Kultur Schatulle

Kultur-Schätze aus Wien und München

26. Februar 2017
nach Anja Schmidt
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„Der dressierte Mann“ in der Komödie am Kai: Ein Frauenversteher in der Bredouille

Hervorragendes Ensemble, dem die Spielfreude deutlich anzumerken ist: Ulli Fessl (l.), Rafael Witak, Bernadette Mezgolits und Eva Agai (Foto: Komödie am Kai)

Damit hat er nicht gerechnet: Frauenversteher Andreas, der seine Liebste mit einem romantischen Candlelight-Dinner samt Heiratsantrag überraschen möchte, fällt aus allen Wolken, als ihm seine Lebensgefährtin Laura eröffnet, befördert worden zu sein.

Die perfekte Beziehung auf Augenhöhe ist im Nu ramponiert, zumal sich Andreas selbst Hoffnungen auf den Posten in der Top-Etage gemacht hat und Laura zudem auch noch ein Vielfaches von seinem Gehalt verdienen wird. Und für Andreas ganz besonders desaströs: Laura muss sich auf Geheiß der Firmenleitung dazu verpflichten, ihren Kinderwunsch auf Jahre hinaus zu verschieben. Ärger zwischen den beiden ist somit vorprogrammiert.

Just zu diesem unpassenden Zeitpunkt statten sowohl Andreas’ wie auch Lauras Mutter ihren Sprösslingen einen Besuch ab. Unterschiedlicher könnten die beiden Damen nicht sein: Die Dozentin für Gender-Studies trifft auf die zum dritten Mal verehelichte Zahnarztgattin.

Doch so verschieden die 68er-Feministin einerseits und die Ehefrau mit einem Faible für Shopping-Touren andererseits zwar sind, bilden sich dennoch unerwartete Allianzen zwischen den Müttern. Und so lernt Laura in einem Crash-Kurs für sie völlig unbekannte Seiten des Frau-Seins kennen, während Andreas, der nach einem Delirium erst nach und nach seine Sinne wiedererlangt, die Welt nicht mehr versteht…

Vergnügliches Wetteifern um die Beziehungshoheit

John von Düffel, Jahrgang 1966, hat aus Esther Vilars Buch „Der dressierte Mann“, das im Jahr 1971 veröffentlicht wurde und für heftige Kontroversen sorgte, eine leichtfüßige Komödie (uraufgeführt im Düsseldorfer Theater an der Kö im Jahr 2011) kreiert. Sissy Boran und Andrea Eckstein haben das Werk für die Komödie am Kai adäquat bearbeitet, und auch 40 Jahre nach dem gesetzlichen Ende der „Hausfrauen-Ehe“ lässt das Stück noch Raum zum Nachdenken, sorgt aber gleichermaßen für gepflegtes Amüsement.

Schwungvoll und originell hat Sissy Boran das vergnügliche Wetteifern um die Beziehungshoheit inszeniert, in der Ausstattung von Barbara Langbein (Kostüme) und Siegbert Zivny (Bühnenbild) agiert ein hervorragendes Ensemble, dem die Spielfreude deutlich anzumerken ist.

Bernadette Mezgolits begeistert als selbstbewusste Powerfrau Laura, für die ein Gehaltsunterschied zwischen den Partnern kein Thema ist und die sich energisch gegen die Einmischung ihrer Mutter in sämtlichen Stilfragen stellt. Ebenso beeindruckt Rafael Witak als Andreas, der nur allzu gerne den Kochlöffel schwingt, im Spannungsfeld zwischen Lebensgefährtin, Mutter und Schwiegermutter in spe steht und mit allen dreien seine liebe Not hat.

Ulli Fessl brilliert als Zahnarztgattin Konstanze und Mutter von Laura, die an der Lebensführung ihrer Tochter kein gutes Haar lässt und sich ungefragt in deren Haushaltsbelange einmischt, ebenso grandios agiert Eva Agai als emanzipierte Gender-Forscherin Elisabeth, die sich mit Lauras Mutter verbündet und Andreas rundweg auf die Palme bringt.

Eine sehr charmante Produktion mit augenzwinkerndem Tiefsinn, die für feine Unterhaltung sorgt!

„Der dressierte Mann“ steht noch bis 8. April auf dem Spielplan der Komödie am Kai (1., Franz-Josefs-Kai 29), zu sehen  jeweils dienstags bis samstags (Beginn: 20.15 Uhr).

