„Was leid tut“: Kunst aus sieben Jahrhunderten im Stift Klosterneuburg

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Kapitel 6 der Ausstellung „Was leid tut“: Hoffnung (Foto: Stift Klosterneuburg/Walter Hanzmann)

In den beeindruckenden Räumlichkeiten der Sala-terrena-Galerie im Stift Klosterneuburg präsentiert die kürzlich angelaufene Jahresausstellung „Was leid tut“ die verschiedenen Facetten des Themas „Leid“. Unterschiedlichste Exponate aus sieben Jahrhunderten rütteln auf und laden zum Nachdenken ein.

Kurator MMag. Wolfgang Huber und Chorherr Anton Höslinger führten mit viel erhellendem Expertenwissen durch die sechs Kapitel der Ausstellung, mit deren Eröffnung das Stift Klosterneuburg wieder seinen regulären Kulturbetrieb aufgenommen hat.

Die Themen Vertreibung aus dem Paradies, Martyrium, Zweifel, Trauer, Reue, Trost und Hoffnung bilden die Klammer der sorgfältig zusammengestellten Schau. Die Exponate stammen aus sieben Jahrhunderten, von der gotischen Handschrift des frühen 15. Jahrhunderts bis zu Arbeiten, die eigens für die Ausstellung geschaffen wurden. Dabei werden auch Leitfiguren aus der christlichen Bildtradition wie Hiob, Christus am Ölberg, die Pietà, heilige Märtyrer, der reuige Petrus, der depressive König Saul, aber auch Schutzpatrone und Schutzengel repräsentiert. Die Gegenüberstellungen alter, klassisch moderner und zeitgenössischer Kunst eröffnen einen einzigartigen Spannungsbogen durch die Kunst- und Kulturgeschichte.

Kurator MMag. Wolfgang Huber und Chorherr Anton Höslinger führten mit viel erhellendem Expertenwissen durch die sechs Kapitel der Ausstellung. (Foto: Anja Schmidt)

Die Ausstellung wurde von zahlreichen Künstlerinnen und Künstlern mit Werken unterstützt, die teilweise von einschneidenden persönlichen Erlebnissen inspiriert wurden und die überaus individuelle Zugänge zum Thema „Leid“ finden. Zu sehen sind Arbeiten von Linde Waber, Julia Faber, Michael Endlicher, Thomas Naegerl, Hans Robert Pippal, Susanne Geister und vielen mehr.

Sehr beklemmend anzusehen ist das Exponat „Verstummt“ von Simon Schober (Jahrgang 1986), Träger des St.-Leopold-Friedenspreises 2018 und auch als Schauspieler bekannt: Die Basis des Werks ist eine Büste aus Spezialkunststoff, wie sie für Krebspatienten in der Strahlentherapie angefertigt wird. Eine zusätzlich leidvolle Dimension erhielt das Werk durch die Tatsache, dass die Mutter des Künstlers während seiner Arbeit daran einen Schlaganfall erlitt und ihre Sprache verlor.

Alexander Hoffelner (Jahrgang 1990), ebenfalls auch Schauspieler, nimmt sich des Themas Suizid an: In seinem Werk „In Between“ setzt er vier Menschen ein Denkmal, die sich in den Jahren 1969 in Prag, 1994 in Mannheim sowie 2012 in Athen das Leben genommen haben, um ein politisches Zeichen gegen unterschiedliche Formen der Unterdrückung zu bewirken.

Die Ausstellung zeigt eindrücklich, dass sich zwischen den Werken aus unterschiedlichen Epochen oft erstaunliche Parallelen ergeben, die belegen, dass es sich beim Thema „Leid“ um ein Phänomen handelt, das Menschen zu allen Zeiten quer durch alle Kulturkreise und Weltanschauungen betroffen und bewegt hat. Eine höchst sehenswerte Ausstellung!

Jahresausstellung „Was leid tut“ in der Sala-terrena-Galerie: bis 15. November 2021, Öffnungszeiten: Sommersaison täglich 9 bis 18 Uhr, Wintersaison täglich 10 bis 16 Uhr, Ausstellungsführungen:  samstags und sonntags um 12 und 15 Uhr

Weitere Informationen: www.stift-klosterneuburg.at bzw. auf YouTube

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