Kultur Schatulle

Kultur-Schätze aus Wien und München

18. Januar 2017
nach Anja Schmidt
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„Hedy Kiesler Lamarr“ in der Freien Bühne Wieden: Hollywood-Diva und Technik-Genie

Michaela Ehrenstein lässt das Publikum tief in die Lebenswelt von Hedy Kiesler Lamarr im gleichnamigen Monodrama von Wilhelm Pellert blicken. (Foto: Stacherl)

Auf die Spuren einer höchst spannenden Persönlichkeit, deren Leben und Werk sich äußerst vielschichtig darstellen, hat sich Wilhelm Pellert in seinem Monodrama „Hedy Kiesler Lamarr“ begeben.

Profund recherchiert, bietet Pellert einen breitgefächerten Einblick in die Welt des einstigen Hollywood-Stars und liefert damit auch einen kurzweiligen Abriss lebendiger Filmgeschichte.

Uraufgeführt im Jahre 2005, hat Michaela Ehrenstein das reizvolle Ein-Personen-Stück in der Regie von Gerald Szyszkowitz wieder auf den Spielplan der Freien Bühne Wieden gesetzt. Ehrenstein kleidet die Titelrolle in allen ihren Facetten aus und erzählt aus Kiesler-Perspektive die Stationen ihres Lebens.

Kiesler, die später von Louis B. Mayer, dem Mitbegründer der Metro-Goldwyn-Mayer-Filmproduktionsgesellschaft ihren Künstlernamen Lamarr erhielt, war Schauspielerin, Stilikone – und Wegbereiterin der heutigen Mobilfunktechnik.

Stilikone für Hollywoods Damenwelt

Geboren in Wien, zu Beginn des Ersten Weltkriegs, verbrachte Kiesler eine behütete Cottage-Kindheit in ihrer Heimatstadt. Nach einer Klavier- und Ballettausbildung wirkte sie bereits als Teenager in Filmen mit Peter Lorre, Heinz Rühmann und Hans Moser mit und ging im Jahr 1933 mit „Extase“ als erste nackte Frau auf der Kinoleinwand in die Filmgeschichte ein.

Über Paris und London gelang Kiesler der Sprung nach Hollywood, wo sie als erster Star von MGM gefeiert wurde. Kiesler, nunmehr Lamarr, mit markanter Frisur – schwarze Haare, streng in der Mitte gescheitelt – stieg zur Stilikone für Hollywoods Damenwelt auf. Im finanziell sehr erfolgreichen Technicolor-Monumentalfilm „Samson und Delilah“ von Cecil B. DeMille spielte sie die weibliche Hauptrolle, ihren eigenen Produktionen war weniger Glück beschieden.

Durch eine Zusammenarbeit mit dem Komponisten George Antheil entwickelte Lamarr schließlich das Frequenzsprungverfahren, das seine Anwendung in der heutigen Mobilfunktechnik findet.

Ehrenstein lässt das Publikum tief in die Lebenswelt dieser ausgesucht vielseitigen Charaktergestalt blicken und kreiert dabei einen ganzen Mikrokosmos unterschiedlichster Wegbegleiter Lamarrs. Zwischen den einzelnen Szenen setzt das Franz Luttenberger Hot Jazz Duo atmosphärische Akzente, eindrucksvoll interpretiert Ehrenstein auch den aus dem Film „Casablanca“ (Lamarr hatte es abgelehnt, darin mitzuwirken) bekannten Song „As Time goes by“.

Ein Abend, der dazu anregt, sich näher mit der Ausnahmeerscheinung Lamarr und ihrem Schaffen auseinanderzusetzen!

Weitere Informationen: www.freiebuehnewieden.at

15. Januar 2017
nach Anja Schmidt
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Komödie am Kai: Ein Chaos rund um pikante Pakete – und wie man sie wieder los wird

„Zum Teufel mit dem Sex!“: Victor Kautsch (v. l.), Bruno Thost, Bernadette Mezgolits, Helene-Susanne Grohma und Oliver Roitinger glänzen in einer Inszenierung von Sissy Boran. (Foto: Komödie am Kai)

Es könnte alles perfekt sein: Das frischgebackene Ehepaar Francesca und Marcello kommt aus den Flitterwochen zurück, möchte die traute Zweisamkeit genießen – doch stattdessen wird das junge Glück auf eine harte Probe gestellt.

