„Die Sakrilegia“ im Theater Experiment: Gefühle, Gelübde und ein Tagebuch aus der Vergangenheit

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Fulminante Ensembleleistung: Michael Mischinsky (Landpfarrer Gabriel), Iris Schmid (Selma), Gabriele Beren (Mesnerin Agnes) und Gertraud Frey (Haushälterin Rosa) (Foto: Rolf Bock)

Eine junge Frau, nach einem Gewitter völlig durchnässt, quartiert sich in einem katholischen Pfarrhof ein. Von der Haushälterin und der Mesnerin mit Argwohn betrachtet, wird sie vom Hausherrn freundlich aufgenommen.

Allmählich wird klar, wer die Fremde ist und was sie will: Selma führt ein Tagebuch mit brisantem Inhalt mit sich, das sie von ihrer mittlerweile verstorbenen Mutter erhalten hat. Und zornig konfrontiert sie den Pfarrer mit ihrem Wissen, der alsbald vor einer folgenschweren Entscheidung steht – zählen Gefühle mehr als ein vor Jahrzehnten abgelegtes Gelübde?

Grandioses Ensemble: Michael Mischinsky (l., Landpfarrer Gabriel), Erwin Bail (Prälat Gregor) (Foto: Rolf Bock)

Fritz Holy hat Oskar Zemmes Schauspiel „Die Sakrilegia (In Ewigkeit Amen)“ in einer stringenten und einprägsamen Inszenierung auf die Bühne des Theaters Experiment am Liechtenwerd gebracht. Die unterschiedlichen Facetten der nuanciert gezeichneten Charaktere kommen unter Holys präziser Regie perfekt zur Geltung.

Das gesamte Ensemble vollbringt eine beachtliche Leistung: Michael Mischinsky glänzt als Landpfarrer Gabriel, der heftig mit sich ringt, weil er von seiner Vergangenheit eingeholt wird und nach mehr als 20 Jahren wieder vor der Entscheidung steht, entweder der kirchlichen Ordnung Folge zu leisten oder sich zu seiner Familie zu bekennen. Sehr beachtenswert agiert Iris Schmid als Selma, die erst ungehobelt und fordernd das Leben auf dem Pfarrhof gehörig durcheinander bringt, aber auch im Verlauf ihres Aufenthalts dessen Bewohner mit Lebensfreude ansteckt.

Selma (Iris Schmid) bringt das Leben von Landpfarrer Gabriel (Michael Mischinsky) gehörig durcheinander. (Foto: Rolf Bock)

Gertraud Frey liefert eine grandiose Darstellung einer unwirschen und strengen Haushälterin, die ihren Chef nur allzu gerne bevormundet, jedoch die neue Situation auch mit Augenzwinkern betrachtet. Ihr ebenbürtig mimt Gabriele Beren die pflichtgetreue Mesnerin Agnes, die sich von Haushälterin Rosa sogar zu einem Tänzchen in der Stube überreden lässt.

Erwin Bail (der ein passendes rustikales Bühnenbild samt Kachelofen kreiert hat) beeindruckt als selbstgerechter Prälat Gregor: Dieser kommt auf den Pfarrhof, um seinen Mitbruder, aber auch Selma, zur Räson zu bringen und hält Hochwürden Gabriel drastisch vor Augen, wie die Kirche seinen Lebensweg bereits vor mehr als zwei Jahrzehnten gravierend mitbestimmt hat.

Ein heiter-tiefgründiges Stück, das sich anzusehen lohnt!

Gespielt wird noch bis 4. März im Theater Experiment (9., Liechtensteinstraße 132), jeweils dienstags bis samstags (Beginn: 20 Uhr).

Weitere Informationen: www.theater-experiment.com

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