„Der Wal ist tot“ im Theater Drachengasse: Von der Suche nach Wahrhaftigkeit oder worauf es beim Twinni-Eis wirklich ankommt

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„Der Wal ist tot“: Sam (Sam Rahimpour) und Daniela (Daniela Graf) auf der Suche nach der inneren Freiheit und der Wahrhaftigkeit des eigenen Daseins (Foto: Barbara Pálffy)

Mit verbundenen Augen tasten sie sich auf die Bühne: eine junge Frau, in löchriger Jeans mit hellblauer Bluse und roten Converse-Turnschuhen, und ein junger Mann, in legerem Karo-Outfit mit braunem T-Shirt, der kurz darauf am Klavierschemel Platz nimmt. Im Hintergrund ein mobiler Garderobenständer, vom Plafond der Bar & Co. im Theater Drachengasse baumeln Kleidungsstücke jeglicher Art. In diesem Setting treffen Sam (Sam Rahimpour) und Daniela (Daniela Graf) aufeinander, die sofort zu einem verbalen Schlagabtausch ansetzt.

Beide wollen sich öffnen, die innere Freiheit wiederfinden und die Wahrhaftigkeit des eigenen Daseins aufspüren – mitten in einer Welt, die von Schnellebigkeit und Konsum, von Beschleunigung und dem Drang nach Selbstoptimierung geprägt ist. Und so katapultieren sich die beiden von einer Szene zur anderen, tauschen sich über familiäre Probleme in der Kindheit aus, lassen Fehlgriffe in der Karriereplanung Revue passieren und philosophieren über die Entwicklungsgeschichte der Wale und die verschiedenen Facetten von Twinni-Eis (auf die Schokolade kommt es an!).

Thomas Weilharter (Jahrgang 1985) hat in seinem rund 60 Minuten dauerndem Stück „Der Wal ist tot”, das seine Uraufführung in der Bar & Co. im Theater Drachengasse erlebt hat und vom Autor selbst in Szene gesetzt wurde, eine Fülle an Themen untergebracht, an denen sich die beiden Akteure mit enormem Tempo abarbeiten. Großen Körpereinsatz beweisen Graf und Rahimpour (der sich auch gesanglich am Klavier beweist und mit Patrick Aprent für den musikalischen Part verantwortlich zeichnet), unter dem skandierten Slogan „fitter, happier, more productive” fegt das Duo in Workout-Manier über die Bühne (Patrick Aprent). Daniela und Sam schenken einander nichts, die Meinungsverschiedenheiten der beiden gipfeln schlussendlich auch in Handgreiflichkeiten heftiger Natur.

Ein Stück, das viele Fragen offenlässt, und einlädt, den einen oder anderen Gedanken weiterzuspinnen. Großer verdienter Applaus für alle Beteiligten!

Thomas Weilharter: „Der Wal ist tot“ (Uraufführung) wird noch bis 13. Oktober in der Bar & Co. im Theater Drachengasse (1., Drachengasse 2) gespielt (Beginn: jeweils 20 Uhr).

Weitere Informationen: www.drachengasse.at

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