Francesca, die nebenbei zum Haushaltseinkommen beitragen will, erhält per Post eine Sendung mit vermeintlichen Gesundheitsprodukten aus Bio-Algen, die sie gewinnbringend verkaufen möchte. Beim Öffnen des Pakets stellt sich jedoch heraus, dass statt der Diätartikel pikantes Spielzeug für Erwachsene geliefert wurde…

Zugleich platzt Marcellos Mutter in das gemütliche Nest, um sich für geraume Zeit bei Sohn und Schwiegertochter in deren Dienstwohnung einzuquartieren. Mit ihr betritt auch noch Marcellos Vorgesetzter die Szene, der seinem Mitarbeiter – dieser leitet die Filiale der „Bank des Heiligen Geistes“ des Vatikans in einem kleinen Vorort von Rom – einen wichtigen Prüftermin durch einen strengen Kontrollor ankündigt.

Eine fehlerhafte Online-Überweisung von Francesca, die die Rechnung für ihre „Diätartikel“ vom falschen Konto begleicht und sich dabei auch noch um zwei Dezimalstellen irrt, treibt das Chaos auf die Spitze. Als Retter in der Not erweist sich Paolo, ein Freund der Jungfamilie, der für die Entsorgung der lasterhaften Fabrikate (die im Verlauf der Handlung immer mehr werden) abkommandiert wird und dabei kein Fettnäpfchen auslässt.

Temporeiche Inszenierung mit perfektem Timing

Die Komödie „Zum Teufel mit dem Sex“ (Originaltitel: „No Sex, please, we’re British“, uraufgeführt im Jahr 1971 in London) von Anthony Marriott und Alistair Foot hat Sissy Boran gemeinsam mit Andrea Eckstein für ihr Haus bearbeitet. Boran ist eine höchst vergnügliche, temporeiche Inszenierung (Bühnenbild: Siegbert Zivny, Kostüme: Dagmar Truxa) mit einem wunderbaren Ensemble geglückt.

Mit perfektem Timing gehen die zahlreichen Türen des Schauplatzes auf und zu, und mit jedem Auftritt – es gesellen sich auch noch ein Polizeiinspektor sowie ein Freudenmädchen zur Runde – wird die Situation für alle Beteiligten verzwickter.

Bernadette Mezgolits lässt als herrlich chaotische Francesca keine Gelegenheit aus, die Lage noch verworrener zu machen. Ihr zur Seite steht Oliver Roitinger als Gatte Marcello, der auf aberwitzige Art immer noch einen Ausweg aus der Misere zu finden versucht. Grandios mimt Victor Kautsch den schusseligen Paolo, der zunehmend unfreiwillig und am Rande des Nervenzusammenbruchs agiert, seine Freunde aber nicht im Stich lässt.

Helene-Susanne Grohma liefert ein belustigendes Musterbeispiel einer nervenden Schwiegermutter, die immer im unpassendsten Moment erscheint. Einen sittenstrengen, aber liebenswürdigen Bankchef mimt Bruno Thost, der zarte Bande zu Marcellos Mutter knüpft und dadurch für einige Ablenkung sorgt.

Rafael Witak gefällt als junger Polizeiinspektor, der Ordnung in den Trubel bringen soll, jedoch lieber mit Francesca anbandelt und das Chaos weiter am Köcheln hält, ebenso wie Ralph Saml, der als Bruder Nikolas die Bankfiliale prüfen soll, jedoch als Kurzzeitgast die jungen Eheleute enerviert. Nicht zuletzt sorgt Anna Dangel als missverständlich informiertes Freudenmädchen mit strenger Ausrüstung für höchst amüsante Momente.

Wer gute Laune sucht, ist mit einem Besuch dieser Produktion bestens beraten!

„Zum Teufel mit dem Sex“ steht noch bis 4. Februar auf dem Spielplan der Komödie am Kai (1., Franz-Josefs-Kai 29), zu sehen  jeweils dienstags bis samstags (Beginn: 20.15 Uhr).

Weitere Informationen: www.komoedieamkai.at

3. Januar 2017
nach Anja Schmidt
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Beschwingter Start im MuTh: Adi Hirschal und Camerata Schulz Wien

Unter dem Motto „Von Wienern und anderen Menschenfressern“ beleuchtet Adi Hirschal die Wiener Seele mit Texten von Ernst Jandl oder H. C. Artmann, die Camerata Schulz Wien musiziert Walzer-Melodien.

