Kultur Schatulle

Kultur-Schätze aus Wien und München

8. Dezember 2016
nach Anja Schmidt
Keine Kommentare

„The Last Five Years“: Szenen einer Ehe als konzertantes Kammerspiel

Caroline Frank und Drew Sarich verkörpern ein junges New Yorker Künstlerpaar und liefern eine fulminante darstellerische Leistung ab. (Foto: Raimund Appel)

Musical, einmal nicht auf der großen Bühne, sondern im Veranstaltungsaal des „Brick 5“, der mit einem intimen, fast wohnzimmerartigen Charakter aufwartet: Ebendort hat Joanna Godwin-Seidl mit dem „Vienna Theatre Project“ eine konzertante Aufführung von Jason Robert Browns „The Last Five Years“ als atmosphärisch dichtes, mitreissendes Kammerspiel inszeniert.

Zwei Hocker, ein Klavierschemel – mit einfachster Szenerie kreiert Godwin-Seidl ein Maximum an Atmosphäre und setzt dabei ganz auf das Können und die Ausstrahlung der beiden grandiosen Gesangsprofis.

Caroline Frank (die für die erkrankte Ann Mandrella kurzfristig eingesprungen ist) und Drew Sarich verkörpern das junge New Yorker Künstlerpaar Cathy und Jamie, das sich im Laufe von fünf Jahren ver- und wieder entliebt.

Brown zeigt Szenen einer Beziehung, später Ehe, vom Kennenlernen hin zum überschwänglich vorgebrachten Heiratsantrag bis zur Trennung des Paares. Während Cathy ihre Geschichte separat als Rückblende erzählt, schildert Jamie seine eigene Version chronologisch – lediglich an einem Punkt der Handlung treffen die beiden einander.

Mitreissende Musik, beeindruckende Stimmen

Caroline Frank und Drew Sarich füllen den Raum mit beeindruckenden Stimmen und halten die Spannung die gesamte, knapp zwei Stunden ohne Pause währende Aufführung aufrecht.

Frank ist eine bezaubernde, stimmgewaltige Cathy, die als Schauspielerin ihren Platz in der Branche sucht. Großartig und mit viel Humor stellt Frank Cathys Selbstzweifel bei einem Vorsprechen dar, in dem Vieles schief läuft und sie sich sogar über ihre Schuhe ärgert. Drew Sarich mimt mit unglaublicher Dynamik den aufstrebenden Jung-Autor Jamie, der es nicht verstehen kann, dass ihn seine Liebste nicht zur – für ihn so wichtigen – Verlagsparty begleiten will.

Der Funke springt definitiv ins Publikum über – nicht auch zuletzt durch die mitreissende Musik, die von drei hervorragenden Interpreten zur Vollendung gebracht wird. Birgit Zach (die auch für die musikalische Leitung verantwortlich zeichnet) am Flügel, Sarah Grubinger an der Violine und Viola sowie Matthias Bartolomey am Violoncello zaubern eine – je nach Stimmung entsprechende – furiose, aber auch gemütvolle Klangwelt in den Raum. Alles in allem: ein höchst beglückender Abend!

Weitere Informationen: www.viennatheatreproject.com

8. Dezember 2016
nach Anja Schmidt
Keine Kommentare

„Bertha von Suttner“ im MuTh: Von der Komtesse zur Friedensnobelpreisträgerin

„Bertha von Suttner“ im MuTh: Maya Hakvoort schlüpft am 12. Dezember in die Rolle der späteren Friedensnobelpreisträgerin im Musical von Michaela Ehrenstein und Béla Fischer. (Foto: Alexander Haiden)

Am 12. Dezember präsentieren Béla Fischer und Michaela Ehrenstein ein neues gemeinsames Projekt: Ihr Musical „Bertha von Suttner“ wird in einer konzertanten Aufführung im MuTh – Konzertsaal der Wiener  Sängerknaben zur Aufführung gebracht.

Maya Hakvoort wird in der Titelrolle zu sehen sein, in weiteren Hauptrollen wirken André Bauer, René Rumpold, Peter Lesiak, Elena Schreiber, Marianne Curn, Ulli Fessl und Martin Gesslbauer mit, Robert Kolar und Thomas Stroux ergänzen das Ensemble. Für die musikalische Umsetzung zeichnet die Formation „Fischers for Compliments“ mit Béla, Bela jun. und Michael Fischer sowie Gerfried Krainer verantwortlich.

