Andy Lee Lang als Jerry Lee Lewis, Ronny Kuste als Sam Phillips, Toni Matosic (Monti Beton) als Carl Perkins, Reinwald Kranner als Elvis Presley und Werner Auer als Johnny Cash

Wiener Metropol: „Million Dollar Quartet“ als kraftvoll-musikalisches Zeitdokument

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Andy Lee Lang als Jerry Lee Lewis, Ronny Kuste als Sam Phillips, Toni Matosic (Monti Beton) als Carl Perkins, Reinwald Kranner als Elvis Presley und Werner Auer als Johnny Cash
Wiener Metropol: Andy Lee Lang (Jerry Lee Lewis), Ronny Kuste (Sam Phillips), Toni Matosic (Carl Perkins), Reinwald Kranner (Elvis Presley) und Werner Auer (Johnny Cash) in der deutschsprachigen Erstaufführung des Musicaldramas „Million Dollar Quartet“ (Foto: Wiener Metropol/Rolf Bock)

Eine Reminiszenz an die glorreiche Pionierzeit des Rock’n’Roll mit ihren musikalischen Glanzstücken steht derzeit als deutschsprachige Erstaufführung auf dem Spielplan des Wiener Metropol: Das Musical „Million Dollar Quartet“ (Buch: Colin Escott und Floyd Mutrux, deutsche Dialoge: Klara Marx) beleuchtet ein Treffen der vier Giganten Jerry Lee Lewis, Elvis Presley, Johnny Cash und Carl Perkins, das im Jahr 1956, kurz vor Weihnachten, in den Sun Records Studios in Memphis/Tennessee tatsächlich stattgefunden hat.

Werner Auer, der auch in die Rolle des Johnny Cash (1932-2003) schlüpft, hat das Musicaldrama (uraufgeführt im Jahre 2006 im Florida’s Seaside Music Theatre) als kraftvolles Zeitdokument mit Tiefgang, aber auch viel Humor inszeniert. Die Erzählzeit ist in etwa mit der erzählten Zeit ident: Rund zweieinhalb Stunden erlebt das Publikum die All Time Favourites in Aktion. Die Zuseher tauchen ein in die aufgeladene Atmosphäre des Plattenstudios, dessen Eigentümer, Sam Phillips, „seine“ Musiker zu einer Wiedersehensparty herbeigerufen hat. Denn vorneweg scheint klar zu sein: So gemütlich wird das vorweihnachtliche Beisammensein nicht ablaufen.

Produzent Phillips hat alle Hände voll zu tun, zwischen den aufeinanderprallenden Egos der Rock’n’Roll-Ikonen zu vermitteln. Carl Perkins (1932-1998) gibt seiner Enttäuschung freien Lauf, dass Elvis (1935-1977) mit Perkins’ „Blue Suede Shoes“ einen Nummer-eins-Hit gelandet und dafür jeglichen Ruhm eingestreift hat. Der „King of Rock’n’Roll“ wiederum hadert mit seinem Wechsel zu einem anderen Studio. Im Verlauf des Abends muss Phillips enttäuscht erkennen, dass auch seine anderen „Schützlinge“ zusehends eigene Wege gehen wollen.

Ohrenschmaus, serviert von hochkarätig musizierenden Darstellern

Musikalisch bietet das Stück zahlreiche Gustostückerl, aber auf darstellerischer Ebene legt Regisseur Werner Auer mit seinen Kollegen bemerkenswerten Einsatz an den Tag: Großes Kino spielt sich ab, wenn Toni Matosic (der seinem Carl Perkins angenehm bodenständige Züge, frei von Star-Allüren, verleiht) den allzu aufmüpfigen, etwas jüngeren Jerry Lee Lewis (Jahrgang 1935), verkörpert von Andy Lee Lang, ein ums andere Mal in die Schranken weist. Der begnadete Pianist Lewis (der zu seinem Unglück auch noch mit dem Schauspieler Jerry Lewis verwechselt wird) soll Perkins mit den Maracas begleiten, was dieser als persönliche Beleidigung auffasst. Andy Lee Lang wiederum hebt wiederum das Thema Körpereinsatz auf einen neuen Level, wenn er behände das Klavier erklimmt, von dort sodann herunterspringt oder oben auf dem Piano Platz nimmt und verkehrt herum in die Tasten hämmert oder stehend sogar auch noch den Fuß zu Hilfe nimmt.

Reinwald Kranner mimt Elvis als obercoolen Star, der sich seines Erfolgs bereits durchaus bewusst ist. Mit ihm betritt Dyanne (stimmgewaltig: Anna Burger, großartig ihre lasziv vorgetragene „Fever“-Interpretation) die Szene, und das Publikum erfährt von den bevorstehenden Veränderungen in Sachen Produzentenwechsel. Werner Auer gibt einen ernsthaften, gläubigen Johnny Cash, der sich musikalisch in Richtung Gospel verändern möchte, damit aber nicht Phillips’ Zustimmung erntet. Auch er gerät mit Jerry Lee Lewis in Konflikt, als dieser plump Elvis’ Freundin zu nahe tritt. Ronny Kuste beeindruckt als gewiefter Business-Man und Produzent Sam Phillips, der erst nach und nach begreift, dass seine Pläne nicht immer aufgehen können. Während der Gespräche, die zwischen einzelnen Charakteren vor der Studiotüre stattfinden, friert die Handlung auf der abgedunkelten Hauptbühne ein.

Bühne und Kostüm (Ilona Glöckel) tauchen die Sun Records Studios in eine perfekte 50er-Jahre-Atmosphäre, woran auch Maskenbildnerin Monika Krestan großen Anteil hat. Die musikalische Leitung des Abends (Max Hagler) lässt die Evergreens in perfektem Sound ertönen. Manfred Chromy als Carl Perkins Bruder Jay am Kontrabass und Christoph Sztrakati am Schlagzeug ergänzen die vier Musiker-Sänger genial. Aufgespielt werden alle großen Hits des „Million Dollar Quartets“, von „Blue Suede Shoes“ (Carl Perkins) über „Great Balls of Fire“ (Jerry Lee Lewis), „Memories are made of this“ (Elvis Presley) oder „16 Tons“ (Johnny Cash) und viele andere mehr als Ohrenschmaus, serviert von den hochkarätig musizierenden Darstellern.

Mit den bekannten Worten „Elvis hat das Gebäude verlassen“ endet der mitreißende Musik-Reigen. Allen Rock’n’Roll- und Fifties-Fans sei dringend angeraten, gegenteilig zu verfahren und einen Besuch im Metropol zeitnah einzuplanen. Große Empfehlung!

„Million Dollar Quartet“: Bis 18. Mai 2022, Beginn jeweils: 20 Uhr, im Wiener Metropol (17., Hernalser Hauptstraße 55)

Weitere Informationen: www.wiener-metropol.at

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