„Bulletproof“ im Theater Drachengasse: Amandas Reise durch das „Vulvaland“

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Theater Drachengasse: Grischka Voss in „Bulletproof“ (Foto: Andreas Friess/picturedesk)

Amanda ist 50 Jahre alt, kinderlos und ein Freigeist, vor allem, wenn es um ihre Sexualität geht. Von diversen One-Night-Stands bis zum Gspusi mit dem Hospitanten und der Beziehung zu ihrer Gynäkologin reicht Amandas facettenreicher Erfahrungsschatz, den sie gleichsam mit Forschergeist ausbaut. Denn: Es herrscht Aufklärungsbedarf! Mit Desinformiertheit über das weibliche Geschlechtsorgan soll endlich aufgeräumt werden, ebenso mit falscher Scham und zweifelhaften Klischees.

Grischka Voss hat für ihre One-Woman-Show „Bulletproof“, die im Theater Drachengasse ihre Uraufführung erlebt hat, mit Co-Regisseurin Kristina Bangert ein Füllhorn an klugen, witzigen, aber auch nachdenklich stimmenden Szenen kreiert. „Bulletproof“, also kugelsicher, sollte die sprichwörtliche Weste sein, die Frauen tragen müssen, um in Beruf und Alltag zu bestehen, so Voss zu ihrem Stück.

Vor Betreten der Spielstätte müssen die Zuseher in rosafarbene Schuhüberzieher hineinschlüpfen. Das hat seinen Grund: Die Bühne erstreckt sich quer durch den Raum, den Ágnes Hamvas als Vulvalandschaft ausgestaltet hat. Viele Themen werden angeschnitten, Amanda, von Grischka Voss in schwarzer Ledermontur samt ebensolcher Haube (Kostüm: Ágnes Hamvas) verkörpert, spannt einen stringenten Bogen von der Tonleiter der Vagina (es gibt nicht nur den G-Punkt!) bis hin zu fragwürdigen Beauty-OPs. In einem kulturhistorischen Abriss rollt Voss’ Kunstfigur den Umgang mit der weiblichen Sexualität von der Steinzeit bis ins 19. Jahrhundert auf.

Aber Amanda zeigt auch ihre andere, verletzliche Seite: In zwei Szenen, die einen Bruch zur sonstigen Performance darstellen, agiert Voss (Choreografie: Peter Beil) pantomimisch, tänzerisch und stellt Amandas innere Zerstörtheit berührend dar (Musik: Lonesome Andi Haller). Am Rande werden auch noch Themen wie die schwierige Vereinbarkeit von beruflicher Selbstständigkeit mit Alleinerzieherinnendsein verhandelt (dies betrifft Amandas Freundin, mit der sie auch Telefonsex anbietet). Aber Amanda ist sich ihrer Stärken bewusst: Auf zur Selbstentdeckungstour!

Fazit: Ein kraftvoller, rundum gelungener Abend, der in knapp zwei Stunden ohne Pause zu einer vergnüglichen Reise durch das „Vulvaland“ einlädt!

Grischka Voss: „Bulletproof“, bis 8. Februar im Theater Drachengasse (1., Drachengasse 2), Dienstag bis Samstag, Beginn: 20 Uhr

Weitere Informationen: www.drachengasse.at

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