Das Musical „Bertha von Suttner“ (Musik: Béla Fischer/Text: Michaela Ehrenstein) erzählt das spannende Leben der Schriftstellerin auf dem Weg zum Friedensnobelpreis. Ehrenstein spannt einen weiten Bogen von der jungen Komtesse Bertha von Kinsky, die von der Hocharistokratie auf ihrem ersten Ball geschnitten wird, später eine Stelle als Gouvernante bei Baron Suttner findet und dann in Paris zur Sekretärin von Alfred Nobel avanciert.

Nach einer heimlichen Heirat mit dem jungen Sohn von Baron Suttner zieht sie mit ihrem Mann für neun Jahre in den Kaukasus und beginnt dort zu schreiben. Ihr pazifistischer Roman „Die Waffen nieder“ wird ein Welterfolg und in 24 Sprachen übersetzt. Suttner gründet die österreichische Friedensgesellschaft und wird – lange bevor Frauen das Wahlrecht besitzen – Galionsfigur der internationalen Friedensbewegung. Im Jahr 1906 erhält sie als erste Frau den Friedensnobelpreis, zu dessen Stiftung sie Nobel Jahre zuvor angeregt hat.

Die konzertante Aufführung findet übrigens zwei Tage nach der jährlichen Verleihung des Friedensnobelpreises in Oslo statt.

„Bertha von Suttner“: 12. Dezember (Beginn: 19.30 Uhr) im MuTh – Konzertsaal der Wiener Sängerknaben (2., Am Augartenspitz 1), weitere Informationen:  muth.at

7. Dezember 2016
nach Ingrid Pachmann
Keine Kommentare

Auf den Spuren der Wissenschaftsgeschichte

Die Österreichische Gesellschaft für Wissenschaftsgeschichte – im Bild: Generalsekretär Johannes Seidl – lädt zu spannenden Fachvorträgen und Führungen. (Foto: Pachmann)

Univ.-Doz. Mag. Dr. Johannes Seidl, MAS, ist seit 2010 Generalsekretär der Gesellschaft, die seit dem Jahr 1980 unter dem Namen „Österreichische Gesellschaft für Geschichte der Naturwissenschaften“ mit der Absicht gegründet wurde, ein öffentliches Forum für alle an wissenschaftsgeschichtlichen Themen und Forschungen Interessierte im In- und Ausland zu schaffen.

Der stellvertretende Leiter des Archivs der Universität Wien findet es „wichtig, sich mit Wissenschaftsgeschichte zu befassen, weil man dann gewisse Entwicklungen in der Gegenwart viel besser begreifen kann.“

Nachdem Förderungen durch das Wissenschaftsministerium vor einigen Jahren eingestellt wurden, ist die Gesellschaft – die älteste dieser Art in Österreich – heute völlig auf Mitgliedsbeiträge und Firmensponsoring angewiesen: „Dafür bieten wir pro Semester vier Fachvorträge von ausgewiesenen ExpertInnen. Und vor rund zwei Jahren haben wir Exkursionen in Sammlungen eingeführt, die für die Öffentlichkeit normalerweise nicht zugänglich sind. Was sich schon eines gewissen Interesses erfreut, unsere derzeit 225 Mitglieder wissen das zu schätzen.“

Die naturwissenschaftlichen Sammlungen der Universität Wien, vor allem die geologische, mineralogische und zoologische, beherbergen echte Schätze, von denen nur wenige wissen. „Erst seit zirka acht Jahren werden universitäre Sammlungen richtig durchleuchtet, auch aus konservatorischen Gründen.“

Der jährliche Mitgliedsbeitrag, der die Tore zu hochinteressanten Vorträgen und Führungen in diese Sammlungen öffnet, ist vergleichsweise gering: 30 Euro (für Studenten 15 Euro).

Weitere Informationen: wissenschaftsgeschichte.ac.at

6. Dezember 2016
nach Anja Schmidt
Keine Kommentare

„Frauenzimmer“: Die vielen Facetten des Frau-Seins

web-truxa-schaefer

„Frauenzimmer“: Dagmar Truxa (l.) und Cornelia Schäfer lesen vergnügliche und lebenskluge Texte über die vielen Facetten des Frau-Seins. (Foto: Richard Maynau)

Von Adam, der ihm ebenbürtigen Lilith und Eva, die aus einer seiner Rippen geschaffen wurde, über Eichendorffs „Waldgespräch“ zu Loriots Dialog über die Streitfrage nach dem schönsten Kleid: Einen breiten Bogen spannen Dagmar Truxa und Cornelia Schäfer in ihrem ebenso ideenreichen wie vergnüglichen Programm „Frauenzimmer – Von Hexen, Musen und Amazonen“, das vor vollem Haus in der Komödie am Kai dargeboten wurde.