Weitere Informationen: www.komoedieamkai.at

21. Februar 2017
nach Anja Schmidt
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„Die Sakrilegia“ im Theater Experiment: Gefühle, Gelübde und ein Tagebuch aus der Vergangenheit

Fulminante Ensembleleistung: Michael Mischinsky (Landpfarrer Gabriel), Iris Schmid (Selma), Gabriele Beren (Mesnerin Agnes) und Gertraud Frey (Haushälterin Rosa) (Foto: Rolf Bock)

Eine junge Frau, nach einem Gewitter völlig durchnässt, quartiert sich in einem katholischen Pfarrhof ein. Von der Haushälterin und der Mesnerin mit Argwohn betrachtet, wird sie vom Hausherrn freundlich aufgenommen.

Allmählich wird klar, wer die Fremde ist und was sie will: Selma führt ein Tagebuch mit brisantem Inhalt mit sich, das sie von ihrer mittlerweile verstorbenen Mutter erhalten hat. Und zornig konfrontiert sie den Pfarrer mit ihrem Wissen, der alsbald vor einer folgenschweren Entscheidung steht – zählen Gefühle mehr als ein vor Jahrzehnten abgelegtes Gelübde?

Grandioses Ensemble: Michael Mischinsky (l., Landpfarrer Gabriel), Erwin Bail (Prälat Gregor) (Foto: Rolf Bock)

Fritz Holy hat Oskar Zemmes Schauspiel „Die Sakrilegia (In Ewigkeit Amen)“ in einer stringenten und einprägsamen Inszenierung auf die Bühne des Theaters Experiment am Liechtenwerd gebracht. Die unterschiedlichen Facetten der nuanciert gezeichneten Charaktere kommen unter Holys präziser Regie perfekt zur Geltung.

Das gesamte Ensemble vollbringt eine beachtliche Leistung: Michael Mischinsky glänzt als Landpfarrer Gabriel, der heftig mit sich ringt, weil er von seiner Vergangenheit eingeholt wird und nach mehr als 20 Jahren wieder vor der Entscheidung steht, entweder der kirchlichen Ordnung Folge zu leisten oder sich zu seiner Familie zu bekennen. Sehr beachtenswert agiert Iris Schmid als Selma, die erst ungehobelt und fordernd das Leben auf dem Pfarrhof gehörig durcheinander bringt, aber auch im Verlauf ihres Aufenthalts dessen Bewohner mit Lebensfreude ansteckt.

Selma (Iris Schmid) bringt das Leben von Landpfarrer Gabriel (Michael Mischinsky) gehörig durcheinander. (Foto: Rolf Bock)

Gertraud Frey liefert eine grandiose Darstellung einer unwirschen und strengen Haushälterin, die ihren Chef nur allzu gerne bevormundet, jedoch die neue Situation auch mit Augenzwinkern betrachtet. Ihr ebenbürtig mimt Gabriele Beren die pflichtgetreue Mesnerin Agnes, die sich von Haushälterin Rosa sogar zu einem Tänzchen in der Stube überreden lässt.

Erwin Bail (der ein passendes rustikales Bühnenbild samt Kachelofen kreiert hat) beeindruckt als selbstgerechter Prälat Gregor: Dieser kommt auf den Pfarrhof, um seinen Mitbruder, aber auch Selma, zur Räson zu bringen und hält Hochwürden Gabriel drastisch vor Augen, wie die Kirche seinen Lebensweg bereits vor mehr als zwei Jahrzehnten gravierend mitbestimmt hat.

Ein heiter-tiefgründiges Stück, das sich anzusehen lohnt!

Gespielt wird noch bis 4. März im Theater Experiment (9., Liechtensteinstraße 132), jeweils dienstags bis samstags (Beginn: 20 Uhr).

Weitere Informationen: www.theater-experiment.com

19. Februar 2017
nach Ingrid Pachmann
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Stimmiges Internationales Neujahrs-Chorkonzert im Wiener Musikverein

Gemeinsamer Auftritt der japanischen Chöre und des Wiener Schubertbundes mit „An der schönen blauen Donau“ von Johann Strauß (Sohn), dirigiert von Prof. Fritz Brucker (Foto: Karl Pachmann)

Im Großen Musikvereinssaal, der als einer der schönsten und akustisch besten Säle der Welt gilt, ging am 5. Februar das schon traditionelle Internationale Neujahrs-Chorkonzert des Wiener Schubertbundes mit japanischen Chören – diesmal mit dem Frauenchor Amapola, Chor Togashi, Nagawa Green Harmony und Frauenchor Hitachi – über die Bühne.