Beschwingt startet das MuTh ins neue Jahr – mit Adi Hirschal und dem Kammerensemble der Camerata Schulz Wien am kommenden Samstag (7. Jänner)!

Das Konzert zu Jahresbeginn mit Adi Hirschal und dem Kammerensemble der Camerata Schulz Wien verbindet eine pointierte, kurzweilige Rück- und Vorschau mit stimmungsvollen Melodien von Strauß & Co. zu einer köstlichen Wiener Melange.

Unter dem Motto „Von Wienern und anderen Menschenfressern“ erläutert Hirschal die Wiener Seele mit Texten von Ernst Jandl, H. C. Artmann und Ernst Aloysius Kein. Das Hausensemble, die Camerata Schulz Wien, musiziert dazu in kleiner kammermusikalischer Besetzung. Ein idealer Start nach den Feiertagen in das neue Kulturjahr! Beginn: 19.30 Uhr.

Im Kartenpreis ist ein Glas Sekt vor der Vorstellung und in der Pause inkludiert.

Weitere Informationen: www.muth.at, Karten sind unter 01/347 80 80 oder an der Abendkassa erhältlich.

31. Dezember 2016
nach Ingrid Pachmann
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Hofburg Wien: 116. ZuckerBäckerball mit Volksopern-Star Vincent Schirrmacher

Mag. Matthias Winkler (l., Geschäftsführer der Sacher-Betriebe) und Tenor Vincent Schirrmacher von der Wiener Volksoper bei der Pressekonferenz im Salon von „Ballmutti“ Honorarvizekonsulin Birgit Sarata

Schon die Eröffnung des 116. ZuckerBäckerballes am 12. Jänner 2017 in der Wiener Hofburg wird eine kleine Sensation, verspricht „Ballmutti“ Birgit Sarata: „Der ZuckerBäckerball ist der Ball der Lebensfreude! Wir haben 160 Paare – ich glaube nicht, dass es in Wien einen derartigen zweiten Ball gibt. Zuerst bringt die Vereinigung Wiener Staatsopernballett einen wunderschönen Johann Strauß-Walzer mit einem Solopart, und danach kommt gleich der Ehrengast Vincent Schirrmacher, der heuer die Ehrentorte erhält – eine Original Sachertorte!“

Der Volksopern-Shootingstar kann mit einer interessanten Biographie aufwarten: Er wurde in China geboren, seine Mutter war schottisch-chinesischer, der Vater mongolisch-japanischer Herkunft. Nach seiner Adoption durch ein deutsches Ehepaar wuchs Schirrmacher in London auf, wo er schon in seiner frühen Kindheit Klavierunterricht erhielt.

Von 2001 bis 2008 studierte er an der Hochschule für Musik und Tanz Köln Gesang. Seit sieben Jahren lebt der junge Tenor, der nach seinem Debüt als Prinz Sou-Chong in „Das Land des Lächelns“ im Sommer 2009 in Bad Ischl vom Fleck weg an die Volksoper engagiert wurde, in Wien. Im Sommer 2017 wird er in Bad Ischl in der Operette „Kaiserin Josephine“ (Premiere am 12. August 2017, Musik von Emmerich Kálmán) die männliche Hauptrolle singen.

Schaubackstube im Rittersaal als Treffpunkt für alle Naschkatzen

Dank des umfassenden Netzwerks der PR-Verantwortlichen Birgit Sarata, die auch als ehrenamtliche Botschafterin der Gesellschaft Österreichischer Kinderdörfer firmiert (ein Teil des Tombolaerlöses wird den Österreichischen Kinderdörfern gespendet), werden 32 Prominente (Guggi Löwinger, „Mister Austria 2016“ Philipp Rafetseder, Nina und Felix Adlon von der gleichnamigen Berliner Hotelierdynastie, Daniel Serafin, Clemens Unterreiner, Jazz-Gitti und andere) zu Ballbeginn festlich einziehen.