Es lohnt sich übrigens, bisweilen einen genaueren Blick auf die Spielpläne der kleineren Theater zu werfen, wo Preziosen wie dieses Programm ihren verdienten Platz finden.

Mit feinem Gespür für eine Auswahl an lebensklugen und spannenden Texten – neben Brentano, Tucholsky und Gioconda Belli werden dem Publikum auch Werke aus Schäfers Feder präsentiert – changiert der Abend fernab jeglicher Klischees.

Aber auch erschreckende Details werden nicht ausgespart: Erst vor 72 (!) Jahren wurde die Schottin Helen Duncan als letzte Frau in Europa als Hexe verurteilt, und erst im Jahre 1951 wurde der Witchcraft Act unter Premierminister Winston Churchill außer Kraft gesetzt.

Doch das Heitere überwiegt, und es bereitet große Freude, den beiden Künstlerinnen, die perfekt interagieren und miteinander harmonieren, zuzusehen. Sehr amüsant stellt sich der Vergleich von zwei Tagebüchern dar, in denen aus weiblicher bzw. männlicher Sicht ein und derselbe Abend beschrieben werden. Oder die 77 Methoden, um Frauen glücklich zu machen – mitunter sind es ja oft die kleinen Dinge, die zählen.

Chansons wie „Der Novak lässt mich nicht verkommen“ oder „Non, je ne regrette rien“, vorgetragen von Dagmar Truxa, verleihen dem Abend noch eine besondere Würze. „Ich bereue nichts“: Das ist auch das Fazit eines wunderbaren Abends, der Mut zu mehr Gelassenheit macht – vor allem, wenn der Märchenprinz schon mit gutem Gewissen von seinem Thron gestoßen wurde.

Weitere Informationen: dagmartruxa.at bzw. www.cornelia-schaefer.at

30. November 2016
nach Anja Schmidt
2 Kommentare

„Der Bockerer“ im Theater Center Forum: Mit Witz und Renitenz gegen ein grausames System

web_der-bockerer_c_rolf-bock_085

„Der Bockerer“: Johannes Kaiser, Gregor Viilukas, Rudi Larsen und Martin Gesslbauer (v. l.) beeindrucken in der starken Inszenierung von Marcus Strahl. (Foto: Rolf Bock)

Ein bedeutendes, zeitlos aktuelles Stück ist „Der Bockerer“, verfasst von Peter Preses und Ulrich Becher und im Jahre 1948 im Neuen Theater an der Scala in Wien uraufgeführt: Marcus Strahl hat den Klassiker um einen renitenten und gewitzten Fleischhauer in der Nazi-Zeit mit dem Ensemble seiner Schaubühne Wien ausdrucksstark und ideenreich inszeniert.

In zwölf Bildern erzählen Preses und Becher (Neufassung: Marcus Strahl) – beginnend mit dem Einmarsch der Hitler-Truppen im Jahr 1938 über die Pogrome im selben Jahr, den Beginn des Zweiten Weltkriegs bis zu seinem Ende – von der Widerspenstigkeit eines erst arglosen, unpolitischen Mannes. Dieser erkennt rasch, dass sich die Verhältnisse geändert haben, als sein jüdischer Tarock-Partner Dr. Rosenblatt aus der Stadt fliehen muss.

Rudi Larsen brilliert als Bockerer, der anfangs die Welt nicht mehr versteht. Erst noch im Glauben, dass ihn Gattin und Sohn zum Geburtstag überraschen wollen, stellt er bald fest, dass beide ihn vergessen haben – und stattdessen zu den Feierlichkeiten zum Ehrentag des Despoten aus Braunau (der am selben Tag Geburtstag hat!) eilen.