Zauberhafte alte japanische Volks- und Kinderlieder standen genauso auf dem Programm wie eine Jazzmesse, festliche Mambo-Musik oder Klänge von Schubert, Mozart und Lehár. Die herrlichen Stimmen, das vielfältige Repertoire und die wunderschönen Roben der Damen (großteils Kimonos) wurden vom Publikum mit dankbarem Applaus bedacht.

Männerchor „Wiener Schubertbund“

Im November 1863 von Franz Mair als „Lehrersängerchor Schubertbund“ gegründet, firmierte der Chor ab dem Jahr 1870 unter dem Namen „Schubertbund“, seit 1922 unter „Wiener Schubertbund“. 1935 war die Mitgliederzahl bereits derart angewachsen, dass insgesamt 500 Sänger vor Papst Pius IX. in Rom ein Konzert geben konnten.

Seit einigen Jahren wird der Chor, dessen künstlerische Leitung seit 2001 in den bewährten Händen von Vollblutmusiker Prof. Fritz Brucker liegt, bei seinen Konzerten von der Pianistin Nina Violetta Aichner am Klavier begleitet. Das Repertoire des Wiener Schubertbundes, der seinen Vereinssitz im Wiener Konzerthaus hat, umfasst Männerchöre der bedeutendsten Komponisten aller Musikstile, vor allem das Liedgut von Franz Schubert, aber auch Werke von Bach, Mozart, Lehár, Richard Strauss, der Strauß-Dynastie bis hin zu den Beatles.

Der Wiener Schubertbund arbeitet bei seinen Konzerten immer wieder mit namhaften Solisten wie Kammersängerin Renate Holm zusammen. Beim diesjährigen Neujahrs-Chorkonzert erntete Andreas Hirsch (Bass) für seinen Solopart in „Ol’ Man River“ tosenden Applaus.

Weitere Informationen: www.schubertbund.at

12. Februar 2017
nach Anja Schmidt
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Eine Familie zwischen Tradition und Moderne: Vienna Theatre Project mit „The Who and the What“ im Bar & Co.

Sina Pirouzi (l.), Saman Giraud und Harmage Singh Kalirai in „The Who and the What“ (Foto: Ine Gundersveen)

„The Who and the What“, ein Stück des US-amerikanischen Dramatikers Ayad Akhtar (geboren 1970 in New York City), hat Joanna Godwin-Seidl für das Vienna Theatre Project inszeniert. Die Produktion feiert morgen (13. Februar) als europäische Erstaufführung Premiere im Theater Drachengasse.

Akhtars Werk ist eine tiefgründige Komödie über eine Familie, die sich zwischen Tradition und Moderne bewegt: Protagonistin Zarina, eine Schriftstellerin und muslimische Feministin, schreibt an einem hoch kontroversiellen Buch. Zwar muslimisch erzogen und eng verbunden mit ihrer Familie, pflegt Zarina einen im Rahmen ihrer Wurzeln westlichen Lebensstil. Die Überschneidung beider Welten trifft sie in Eli, einen zum Islam konvertierten Christen und Imam.

Zarinas Vater Afzal ist derweil auf der Suche nach einem Ehemann für seine Tochter, zumal Zarinas jüngere Schwester Mahwish bereits verlobt ist und nur darauf wartet, dass sich diese endlich vermählt, um selbst heiraten zu können. Die Familie wird in ihren Grundfesten erschüttert, als zutage tritt, worüber Zarina in ihrem Buch wirklich schreibt.

In der Inszenierung von Joanna Godwin-Seidl wirken Saman Giraud als Zarina, Harmage Singh Kalirai als Afzal, Sina Pirouzi als Mahwish sowie Dave Moskin als Eli mit.

Gespielt wird „The Who and the What“ im Bar & Co. des Theaters Drachengasse (1., Fleischmarkt 22) von 13. bis 25. Februar (Achtung: Am 22. Februar findet eine geschlossene Vorstellung statt!), jeweils dienstags bis samstags, Beginn: 20 Uhr.