Das Programm des ZuckerBäckerballes bietet nicht nur den Tanzbegeisterten etwas: Im Foyer der Hofburg präsentieren anlässlich der neunten Auflage des „Zuckerbäcker Awards“ – diesmal zum Thema „Wiener Sehenswürdigkeiten“ – die kreativsten Konditoren und talentiertesten Lehrlinge des Landes ihre Schaustücke, die im Lauf des Abends von einer Jury mit dem „Vienna Cakemaster 2017“ bzw. „Vienna Junior Cakemaster 2017“ prämiert werden.

Die Schaubackstube im Rittersaal (heuer sponsored by 1. Magyar Cukor Manufaktúra Kft.) ist ein Muss für alle Naschkatzen. Hier zeigen die Bäcker und Konditoren den Ballgästen „live“, wie Torten kunstvoll dekoriert werden. Backfrische Kipferl können frisch aus dem Backrohr verkostet werden. Und wer es lieber pikant mag: Im Schatzkammersaal kredenzt Fleischhauer Hofstädter Schmankerln.

Neugierig geworden? Logen sind bereits ausverkauft, Karten sind noch zu haben! Zum Preis von 15 Euro erwirbt man ein Tortenlos, das in jedem Fall gewinnt: eine herrliche Torte!

Weitere Informationen: www.zuckerbaeckerball.com bzw. www.leharfestival.at

Ein absoluter Geheimtipp für Tanzbegeisterte ist der traditionelle Bürgerball in Perchtoldsdorf bei Wien. Seit ihrer Wiedereröffnung im Jahr 2010 nach großzügigem Um- und Ausbau hat sich die Neue Burg zum Hotspot entwickelt. Unter dem Motto „Damenwahl“ spielen am 18. Februar 2017 im Festsaal abwechselnd das beliebte 1. Perchtoldsdorfer Salonorchester und Top Sound Reloaded. In der Rüstkammer wird eine Wickie, Slime & Paiper-Party gefeiert. Mit herrlichen Ohrwürmern der Siebziger- und Achtzigerjahre…

Weitere Informationen: www.buergerball.at

17. Dezember 2016
nach Anja Schmidt
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„Bertha von Suttner“ im MuTh: Vertontes Leben einer glühenden Pazifistin

Fulminantes Ensemble mit Gast Waltraut Haas (1. v. l. vorne): Maya Hakvoort als Bertha von Suttner (2. v. l. vorne) neben Autorin Michaela Ehrenstein und Komponist Béla Fischer (3. v. l. hinten) (Foto: Allegria)

Dem Leben und Wirken der Schriftstellerin und späteren Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner widmete Michaela Ehrenstein bereits im Jahr 2012 ein Stück in ihrer Freien Bühne Wieden, nun wurde eine konzertante Fassung des Musicals „Bertha von Suttner“ von Ehrenstein (Text) und Béla Fischer (Musik) im „MuTh“ zur Aufführung gebracht.

Zwei Stunden lang steht die facettenreiche Persönlichkeit Suttners im Mittelpunkt des Geschehens: Als junge Komtesse Kinsky von der Hocharistokratie geschnitten, weil ihre Mutter bürgerlicher Herkunft ist, weiß Bertha schon sehr früh um die Bedeutsamkeit von Bildung, die Frauen ein eigenständiges Leben ermöglichen kann. Nach einer Stelle als Gouvernante bei Baron von Suttner wird Kinsky Sekretärin bei Alfred Nobel, der ihre Ideen zur Friedensbewegung tatkräftig unterstützt.

Bertha heiratet schließlich den um sieben Jahre jüngeren Arthur von Suttner und zieht mit ihm in den Kaukasus, wo das Ehepaar neun Jahre lang unter schwierigen Verhältnissen von der Schriftstellerei lebt. Zurück in Wien, gründet die überzeugte Pazifistin die österreichische Friedensbewegung, hält Reden auf internationalen Kongressen und lässt sich weder von privaten noch beruflichen Rückschlägen entmutigen. Suttners Roman „Die Waffen nieder!“, den sie im Alter von 46 Jahren veröffentlicht, wird ein Welterfolg und in 24 Sprachen übersetzt. Im Jahr 1906 wird sie als erste Frau mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Hochintellektuell und emanzipiert in einer Männergesellschaft

Ehrenstein fokussiert die Handlung auf die (platonische) Freundschaft Suttners zu Nobel bzw. auf ihre Ehe mit Arthur: Letztere gerät – obwohl durch eine Liebesheirat geschlossen – in arge Turbulenzen, als der Baron zarte Bande zu seiner Nichte knüpft. Nobel wiederum findet Gefallen an der intellektuellen Auseinandersetzung mit Bertha, die ihn sogar zur Stiftung des nach ihm benannten Preises anregt. Ehrensteins Charaktere sind präzise gezeichnet, geschickt setzt die Autorin dramaturgische Wendungen ein.