Strahl setzt auf Situationskomik, wo es passt: Sehr erheiternd ist die – legendäre und aus der ersten „Bockerer“-Verfilmung bekannte – Szene, in der der Fleischhauer genötigt wird, eine Hakenkreuzfahne an der Fassade seines Geschäftes anzubringen. Mit absichtlicher Tollpatschigkeit Bockerers landet das Emblem der Fahne einmal auf dem Gehsteig, ein anderes Mal verschwindet es in der aufgerollten, roten Fahne – zum großen Ärger der Obrigkeit.

Aber auch schwer verdauliche, beklemmende Szenen bleiben im Gedächtnis haften, wie jene, in der zwei Frauen sich über einen jüdischen Mitbürger amüsieren, der von einem Wachorgan gezwungen wird, einen Gehweg im Stadtpark aufzuwaschen und den Putzfetzen dann auch zu „apportieren“. Sehr berührend gerät die Szene, in der sich Vater und Sohn, bereits einander entfremdet, vor dessen Abreise wieder versöhnen. Ebenso jene der Wiedersehensfreude von Bockerer und seinem alten Freund Hatzinger, der einen Bombentreffer auf sein Haus nur durch Zufall überlebt hat.

Videoprojektionen und Wiener Lieder

Das Ensemble agiert in einem sehr wandelbaren Bühnenbild von Martin Gesslbauer, Projektionen lassen die Wohnung der Fleischhauer-Familie erscheinen, ebenso wie den Stadtpark oder einen Heurigen. Für die Pausen zwischen den einzelnen Bildern wurden eigens Videoprojektionen in Zusammenarbeit mit Schülern der Klasse 3ad der BHAK Wien 10 hergestellt (Endschnitt und Bearbeitung: Andreas Ivancsics), die zu vertrauten Wiener Liedern, in einem scharfen Kontrast, jubelnde Massen beim Einmarsch der deutschen Truppen und Gräuelbilder aus dem Zweiten Weltkrieg zeigen.

Das Ensemble agiert durchwegs hervorragend, neben Larsen Irene Budischowsky als Frau Bockerer, die sich restlos für den „Führer“ begeistert, ebenso Sebastian Blechinger als Sohn Hans, der Karriere in der SA macht und später in Stalingrad fällt. Johannes Kaiser und Martin Gesslbauer beeindrucken in ihren Rollen als gutmütiger Hatzinger bzw. als vorausschauender Rechtsanwalt Rosenblatt.

Eine genial-groteske Darstellung des aus Steinhof entflohenen Patienten Selchgruber, der kurz nach Kriegsende in der Wohnung der Familie Bockerer Unterschlupf sucht und dabei glaubt, er wäre der „Führer“, liefert Johannes Terne ab. In weiteren Rollen überzeugen Leila Strahl und Anke Zisak als Mizzi Haberl und Frau Krampflitschek, die sich an den Graumsamkeiten der SS-Organe im Stadtpark erheitern, sowie Gregor Viilukas als ungehorsamer Eisenbahner Hermann und David Miesmer als erbarmungloser SS-Standartenführer Gstettner.

„Wir müssen aufpassen!“, mahnt Bockerer am Schluss. Ein starkes Stück – und eine starke Inszenierung, die wohl länger in Erinnerung bleiben wird.

„Der Bockerer“ ist noch bis 3. Dezember im Theater Center Forum (9., Porzellangasse 50) zu sehen. Weitere Informationen: www.theatercenterforum.com bzw. www.schaubuehnewien.at

28. November 2016
nach Anja Schmidt
Keine Kommentare

Vienna Theatre Project im „Brick 5“: „The Last Five Years“ als konzertantes Kammerspiel

web_l5y_online_big

Gar nicht hoch genug zu schätzen ist der Beitrag, den englischsprachige Theater und -gruppen für die hiesige Kulturlandschaft leisten – wie beispielsweise das „Vienna Theatre Project“: Im Jahre 2002 gegründet, stellt das Ensemble, nunmehr unter der künstlerischen Leitung von Joanna Godwin-Seidl, mannigfache und meisterhafte Aufführungen in englischer Sprache auf die Bühnen verschiedenster Spielstätten in Wien.

Am 5. Dezember feiert das jüngste Vorhaben Premiere: Eine konzertante Aufführung von „The Last Five Years“, dem Musical von Jason Robert Brown, steht bis 9. Dezember im „Brick 5“ (15., Fünfhausgasse 5) auf dem Spielplan.

Das Stück thematisiert die fünf Jahre andauernde Beziehung zwischen Jamie Wellerstein, einem aufstrebenden Romanautor, und Cathy Hiatt, einer bemühten Schauspielerin.