Weitere Informationen: www.viennatheatreproject.com bzw. www.drachengasse.at

8. Februar 2017
nach Anja Schmidt
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Bronski & Grünberg-Theater: Rasanter „Szenenwechsel“ mit Witz, Herz und Ohrfeigen

„Szenenwechsel“ im Bronski & Grünberg-Theater: Im Stil einer öffentlichen Generalprobe spielen sich Doris Hindinger und Alexander Jagsch durch den Kosmos der Hollywoodgeschichte. (Foto: Marco Zimprich)

Der Titel des Stücks – „Szenenwechsel“ – ist Programm: „Casablanca“, „Der Hofnarr“, „Harry und Sally“ und andere Klassiker der Filmgeschichte hat Alexander Jagsch in sein Bühnenerstlingswerk vermengt, um damit ein höchst vergnügliches Potpourri aus den berühmtesten Szenen zu kreieren.

Alexander Hauer hat das Schauspiel, das seine Wien-Premiere im Bronski & Grünberg-Theater erlebte, mit Jagsch selbst, Doris Hindinger und Boris Fiala sehr dynamisch inszeniert. Letztgenannter tritt als Musiker und Geräuschemacher in Aktion.

Im Stil einer öffentlichen Generalprobe spielen sich Hindinger und Jagsch als Doris und Ali durch den Kosmos der Hollywoodgeschichte. In rasantem Tempo und mit viel Körpereinsatz schlüpfen die beiden in die unterschiedlichsten Rollen und hinterfragen die filmischen Begebenheiten.

Da gerät das Treffen von Harry und Sally im Restaurant zum buchstäblichen Höhepunkt, dürfen Rick und Ilsa aus „Casablanca“ ihre Beziehungskiste reflektieren und wird „Dirty Dancing“ mit Wienerischem Einschlag präsentiert. Gegenseitige Regieanweisungen, was Ausspracheregeln betrifft („Rhett und nicht Rrrrett!“), sorgen für zusätzliche Situationskomik.

Knappe 90 Minuten lang entfesseln Hindinger und Jagsch, beide auf hinreissende Art und Weise, einen furiosen Schlagabtausch, der – mit bestem Timing für die Pointen – große Heiterkeit entfacht. Und beide eine ganze Palette an Gemütsverfassungen durchleiden lässt: Da wird geherzt und geschmachtet und geohrfeigt und gestritten.

Fiala sorgt als stummer Kommentator für eine authentische Geräuschkulisse, von Windspiel bis zum klackenden Feuerzeug, und begleitet das Geschehen abwechselnd auf dem Metallophon, Keyboard und Cello. Interaktion ist zum Abschluss noch gefragt, wenn das Publikum bei einem Film-Quiz miträtseln darf.

Hier bleibt kein Auge trocken!

Gespielt wird am 11./12. Februar sowie am 18. und 24. Februar im Bronski & Grünberg-Theater (9., Müllnergasse 2), Beginn: jeweils 19.30 Uhr.

Weitere Informationen: www.bronski-gruenberg.at

2. Februar 2017
nach Anja Schmidt
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Freie Bühne Wieden: Philosophische Betrachtungen über Gott und die Welt

„Freuds letzte Sitzung“ in der Freien Bühne Wieden: Felix Kurmayer (l.) beeindruckt als C. S. Lewis, Gerhard Dorfer glänzt als Freud. (Foto: Rolf Bock)

Zwei völlig unterschiedliche Weltanschauungen kollidieren im Londoner Arbeitszimmer von Sigmund Freud: Der berühmte Psychoanalytiker erachtet den Glauben an Gott als eine Form von mangelnder Reife, sein jüngerer Besucher, der Schriftsteller C. S. Lewis, hingegen ist überzeugter Katholik.

So gestaltet sich die Ausgangssituation des spannungsreichen Zwei-Personenstücks „Freuds letzte Sitzung“ („Freud’s Last Session“, uraufgeführt in Pittsfield/Massachusetts im Jahr 2009) des US-amerikanischen Dramatikers Mark St. Germain, das Reinhard Hauser als deutschsprachige Erstaufführung für die Freie Bühne Wieden inszeniert hat.