Stimmgewaltig: Maya Hakvoort als Bertha von Suttner mit René Rumpold (l.) als Nobel und André Bauer als Baron Suttner (Foto: Allegria)

Béla Fischer bringt in seinen Kompositionen die unterschiedlichsten Akzente zur Geltung – von der beschwingten Walzer-Melodie auf dem Debütantenball der jungen Komtesse über die romantische Annäherung zwischen dem Liebespaar Bertha und Arthur bis hin zu kämpferisch anmutenden Klängen, wenn Suttner in ihren Reden zur Solidarität aufruft. Fischer, der auch für die musikalische Leitung verantwortlich zeichnet, arbeitet mit seiner Formation „Fischers for Compliments“ – mit Bela jun. und Michael Fischer an den Keyboards sowie Gerfried Krainer am Schlagzeug und Horst Hausleitner am Saxophon und an der Klarinette – die ganze Palette an unterschiedlichsten Emotionen heraus.

Maya Hakvoort verkörpert eine hochintellektuelle, emanzipierte Bertha von Suttner, die sich souverän in einer von Männern dominierten Welt bewegt. Stimmgewaltig, mit vielen Nuancen, spannt Hakvoort den Bogen von der jungen Komtesse hin zur glühenden Pazifistin, die auch Anfeindungen gewachsen ist. Ihr zur Seite steht René Rumpold als würdevoller Alfred Nobel, der sich mit Suttner auf Augenhöhe unterhält und ihr hilfreich zur Seite steht. André Bauer ist als Arthur von Suttner erst ein charmanter, seiner Bertha sehr zugetaner Ehemann, der sich aber mit dem zunehmenden Arbeitspensum seiner Frau von dieser ab- und seiner Nichte zuwendet.

Peter Lesiak imponiert als Alfred Hermann Fried, Suttners Mitstreiter, der die Handlung als Erzähler dynamisch vorantreibt. Elena Schreiber glänzt als Berthas Mutter Sophie Kinsky, die sich wegen ihrer Spielleidenschaft um das Auskommen ihrer Tochter sorgt, ebenso Ulli Fessl als Baronin Suttner, die erst die Mesalliance ihres Sohnes verhindern will, Bertha jedoch die Stelle bei Nobel verschafft, und auch Marianne Curn als Arthurs Nichte Marie Louise, die die oftmalige Abwesenheit ihrer Tante zu ihren Gunsten ausnutzt. Martin Gesslbauer und Robert Kolar agieren meisterhaft als kritische Kommentatoren von außen, zumal Suttner in der veröffentlichten Meinung oftmals als „Friedens-Bertha“ oder „hysterischer Blaustrumpf“ verunglimpft wurde.

Alle Mitwirkenden beeindrucken durchwegs mit fulminanten Stimmen. Alles in allem: ein trotz einfacher szenischer Mittel opulenter Abend!

Weitere Informationen: www.freiebuehnewieden.at bzw. muth.at

14. Dezember 2016
nach Ingrid Pachmann
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Alle Jahre wieder – die Bolschoi Don Kosaken!

Prof. Petja Houdjakov und seine Bolschoi Don Kosaken gastieren zum Abschluss ihrer Weihnachtstournee am 23. Dezember im Wiener Konzerthaus. (Foto: Ingrid Pachmann)

Alle Jahre wieder tourt der berühmte Männerchor Bolschoi Don Kosaken durch Österreich, Deutschland, die Schweiz, Tschechien und die Slowakei und verzaubert das Publikum rund um die Weihnachtszeit und den Jahreswechsel mit stimmungsvollen Klängen und Tänzen.

Es ist der einzige Chor weltweit, der ausschließlich aus Opernsolisten besteht. Sein Leiter Petja Houdjakov stammt aus einer alten Kosakenfamilie aus Rostow am Don und ist Künstler, Tänzer, Choreograph, Sänger, Komponist, Musiker und Showman in einem. Er begleitet sich und den Chor bis heute perfekt auf dem Akkordeon – bei russischen Chansons genauso wie bei seinen selbst komponierten „Straßenliedern“.