Besonders spannend daran sind die dramaturgischen Kunstgriffe: Cathys Geschichte wird, beginnend mit dem Ende der Ehe, als Rückblende erzählt, Jamies Erzählung jedoch chronologisch, beginnend mit der ersten Begegnung der beiden.

Ann Mandrella und Drew Sarich verkörpern das Künstlerpaar in einer Inszenierung von Joanna Godwin-Seidl. Es musizieren Birgit Zach, die auch die musikalische Leitung inne hat, am Klavier, Matthias Bartolomey am Cello sowie Sarah Grubinger an der Geige und Gitarre.

Regisseurin Joanna Godwin-Seidl: „Das Publikum erwartet ein sehr intimer Abend: Drew und Ann aus der Nähe bei Freude und Strapazen, das Abenteuer Liebe und Ehe. Vorgetragen in einem wundervollen Rahmen im Herzen Wiens, live begleitet von hervorragenden Musikern.“

Gespielt wird bis 9. Dezember, Beginn: jeweils 20 Uhr. Die Premiere ist bereits ausverkauft, für die weiteren Spieltermine liegt eine Warteliste auf.

Weitere Informationen: www.eventbrite.de bzw. www.viennatheatreproject.com

21. November 2016
nach Anja Schmidt
Keine Kommentare

Vampir-Komödie im „Bronski & Grünberg“: Neues Theater geht mit „Dracula“ an den Start

web_dracula07_c_tim_huening

Glänzendes Ensemble (v. l.): Doris Hindinger, Aleksandra Corovic, Rafael Schuchter, Pilar Aguilera, Josef Ellers (hi.) und Matthias Mamedof (Foto: Tim Hüning)

Der Theaterbezirk Alsergrund ist wieder um eine Spielstätte reicher: Das ehemalige International Theatre in der Müllnergasse wird nach seiner Schließung im Sommer vor vier Jahren wieder mit neuem Theaterleben erfüllt – als „Bronski & Grünberg“ wurde es kürzlich von Alexander Pschill und Kaja Dymnicki (beide teilen sich die künstlerische Leitung) neu eröffnet.

Das Eröffnungsstück „Dracula“ wurde von Dymnicki und Pschill frei nach Bram Stokers Roman verfasst und inszeniert. Im Programmfolder als „Vampir-Melodram“ und „Antifaschismusposse“ angekündigt, treffen beide Kategorisierungen nur bedingt zu: Im ersten Teil des Abends darf jedenfalls viel gelacht werden – Alexander Jagsch und Matthias Mamedof sind ein kongeniales Duo als Dracula und Jonathan Harker.

Der Immobilienmakler aus London soll eine passende Bleibe für den Grafen in England suchen und wird dafür mit der gewöhnungsbedürftigen Gastfreundschaft des Adeligen belohnt. Flugs wird die lange, reichlich gedeckte Tafel hereingeschoben, und ebenso unvermittelt ist sie auch wieder verschwunden. Die Nachtruhe des Besuchers wird durch laute Musik empfindlich gestört, dafür weckt die Tür mit der Aufschrift „Nein!“ großes Interesse beim jungen Besucher.

Originelle Überraschungsmomente, kunstvolle Bühnengestaltung

Mitreissende Pointen werden hin- und hergespielt, temporeich öffnen und schließen sich die Türen (auch die Falltür am Boden) – was für originelle Überraschungsmomente sorgt, wenn Graf Dracula den Raum durch eine Tür verlässt und bei der gegenüberliegenden seinen Arm herausstreckt. Amüsant ist auch die Szene zu Beginn des Stücks, wenn Dracula bedächtig seine Lesebrille aufsetzt, um in einer „Bravo“-Ausgabe zu schmökern.

web_dracula02_c_tim_huening

Alexander Jagsch glänzt als ernster, für Gänsehautstimmung sorgender Graf mit Hang zu jugendlicher Lektüre. (Foto: Tim Hüning)

Kunstvoll haben Dymnicki und Pschill die Bühne mit allerlei Mobiliar und Utensilien ausgestattet – vom Waschtisch bis zum Phonogerät ist alles vorhanden, die Wände wurden mit zahlreichen Fotos, ausgestopften Tieren, einer Wäscheleine und einem Krickerl dekoriert. Jagsch glänzt als ernster, für Gänsehautstimmung sorgender Graf, Mamedof brilliert mit beeindruckender Mimik und Gestik als tollpatschiger Jonathan.