Freud und Lewis diskutieren (in einer mutmaßlich fiktiven Begegnung im September des Jahres 1939) über Gott und die Welt – die Gewissheit des Einen über die Existenz eines Schöpfers löst beim Anderen entrüsteten Protest aus. Aber auch die Macht des Humors oder Freuds Erfahrungen mit dem Antisemitismus in seiner Kindheit in Wien werden in diesem leidenschaftlichen Schlagabtausch thematisiert.

Gerhard Dorfer und Felix Kurmayer spielen die beiden Kontrahenten, die zwar auf ihren jeweiligen Standpunkten verharren, jedoch auf einer persönlichen Ebene zusammenfinden, als die Torturen von Freuds Krebserkrankung offensichtlich werden. Dorfer glänzt als aufbrausender, aber auch selbstironischer Atheist, der kleine Sakralobjekte auf seinem Schreibtisch hortet und seinen jüngeren Besucher gerne provoziert. Kurmayer beeindruckt als stoischer, dem älteren Gastgeber durchaus ebenbürtiger Schriftsteller, der sich nicht so leicht aus der Reserve locken lässt.

Reinhard Hauser ist eine überzeugende Inszenierung gelungen, die mit Fliegeralarm (der den noch vom Ersten Weltkrieg traumatisierten Lewis in Panik versetzt) und Radioübertragungen eine packende Atmosphäre bewirkt. Sehr detailreich – mit Schreibtisch, Couch und Fauteuil – hat Hauser auch das Bühnenbild (Bühnenbauten: Erwin Bail) gestaltet. Eine kurzweilige und sehenswerte Aufführung!

Gespielt wird noch bis einschließlich 4. Februar in der Freien Bühne Wieden (4., Wiedner Hauptstraße 60b), Beginn: jeweils 19.30 Uhr.

Weitere Informationen: www.freiebuehnewieden.at

29. Januar 2017
nach Anja Schmidt
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Bronski & Grünberg: Antigone, Iphigenie und der Wunsch nach Freiheit

Bronski & Grünberg-Theater: Julia Edtmeier (l.) und Aleksandra Corovic sind ab 1. Februar in „Anti_gone“ zu sehen. (Foto: Tim Hüning)

Das Bronski & Grünberg-Theater in der Müllnergasse 2 ist eine der spannendsten Neuentdeckungen in dieser Spielzeit. In seiner ersten Produktion des neuen Jahres werden ab 1. Februar gleich zwei antike Klassiker ins Jetzt gehievt: Antigone trifft auf Iphigenie – mit Live-Musik, Gesang und sehr viel Körpereinsatz.

Im Wartezimmer eines Therapeuten sitzt die gelangweilte Iphigenie. Mit dem Smartphone in der Hand und in Zeitschriften blätternd wartet sie auf ihre Mutter Klytämnestra. Wenig später betritt die unbändige Antigone den Warteraum und verwickelt die jugendlich-naive Iphigenie in therapeutische Rollenspiele. Durch ihr eigenes Spiel aufgewühlt, sucht sie immer wieder Sicherheit im Rauchen einer Zigarette – doch Tabakkonsum ist hier nicht gestattet.

Fragen werden aufgeworfen: Was ist das Geheimnis des Menschen, wenn alles über ihn bekannt gemacht wird? Was bleibt übrig, wenn Informationen über alles und jeden verfügbar werden? Ist die totale Überwachung das Ende der menschlichen Geschichte? Ist die globale Vernetzung und Datenspeicherung das Ende des freien Willens? Ist das Bestreben nach totaler Sicherheit das Ende unserer Handlungshoheit? Wie kann man seinen ganz privaten, eigenen Raum noch behaupten, wenn man von allen Seiten zur Definition seiner selbst gezwungen wird?

Für Antigone ist die Seele der Ursprung allen Widerstandes. Die Seele zu schützen, ist Aufgabe jedes Menschen – tut er es nicht, setzt er sich der Gefahr aus, eine Nummer in einer Masse von Nummern zu sein.

Steve Schmidt inszeniert nach Text und Konzept von Aristoteles Chaitidis, Aleksandra Corovic und Julia Edtmeier spielen Antigone bzw. Iphigenie. In weiteren Rollen wirken Jan Walter als Wächter und Alfred Pschill als Klytämnestra mit.