Bereits Anfang der 1980er Jahre übernahm er nach Erkrankung von Serge Jaroff einige Mitglieder des legendären Don Kosaken Chores und baute unter dem Zusatz „Bolschoi“ (=groß) einen neuen Chor auf – wobei der Name nicht nur zur Unterscheidung von anderen, oft amateurhaften Gruppen dient, sondern auch für die Größe des Chores mit bis zu 60 Künstlern und die großartigen Leistungen der Sänger, Tänzer und Musiker steht.

Die Liste der nationalen und internationalen Würdigungen und Ehrungen für Prof. Petja Houdjakov ist lang, zuletzt erhielt er im Jahr 2014 anlässlich seines 80. Geburtstages und des 35-jährigen Bestehens der Bolschoi Don Kosaken vom niederösterreichischen Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll das Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst verliehen.

Karten für das Abschlusskonzert der Weihnachtstournee in Österreich am 23. Dezember (Beginn: 19.30 Uhr) im Wiener Konzerthaus sind unter www.bdk.at erhältlich.

14. Dezember 2016
nach Anja Schmidt
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„Santa Maria“: Roland Kaisers Ohrwürmer als Musical

Patricia Nessy, Gregor Glanz (l.) und Alfons Haider werden in den Hauptrollen von „Santa Maria“ zu sehen sein. Das Musical feiert am 14. Juli 2017 seine Uraufführung im Wiener MuseumsQuartier. (Foto: Barbara Nidetzky)

Die Hits von Roland Kaiser haben Ohrwurm-Qualität, und im Sommer des kommenden Jahres werden sie erstmals in einem Musical zu erleben sein: Am 14. Juli findet in der Halle E des Wiener MuseumsQuartiers die Uraufführung von „Santa Maria“ in einer Inszenierung von Stanislav Moša (Bühnenbild und Ausstattung: Christoph Weyers) statt.

In den Hauptrollen werden Patricia Nessy, Alfons Haider und Gregor Glanz zu sehen und zu hören sein. Norbert Hammerschmidt hat das Buch zum Musical verfasst, für die Choreografie zeichnet Ferdinando Chefalo verantwortlich.

Die Story: Fünf Freunde fliegen nach 20 Jahre nach der gemeinsamen Matura noch einmal auf die Insel Santa Maria. Evelin, ältere Schwester von Charlotte (Patricia Nessy), will deren Liebesglück ein wenig auf die Sprünge helfen: Charlottes Mann Thomas (Gregor Glanz) geht gänzlich in seinen Börsengeschäften auf und vernachlässigt seine Frau. Pilot Harry kommt Charlotte da gerade recht, um ihren Mann eifersüchtig zu machen – und der Plan funktioniert.

Mit von der Partie ist auch der ewige Junggeselle Ilja (Alfons Haider), ebenfalls ein Klassenkollege von Charlotte und Thomas. Zwischenzeitlich verlieben sich Andreas, auch ein Freund von Thomas, und Evelin ineinander und beschließen, ihr weiteres Leben fortan gemeinsam zu verbringen. Die Dinge nehmen ihren Lauf, als die Hotelbetreiber Pepe und Pepita zum Abschied eine große Verlobungsparty für Evelin und Andreas ausrichten…

„Santa Maria – das Musical“: 14. Juli bis 3. September 2017, MuseumsQuartier Wien (Halle E), Tickets bei : www.wien-ticket.at oder www.oeticket.com

12. Dezember 2016
nach Anja Schmidt
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Rundes Jubiläum für die Freie Bühne Wieden: 40 Jahre lebendige Theaterkultur

Michaela Ehrenstein leitet seit dem Jahr 2010 das charmante Theater in der Wiedner Hauptstraße 60b. (Foto: Lepsifoto)

Am 17. Dezember feiert Michaela Ehrenstein, Direktorin der Freien Bühne Wieden, das runde Jubiläum ihres Hauses im Rahmen eines großen Gala-Abends mit zahlreichen Kolleginnen und Kollegen.

Vor genau 40 Jahren von Topsy Küppers gegründet, wurde die Freie Bühne Wieden im Laufe der Jahre eine Pilgerstätte für viele Kulturaffine. Das Theaterjuwel mit seinen 98 Sitzplätzen gilt als Ort der Begegnung und der Auseinandersetzung mit hochaktuellen Themen.