Nach der Pause gerät das Tempo der Inszenierung zeitweilig ins Stocken: Die Schwester von Jonathans Verlobter Mina (Karola Niederhuber sprang für Doris Hindinger ein), Lucy, laboriert an einer mysteriösen Erkrankung. Der Hausarzt ist ratlos, also wird Professor Van Helsing ans Krankenbett gerufen, für den nur eine Therapie in Frage kommt – Bluttransfusionen!

web_dracula11_c_tim_huening

Sehr wahrhaftig spielt Julia Edtmeier die junge Lucy, die sich naiv, aber erwartungsvoll auf Zusammenkünfte mit dem Grafen einlässt. (Foto: Tim Hüning)

Niederhuber glänzt als tragisch-komische Mina, an der die Eifersucht auf ihre Schwester nagt, ebenso Pilar Aguilera als skurril-energische Mutter, der nichts wichtiger ist, als die erkrankte Tochter bald unter der Haube zu sehen.

Sehr wahrhaftig, ohne jeglichen grotesken Einschlag, spielt Julia Edtmeier die junge Lucy, die sich naiv, aber erwartungsvoll auf Zusammenkünfte mit dem (immigrierten) Grafen einlässt. Aleksandra Corovic mimt einen mysteriös agierenden Van Helsing, Josef Ellers verkörpert einen fahrig-schrulligen Dr. Seward, Rafael Schuchter Lucys spießbürgerlichen Verlobten Arthur.

Dymnicki und Pschill setzen auch im zweiten Akt auf große Komik: Grandios anzusehen ist die „stumme“ Szene, in der die Ensemblemitglieder ausschließlich mimisch und gestisch agieren, um danach augenblicklich mit ihren Dialogen fortzufahren. Witzig ist auch der Regieeinfall, nach dem die auftretenden und abgehenden Schauspieler das Quietschen und Knarzen der Türen akustisch nachahmen.

Die Eröffnungspremiere hat auf jeden Fall neugierig gemacht und regt, nicht zuletzt dank des glänzenden Ensembles, ganz sicherlich zu weiteren Besuchen des Hauses an.

Die nächsten Spieltermine von „Dracula“: 5., 6., 10., 11., 15. und 16. Dezember, Beginn: jeweils 19.30 Uhr.

Weitere Informationen: www.bronski-gruenberg.at

19. November 2016
nach Anja Schmidt
Keine Kommentare

Sandmalerei-Show: Zauberhafte Bildergeschichten erstmals in Wien

web_irina_titova2

Irina Titova gastiert ab 23. November mit ihrer zauberhaften Sandmalerei-Show in Wien (Theater Die Neue Tribüne) und Linz (Mariendom).

Sandmalerei ist eine der außergewöhnlichsten Formen der Malerei, und eine der besten Künstlerinnen auf diesem Gebiet ist Irina Titova: Ab 23. November wird sie das Publikum mit ihren Kunstwerken im Theater Die Neue Tribüne Wien verzaubern.

Die Sandmalerei oder auch die Kunst der „Sandanimation“ macht es möglich, anmutende, lebendige Bilder zu erschaffen. Durch das Ineinanderfließen der Motive entstehen immer wieder neue faszinierende Szenen.

Die Finger der Sandkünstlerin „tanzen“ dabei harmonisch, begleitet von Musik, über eine von unten beleuchtete, mit Sand bedeckte Glasplatte. Dabei entstehen zauberhafte Bildergeschichten, ähnlich wie Scherenschnitte, die von einer Kamera gefilmt und in Echtzeit auf eine große Leinwand übertragen werden.

Durch die ineinander übergehenden Bilder entsteht ein einzigartiger Animationseffekt. Mit wenigen Handbewegungen kreiert die Künstlerin ein Bild – jedoch nur für den Moment. Sobald das Bild fertig erscheint, wird es wieder weggewischt, und ein neues Bild entsteht…

Die Show „Wien, Wien, nur du allein…“ mit Reminiszenzen an berühmte Persönlichkeiten der Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten feiert am Mittwoch, dem 23. November, ihre Weltpremiere im Theater Die Neue Tribüne Wien (Untergeschoß des Cafés Landtmann). Bis 31. Dezember, Beginn: jeweils 20 Uhr.

