen“: Wagemutiger Befreiungsschlag als Reise zu sich selbst

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„Das kleine Vergnügen“: Dana Proetsch, Ana Ritopečki, Alice Frick, Petra Kleinert und Sabine Kunz (v. l.) als Emmas Mitstreiterinnen

„Ein Neuanfang in der Lebensmitte“ – so lautet der Untertitel der charmanten Filmkomödie „Das kleine Vergnügen“ von Julia Frick. Emma, verheiratet, Mutter zweier jungerwachsener Sprösslinge, wird mit der Tatsache konfrontiert, dass ihr Gatte eine Affäre hat und Bestätigung bei einer jüngeren Kollegin sucht. Der Schock sitzt tief, der Abtrünnige wird aus dem gemeinsamen Schlafzimmer verbannt und das Haus mittels Klebebändern als Grenzlinien symbolisch in zwei Hälften geteilt.

„Das kleine Vergnügen“: Waltraut Haas als Emmas Mutter Hildegard, die die mit ihrer zutiefst rückschrittlichen Einstellung ihrer Tochter das Leben schwer macht.

Da die Scheidung droht, ist guter Rat teuer und ein Job dringend vonnöten. Emma bewirbt sich im ortsansässigen Erotikladen, wird sogleich zur Geschäftsführerin befördert und findet unversehens eine sinnstiftende Beschäftigung. Sie krempelt den Shop zur stilvollen Boutique um, setzt auf eine neue Zielgruppe und wechselt das Sortiment aus. Es dauert nicht lange, bis Emma Mitstreiterinnen gefunden hat und auch ihr Mann wieder erkennt, was er eigentlich an Emma hat…

Regisseurin Julia Frick und ihrer Schwester Alice Frick, beiden zeichnen für das Drehbuch verantwortlich, ist eine warmherzige Komödie über eine patente Frau gelungen, die zu einem Befreiungsschlag ansetzt und neue Seiten an sich selbst kennenlernt. Ein wunderbarer Cast spielt sich durch die Höhen und Tiefen eines mit Humor und Augenzwinkern dargestellten Selbstfindungsprozesses, allen voran Petra Kleinert als pfiffige Emma. Marcus Strahl mimt den erst selbstgefälligen, dann doch nachdenklich gewordenen Ehemann Klaus mit großer Überzeugung, Waltraut Haas glänzt als Emmas Mutter Hildegard, die mit ihrer zutiefst rückschrittlichen Einstellung ihrer Tochter das Leben schwer macht. Emmas Frauenrunde – facettenreich dargestellt von Sabine Kunz, Ana Ritopečki, Alice Frick und Dana Proetsch – vermittelt der über sich hinaus wachsenden Protagonistin neue Energien und Sichtweisen. Grandios mimen Ramesh Nair den Helfer in der Not, Reinhard Nowak den Richter mit Doppelleben und Ben Ruedinger den Charmeur Charlie, der nicht mit offenen Karten spielt. Barbara Karlich als Reporterin, Mirella Precek als Emmas frauenliebende Tochter und Michael Buchinger als braver Sohn runden das Ensemble ab.

„Das kleine Vergnügen“ (Bildgestaltung: Marco Zimprich, Szenenbild: Fritz Müller, Kostümbild: Veronika Susanna Harb) wurde ohne Subventionen produziert und bereits auf zahlreichen Festivals preisgekrönt.

Zu sehen in Wiener Kinos noch bis 1. November.

Weitere Informationen: www.daskleinevergnuegen.com

OFFICIAL WEB TRAILER „Das kleine Vergnügen“ from Das kleine Vergnügen on Vimeo.

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