„Es ist eine große Freude, Theater für Menschen zu machen, die noch gerne staunen und hinterfragen. Oft wird in unserem Theatersalon im ersten Stock bei Komödien gelacht, sehr oft jedoch macht sich aber auch Betroffenheit breit. Wenn wir nicht berühren und aufwühlen, dann machen wir etwas falsch“, ist Direktorin Ehrenstein überzeugt.

„Wir sind zwar nur ein kleines Theater, aber genau das macht uns so liebenswert. Man kommt bei uns sehr leicht mit anderen Gästen ins Gespräch, und diese lebendige Theaterkultur schätzen unsere Stammgäste seit Jahrzehnten. Wenn ich mir zu unserem 40. Jubiläum etwas wünschen dürfte, dann, dass die Politik über die Subventionen von uns kleinen Theatermachern nachdenkt, das Gespräch mit uns sucht und vielleicht sogar auch zu unseren Vorstellungen kommt. Ein kleiner Prozentsatz von den Förderungen der Großen wäre schon ein gewaltiger Schritt für uns“, hält Ehrenstein fest.

Vier Jahrzehnte Theaterarbeit in Zeitraffer auf der Bühne

98 Sitzplätze laden in der Freien Bühne Wieden zum Kulturgenuss ein. (Foto: Nik Pichler)

Gegründet von der Schauspielerin Topsy Küppers, landete diese gleich mit dem Eröffnungsstück  „Heute Abend Lola Blau“ von Georg Kreisler einen großen Erfolg und leitete das Theater 25 Jahre lang.

Am Silvesterabend des Jahres 2000 übergab Küppers die Direktion an den Autor und Regisseur Gerald Szyszkowitz, der das Theater als Uraufführungsbühne prägte. Stücke von Erika Mitterer, Peter Turrini, Milo Dor, Herbert Rosendorfer und auch seine eigenen wurden in diesem Theater zum ersten Mal gespielt und vom Publikum begeistert aufgenommen.

Seit dem Jahr 2010 leitet nun Michaela Ehrenstein, Schauspielerin, Regisseurin und Autorin, die Geschicke des Theaters, ebenfalls erfolgreich als Uraufführungsbühne. In Ehrensteins Direktionszeit gelangten bisher – neben einem eigenem Stück über die Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner – Uraufführungen von René Freund, Elfriede Hammerl, Matthias Mander, Wilhelm Pellert, Herbert Rosendorfer, Gerald Szyszkowitz, Stefan Vögel und Susanne F. Wolf zur Uraufführung.

Gefeiert wird mit einem Rückblick auf vier Jahrzehnte spannender Theaterarbeit in Zeitraffer, mit kurzen Szenen aus ausgewählten Produktionen. Mit dabei werden, neben Topsy Küppers und Gerald Szyszkowitz, zahlreiche Wegbegleiter sein: Anita Kolbert, Christine Renhardt, Gerhard Dorfer, Reinhard Hauser, Gerhard Rühmkorf, Marcus Strahl und viele andere.

Weitere Informationen: www.freiebuehnewieden.at bzw. auf Facebook

11. Dezember 2016
nach Anja Schmidt
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Orpheum Wien: Musikalische Schmankerl im Dezember

Mit einer Doppelvorstellung zu Silvester verabschieden sich Roland Neuwirth und die Extremschrammeln mit ihrem Programm „A Fluchtachterl ins Neuche Jahr“ vom Publikum. (Foto: Lukas Beck)

Das Orpheum setzt im Dezember wieder einen Musikschwerpunkt. Am 15. 12. geben sich Thomas Stipsits, Ulli Bäer und Willi Ganster – drei Gitarren, drei Stimmen – unter dem Motto „Von Danzer bis Stinatz“ ein Stelldichein. Mit Walther Soyka, dem Großmeister der Wiener Knopfharmonika, und dem begnadeten Gitarristen Hannes Wirth sind die idealen Partner mit an Bord. Beginn: 20 Uhr.

Tags darauf sorgt Andy Lee Lang mit seiner Band für Weihnachtsstimmung: In seiner neuen Show „Country Christmas“ erwartet das Publikum ein Ausflug in die Tex-Mex-Musik, in die Cajun-Music von Louisiana sowie in hawaiianische Klangwelten. Ein großartiges Erlebnis, nicht nur für Country Fans! Beginn: 20 Uhr.