„Anti_gone“ hat am 1. Februar im Bronski & Grünberg-Theater (9., Müllnergasse 2) Premiere (Beginn: 19.30 Uhr), weitere Vorstellungen finden am 2./ 9./ 10./ 15./ 16./ 17. Februar  sowie am 14./ 15./ 16. März statt.

Weitere Informationen: www.bronski-gruenberg.at

27. Januar 2017
nach Anja Schmidt
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Theater Center Forum kredenzt „Das (perfekte) Desaster-Dinner“ ab 14. Februar

Theater Center Forum: Anna Dangel in „Das (perfekte) Desaster-Dinner“ (Foto: Laura Fikentscher)

Ab 14. Februar bietet das Theater Center Forum die Gelegenheit, Marc Camolettis reizvolle Komödie „Madame, es ist angerichtet“ in Michael Niavaranis Fassung „Das (perfekte) Desaster-Dinner“ zu erleben.

Rochus Millauer inszeniert das flotte Spektakel rund um ein – erhofftes – romantisches Dinner in einem idyllischen Wochenendhaus mit Eva-Christina Binder, Anna Dangel, Eszter Hollósi, Oliver Roitinger und Max Spielmann.

Das geplante Tête-à-tête mit der Geliebten verläuft allerdings völlig anders als geplant: Zwar wurde ein Cateringservice bestellt, um der Angebeteten, die Geburtstag hat, einen wunderbaren Abend zu bereiten, und sogar der beste Freund des Hausherrn ist als Alibi mit von der Partie – für den Fall, dass etwas schief geht. Doch die Gattin, die ihre Mutter besuchen wollte, bleibt zu Hause. Das romantische Geburtstagsdinner mit der Geliebten gerät somit zum Desaster.

Eine Köchin, die ein Model, und ein Model, das eine Köchin spielen muss, komplettieren die Runde. Der Ehemann dichtet seine Geliebte vor der Ehefrau seinem besten Freund an, der wiederum der Geliebte der Ehefrau ist. Ein Lügenkonstrukt, wie es verworrener nicht sein könnte…

Mit „Das (perfekte) Desaster-Dinner“ konnte Niavarani zum Auftakt seiner Intendanz der Festspiele Berndorf im Jahr 2011 ganze 36 ausverkaufte Vorstellungen im Stadttheater Berndorf sowie in der Wiener Stadthalle und eine ebenso erfolgreiche Wiederaufnahme im Jahr darauf verbuchen. Auf die Umsetzung von Rochus Millauer und seinem Ensemble im Theater Center Forum darf man gespannt sein!

Gespielt wird bis 11. März sowie von 8. bis 24. Juni (täglich außer sonntags und montags und von 15. bis 17. Juni), Beginn: jeweils um 20 Uhr. Weitere Informationen: www.theatercenterforum.com

25. Januar 2017
nach Anja Schmidt
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„Cats“, „Elisabeth“ & „Tanz der Vampire“: Musical-Gala am 5. Februar in der Wiener Stadthalle

Mit „The Best of Musicals“ erwartet das Publikum ein breitgefächerter Querschnitt aus der Welt des musikalischen Unterhaltungstheaters an einem einzigen Abend. (Foto: Kultopolis/Marco Müller)

Ein wahres Gustostückerl erwartet Musical-Fans am 5. Februar in der Wiener Stadthalle (Halle F): „The Best of Musicals“ präsentiert einen breitgefächerten Querschnitt aus der Welt des musikalischen Unterhaltungstheaters an einem einzigen Abend. Über 250 farbenprächtige Kostüme, akrobatische Tanzeinlagen und eindrucksvolle Videoprojektionen nehmen die Zuschauer mit zu den beeindruckendsten Momenten der Musical-Geschichte.

Hits aus dem Michael Jackson-Musical „Thriller“ sowie aus „We Will Rock You“, dem Musical von Queen und Ben Elton, fehlen an diesem Abend genau so wenig wie die berühmtesten Melodien aus „Tanz der Vampire“, „Elisabeth“, „Der König der Löwen“ oder „Ich war noch niemals in New York“. Auch die musikalischen Glanzlichter aus Klassikern wie „Starlight Express“, „Das Phantom der Oper“ oder „Cats“ werden das Publikum erfreuen.