Am 2. und 3. Dezember gastiert Irina Titova mit ihrer Show in Linz (Mariendom, Herrenstraße 26): Unter dem Titel „Hoamatland“ präsentiert sie eine inspirierende Reise, in Sand gemalt, von Wien nach Linz und weiter bis ins Salzkammergut. Beginn: jeweils 20 Uhr.

Weitere Informationen: www.sandmalerei-show.at

15. November 2016
nach Anja Schmidt
Keine Kommentare

„Die Beseitigung der modernen Ratlosigkeit“: teatro caprile bei der Europäischen Theaternacht

web_zwiefacher-tee-oder-bier-pa-schm

Absurd-skurriles Theater: „Die Beseitigung der modernen Ratlosigkeit“ wird im Rahmen der Europäischen Theaternacht am 19. November in der Zwingli-Kirche aufgeführt.

Nach der Uraufführung in Ulm und Vorstellungen in Niederösterreich und Vorarlberg präsentiert das teatro caprile seinen absurd-skurrilen Theaterabend „Die Beseitigung der modernen Ratlosigkeit“  jetzt auch in Wien: Gespielt wird  Satirisches und Skurriles von Konrad Bayer, Daniil Charms, Andre Blau, Andreas Kosek und Florian L. Arnold („Handwörterbuch zur Beseitigung der modernen Ratlosigkeit“).

Die nächste Aufführung findet am Samstag, den 19. November (Beginn: 19.30 Uhr), im Rahmen der Europäischen Theaternacht in der Zwingli-Kirche (Schweglerstraße 39, 1150 Wien) statt.

Zum Stück: Bernadette Erkenbuffler erwartet in ihrer Buchhandlung einen ganz besonderen Gast Hermelin Grazius. Der nicht mehr ganz taufrische Dichter soll aus seinem neuesten Roman „Seelenragout“ lesen, doch es kommt alles ganz anders…

Es spielen Katharina Grabher, Andrea Nitsche, Andreas Kosek (Regie und Dramaturgie) und Stefan Kurt Reiter.

Weitere Informationen: www.teatro-caprile.at

14. November 2016
nach Ingrid Pachmann
Keine Kommentare

Kreide und Acryl: Galerien-Kaleidoskop

web_ausst-1

Birgit Sarata, Mag. Ernst Minar, Dr. Claudia und Martin Suppan (v. l.) bei der Vernissage zur Ausstellung von Werken Wolfgang Herzigs

Die Galerie Suppan Contemporary in der Wiener Habsburgergasse 5 lud zur Vernissage, die durch Prof. Agnes Essl eröffnet wurde.

Mit einer Schau rezenter großformatiger Ölgemälde sowie mit formatgleichen Arbeiten in Kreide und Acryl aus den Jahren 2013 bis 2015 ehrt die Galerie Suppan den in der jüngeren österreichischen Kunstgeschichte etablierten Wolfgang Herzig anlässlich seines 75. Geburtstages.

Begleitend zur Ausstellung, die noch bis 24. November (dienstags bis freitags von 13 bis 18 Uhr, samstags von 11 bis 14 Uhr) zu besichtigen ist, wurde von Martin Suppan ein umfassender Katalog mit den Objekten der präsentierten Schau sowie mit einem Werkverzeichnis der Arbeiten von 1995 bis 2015 aufgelegt.

Weitere Informationen: www.suppancontemporary.com

web_ausst-2

Mag. Judith Schimany (r., mit Dina Larot und Christa Mayrhofer-Dukor, Mitte) stellte Landschaftsgemälde vor.

Im Wiener Palais Pálffy (Josefsplatz 6) stellte die akademische Malerin Judith Schimany ihrem treuen Stammpublikum Landschaften, Gärten und Blumen vor. Die Einführung in das Schaffen Schimanys erfolgte durch eine langjährige Wegbegleiterin der Künstlerin, die Journalistin und Kunstwissenschaftlerin Brigitte Borchhardt-Birbaumer.

Am 16. November präsentiert Judith Schimanys Mutter Dina Larot um 19.30 Uhr ihren Jubiläumskalender 2017 im Phantastenmuseum im Palais Pálffy. Larot ist dort auch am Donnerstag, den 17. November von 14 bis 18 Uhr persönlich anwesend, um ihren Kalender per Hand zu signieren bzw. auf Wunsch mit einer Widmung zu versehen.

Weitere Informationen: www.schimany.com bzw. www.dinalarot.at