Am 28. Dezember gehen die „Schnell Ermittelt“-Mimen Katharina Straßer und Wolf Bachofner mit dem Pianisten Bela Koreny wieder der Wiener Seele auf den Grund. „Wien für Anfänger“ ist der Titel der Reise mit Liedern und Texten von Georg Danzer, André Heller, Fritz Grünbaum, Gerhard Bronner, Georg Kreisler, Helmut Qualtinger, Marlene Dietrich und vielen anderen. Beginn: 20 Uhr.

Ein besonderes Schmankerl erwartet die Besucher des Orpheums zu Silvester – eine Doppelvorstellung von Roland Neuwirth und den Extremschrammeln mit ihrem Programm „A Fluchtachterl ins Neuche Jahr“. Neuwirth, heuer 66 Jahre alt geworden, verabschiedet sich damit von seinem Publikum – die perfekte Gelegenheit also, den Erneuerer des Wienerliedes noch einmal auf der Bühne zu erleben! Beginn: 18 bzw. 22.30 Uhr.

Weitere Informationen: www.orpheum.at (22., Steigenteschgasse 94 b)

8. Dezember 2016
nach Anja Schmidt
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„The Last Five Years“: Szenen einer Ehe als konzertantes Kammerspiel

Caroline Frank und Drew Sarich verkörpern ein junges New Yorker Künstlerpaar und liefern eine fulminante darstellerische Leistung ab. (Foto: Raimund Appel)

Musical, einmal nicht auf der großen Bühne, sondern im Veranstaltungsaal des „Brick 5“, der mit einem intimen, fast wohnzimmerartigen Charakter aufwartet: Ebendort hat Joanna Godwin-Seidl mit dem „Vienna Theatre Project“ eine konzertante Aufführung von Jason Robert Browns „The Last Five Years“ als atmosphärisch dichtes, mitreissendes Kammerspiel inszeniert.

Zwei Hocker, ein Klavierschemel – mit einfachster Szenerie kreiert Godwin-Seidl ein Maximum an Atmosphäre und setzt dabei ganz auf das Können und die Ausstrahlung der beiden grandiosen Gesangsprofis.

Caroline Frank (die für die erkrankte Ann Mandrella kurzfristig eingesprungen ist) und Drew Sarich verkörpern das junge New Yorker Künstlerpaar Cathy und Jamie, das sich im Laufe von fünf Jahren ver- und wieder entliebt.

Brown zeigt Szenen einer Beziehung, später Ehe, vom Kennenlernen hin zum überschwänglich vorgebrachten Heiratsantrag bis zur Trennung des Paares. Während Cathy ihre Geschichte separat als Rückblende erzählt, schildert Jamie seine eigene Version chronologisch – lediglich an einem Punkt der Handlung treffen die beiden einander.

Mitreissende Musik, beeindruckende Stimmen

Caroline Frank und Drew Sarich füllen den Raum mit beeindruckenden Stimmen und halten die Spannung die gesamte, knapp zwei Stunden ohne Pause währende Aufführung aufrecht.

Frank ist eine bezaubernde, stimmgewaltige Cathy, die als Schauspielerin ihren Platz in der Branche sucht. Großartig und mit viel Humor stellt Frank Cathys Selbstzweifel bei einem Vorsprechen dar, in dem Vieles schief läuft und sie sich sogar über ihre Schuhe ärgert. Drew Sarich mimt mit unglaublicher Dynamik den aufstrebenden Jung-Autor Jamie, der es nicht verstehen kann, dass ihn seine Liebste nicht zur – für ihn so wichtigen – Verlagsparty begleiten will.

Der Funke springt definitiv ins Publikum über – nicht auch zuletzt durch die mitreissende Musik, die von drei hervorragenden Interpreten zur Vollendung gebracht wird. Birgit Zach (die auch für die musikalische Leitung verantwortlich zeichnet) am Flügel, Sarah Grubinger an der Violine und Viola sowie Matthias Bartolomey am Violoncello zaubern eine – je nach Stimmung entsprechende – furiose, aber auch gemütvolle Klangwelt in den Raum. Alles in allem: ein höchst beglückender Abend!

Weitere Informationen: www.viennatheatreproject.com