Um die Songs so authentisch wie möglich auf die Bühne zu bringen, wurden zahlreiche Solisten der Originalproduktionen verpflichtet. Anekdoten und spannende Hintergrundinformationen bereichern die Show in einer kurzweiligen Moderation, und die Zuschauer erleben somit eine Zeitreise durch die zauberhafte Welt der Musicals an einem einzigen Abend.

„The Best of Musicals“: 5. Februar, 20 Uhr, Wiener Stadthalle (Halle F), Beginn: 20 Uhr.

Tickets: www.stadthalle.com, www.oeticket.com bzw. unter www.wien-ticket.at

22. Januar 2017
nach Anja Schmidt
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Schaubühne Wien im Theater Center Forum: Ménage-à-trois mit Überraschungseffekt

Exzellentes Schauspielertrio im Theater Center Forum: Stefan Rager (l.) als Paul, Leila Strahl als Sophie und Michael Duregger als Martin, Rüpel wider Willen. (Foto: Rolf Bock)

Ein wahrer Glücksgriff ist Marcus Strahl gelungen, mit der Auswahl des Stücks für die jüngste Produktion seiner Schaubühne Wien: „Trennung für Feiglinge“ (Original: „Une semaine, pas plus“) von Clément Michel (deutsche Übersetzung von Frank-Lorenz Engel), Jahrgang 1974, ist eine originelle, in höchstem Maße vergnügliche Komödie über eine Wohngemeinschaft der etwas anderen Art, die derzeit als österreichische Erstaufführung im Theater Center Forum zu sehen ist.

Eine Woche, nicht mehr – so lange soll Martin bei seinem Freund Paul und dessen Lebensgefährtin Sophie wohnen. Zumindest sieht dies Pauls vermeintlich raffinierter Plan vor, denn eigentlich ist Paul in höchstem Maße genervt von seiner Freundin, bringt jedoch nicht den Mut auf, sich von ihr zu trennen. Somit soll Martin für Paul in die Bresche springen und Sand ins Getriebe der trauten Zweisamkeit streuen…

Völlig entgeistert reagiert Martin auf die Idee seines Freundes, zumal dieser auch noch eine schaurige Geschichte über einen Trauerfall in Martins Familie erfindet, um Sophie die Notwendigkeit der neuen Wohnverhältnisse glaubhaft zu machen. Doch für den gutmütigen Martin ist es gar nicht so leicht, die Nervensäge wider Willen zu spielen…

Crashkurs in schlechtem Benehmen gerät zu Komik der erlesensten Sorte

Viele Wendungen und großartige Pointen (wenn auch nicht immer mit der feinen Klinge) hat Michels Stück zu bieten, das Marcus Strahl sehr dynamisch mit einem wunderbar spielfreudigen Ensemble inszeniert hat. Leila Strahl ist eine zuvorkommende, nicht aus der Fassung zu bringende Sophie, die sich nur zu gern des bedauernswerten Gastes annimmt. Stefan Rager mimt den mutlosen Paul, der es nicht fertig bringt, seiner Freundin seine Trennungsabsichten zu gestehen, und Michael Duregger schließlich verkörpert mit unvergleichlicher Mimik einen fassungslosen Martin, der sich mit dem ihm zugedachten Part erst vertraut machen muss.

Es bereitet höchstes Amüsement, den drei Akteuren zuzusehen: Wie der genervte Paul dem biederen Martin einen Crashkurs in Sachen schlechten Benehmens – Bücher fliegen durch den Wohnraum, Macho-Allüren werden trainiert –, angedeihen lässt, ist großes Kino und Komik der erlesensten Sorte. Sehr amüsant anzusehen ist auch Strahls Regieeinfall, wonach dem von Hä­mor­rho­i­den geplagten Gast mit passendem Timing jedes Mal, wenn er sich hinsetzen möchte, ein Polster unter dem Gesäß weggezogen wird.

Martin Gesslbauer hat mit seinem Bühnenbild ein stilvolles Wohnzimmer mit modernem Chic für die Ménage-à-trois entworfen. Alles in allem: eine rundum stimmige Inszenierung, mit der Marcus Strahl ein großer Wurf gelungen ist.

„Trennung für Feiglinge“ ist noch bis 11. Februar im Theater Center Forum (9., Porzellangasse 50) zu sehen und danach in ausgewählten Theatern  in Niederösterreich, im Burgenland und in Oberösterreich.

Weitere Informationen: www.theatercenterforum.com bzw. www.schaubuehnewien.at