
Ein spannungsreiches Kapitel Pop-Geschichte in Form eines bildstark in Szene gesetzten biografischen Musicals: „Die Cher Show“, die am Donnerstag ihre Europapremiere in der Wiener Stadthalle feierte, lässt das Publikum auf mitreißende Art und Weise in das ereignisreiche Leben der berühmten Sängerin und Schauspielerin eintauchen. Cher, die im Mai kommenden Jahres ihren 80. Geburtstag feiert, begeht heuer auch ihr 60-jähriges Bühnenjubiläum.
„Die Cher Show“ wurde im Juni 2018 im Oriental Theatre in Chicago uraufgeführt (Buch: Rick Elice) und vereint 35 große Hits wie „Believe“, „If I could turn Back Time“ und „Strong Enough“, die mittlerweile zu Klassikern geworden sind. Das Publikum erlebt ganz zu Beginn die junge Cher als verträumtes Schulmädchen, das seinen Weg als Schauspielerin gehen möchte und, unterstützt von der Mutter, diesen auch unbeirrt verfolgt. Gemeinsam mit Sonny Bono, den Cher 1964 heiratet, gelingt der Durchbruch mit „I Got You Babe“. Doch der Erfolg ist von privaten Problemen der Eheleute überschattet, nach einem Scheidungskrieg ringt sich Cher zu einem Neuanfang durch. Das Buch zeichnet die Künstlerin als starke Persönlichkeit, die sich stets gegen die Bevormundung und finanzielle Übervorteilung in der von Männern dominierten Musikwelt zur Wehr setzt und dennoch oft von Selbstzweifeln geplagt wird.

Dramaturgisch raffiniert wird die Rolle der Protagonistin auf drei Darstellerinnen im Laufe der unterschiedlichen Lebensphasen der Künstlerin aufgeteilt: Sophie Berner verkörpert als „Star Cher“ die heutige Pop-Ikone, die mit einem Oscar, drei Golden Globes und einem Stern auf dem Hollywood Walk of Fame ihren Traum zur Wirklichkeit erhoben hat. Als „Lady Cher“ gestaltet Hannah Leser ihre Figur in deren Zeit der Selbstfindung samt Chers Aufstieg zur Solokünstlerin in den 70er Jahren. Pamina Lenn als „Babe Cher“ mimt das schüchterne Mädchen, das in der Schule gemobbt wird und sich seinen Bühnentraum erfüllen möchte, sowie die junge Sängerin zu Beginn ihrer Karriere an der Seite von Sonny. Die drei Figuren zusammen widerspiegeln auch die innere Zerrissenheit von Cher, etwa, wenn es darum geht, sich aus der schwierigen Beziehung mit Sonny Bono zu lösen.
Mit einer grandiosen Besetzung in der Regie von Christopher Tölle wird „Die Cher Show“ zu einer packenden Musical-Biografie, die den Lebenslauf der Pop-Ikone zwischen Selbstbestimmung und der Gabe, sich immer wieder selbst neu zu erfinden, erzählt. Die energiegeladenen Choreografien von Christopher Tölle und Nigel Watson sorgen für eine großartige Dynamik, das Set- und Licht-Design von Andrew Exeter liefert eindrucksvolle Bilder (teils auch durch sehr gelungene Projektionen auf eine Video-Wand im Hintergrund), Heike Seidlers Kostüm-Design (den Originalen von Bob Mackie nachempfunden) vermittelt bestes Mode-Flair der vergangenen Jahrzehnte.

Die Band unter der Leitung von Luis Richter liefert den hervorragenden Sound, der das Publikum die ganze Show über mitreißt. Neben den drei genannten Cher-Darstellerinnen Sophie Berner, Hannah Leser und Pamina Lenn begeistern auch Hanna Kastner als Chers Mutter Georgia Holt, Jan Rogler als Sonny Bono, Simon Rusch als Gregg Allman und Maximilian Vogel als Bob Mackie sowie die anderen Ensemble-Mitglieder.
Fazit: Lebendige Pop-Geschichte als gelungenes Musical-Erlebnis, das zweieinhalb Stunden lang in seinen Bann zieht! Sehenswert!
Wiener Stadthalle (Halle F): Zu sehen bis 23.12.2025, danach weitere Österreich-Termine: 26.12. bis 28.12.2025 in Linz (TipsArena), 02.01. bis 04.01.2026 in Graz (Helmut List Halle)
Tickets: www.stadthalle.at bzw. www.oeticket.com
Weitere Informationen: www.chershow.de