
Wildwest-Flair und Wiener Schmäh sind die Ingredienzen der Musical-Komödie „Go West“ von Peter Hofbauer und Markus Gull, die Irene Marie Höllwerth im Wiener Metropol mit einer grandiosen Besetzung als vergnügliches Spektakel zwischen Saloon-Atmosphäre und Strizzi-Milieu inszeniert hat.
Denn im Wiener Prater, so die Story, ist die „Goldmine“ angesiedelt, ein Lokal, das seinen Namen zu Unrecht trägt und seine besten Jahre schon längst hinter sich hat. Deren Chefin, die leidgeplagte Dolly, ist chronisch mittelos und wird darüber hinaus noch vom Prater-„Paten“ Schurli finanziell unter Druck gesetzt, der den angestammten Betrieb schließen und statt dessen ein Vergnügungslokal für junges Publikum etablieren möchte. Mit seinem Adlatus und Bodyguard Wiesel sieht er sich aber der in ihrem Unglück füreinander einstehenden Belegschaft der „Goldmine“ einerseits und dem Austro-Rocker Gogo andererseits gegenüber, der in bester „Buffalo Bill“-Manier der Retter in der Not sein könnte.

Christian Deix hat in einer bravourösen Mischung aus Eigenkompositionen, Austropop-Evergreens und Country-Songs einen mitreißenden Soundtrack geschaffen, der der Show den passenden Pep verleiht. Unter der musikalischen Leitung von Marcus Hagler am Keyboard spielt die fünfköpfige Band mit großer Verve, die Dynamik der Inszenierung spiegelt sich auch in der temporeichen Chorografie von Elisabeth Blutsch wider.
Andy Lee Lang führt das stimmgewaltige Ensemble als tonangebender Austro-Rocker Gogo an, der nach einer missglückten Seelenrückführung glaubt, eine Reinkarnation von „Buffalo Bill“ (der US-Schausteller William Frederick Cody gastierte tatsächlich 1890 und 1906 mit seiner Wild-West-Show in Wien) zu sein. Missy May verkörpert die bodenständige und durchaus resolute Saloon-Betreiberin Dolly, die sich mit ihrem mäßig engagierten Team herumärgert, aber keine Konfrontation mit dem Prater-Strizzi Schurli scheut. Boris Pfeifer (Premierenbesetzung) spielt diesen mit herrlich schmierigem Charme, ihm zur Seite steht sein ständiger Begleiter Wiesel, mit großartiger, präziser Komik von Vincent Bueno dargestellt. Tania Golden stärkt als Barfrau Maria und gute Seele ihrer Chefin den Rücken, Werner Auer sorgt als Saloon-Mitarbeiter und selbsternannter Nashville-Experte Johnny für humorvolle Momente. Großartig ins Ohr gehen seine Johnny-Cash-Interpretationen samt Begleitung auf der Western-Gitarre.

Ebenso überzeugend agiert das restliche Ensemble: Martin Oberhauser als Jacky, der kämpferische Freund und Kompagnon von Dolly, Sarah Zippusch als Sängerin Lilly, die in der „Goldmine“ für frischen Wind sorgt, Sebastian Brummer als Gogos Blutsbruder und grandioser Bühnenpartner Hannes sowie Laura Luisa Hat als liebenswert-naive Kellnerin Sabine. Ausstatterin Ilona Glöckel hat schicke Kostüme im Country-Style kreiert und einen gemütlichen Saloon mit Prater-Feeling (mit dazu passenden Video-Projektionen) auf die Metropol-Bühne gezaubert.
Fazit: Ein musikalisch äußerst gelungener Abend mit einem höchst spielfreudigen Ensemble – wärmstens empfohlen nicht nur für alle Country-Fans!

„Go West“: Bis 24. März 2026, Beginn: 20 Uhr (Nachmittagsvorstellung 21. März: 15 Uhr, Nachmittagsvorstellung 22. März: 16 Uhr), 1170 Wien, Hernalser Hauptstraße 55
Weitere Informationen: www.wiener-metropol.at