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Theater Center Forum: Ménage-à-trois zwischen Moussaka und Missverständnissen

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„Pantoffelhelden“ im Theater Center Forum: Eszter Hollósi, Anatol Rieger und Manuel Dragan (v. l.) in einer Inszenierung von Hubsi Kramar (Foto: Karl Satzinger)

Die Idylle scheint perfekt: Anna und Marko, sie Geografielehrerin, er ehemaliger Sportpädagoge und nunmehriger Schulleiter, feiern ihren ersten Hochzeitstag in ihrer kleinen Zweizimmerwohnung. Das Glück im trauten Heim findet jedoch ein jähes Ende, als Ivo, Annas Ex-Mann auf der Bildfläche erscheint. Soeben wurde er aus dem Gefängnis entlassen, da sich seine Unschuld herausstellte – der Ex-Banker erhielt eine Verurteilung wegen eines Finanzbetrugs, in den er verwickelt wurde. Doch Ivo ist nicht auf Besuch, nein, er ist gekommen, um zu bleiben. Was Anna und Marko vor einige Probleme stellt: Wie soll sich das Trio in der kleinen Wohnung arrangieren? Noch dazu, wo Ivo rechtmäßiger Hälfteeigentümer der Unterkunft ist. Guter Rat ist also teuer. Und so lebt man nunmehr in einer Art Ehe zu dritt, die die Betreffenden vor völlig neue Herausforderungen stellt. Während Ivo mit dem Schlafsofa im Wohnzimmer Vorlieb nehmen muss, sieht sich auch Marko mit neuen Gegebenheiten konfrontiert.

Eine Stückentdeckung präsentiert das Theater Center Forum mit der wunderbaren Komödie „Pantoffelhelden“ von Miro Gavran, als deutschsprachige Erstaufführung in einer Produktion von „Die Theaterküche“. Gavran (geboren 1961 in Kroatien) zeichnet seine Charaktere mit großer Herzenswärme und schenkt ihnen grandiose Dialoge mit gelungenem Wortwitz (Übersetzung: Tihomir Glowatzky), denen Regisseur Hubsi Kramar den passenden Raum verleiht. Auf der kleinen Bühne hat Markus Liszt ein gemütliches Wohnzimmer mit Essbereich, Schlafsofa und Küchenzeile eingerichtet. Carmen Wagner (sie zeichnet auch für die Produktion verantwortlich) hat die Mitwirkenden in passende Kostüme – vom sportlich-legeren Trainingsanzug bis zum korrekten Direktoren-Outfit – gewandet. Großartig auch die Auswahl der Musikstücke zwischen den einzelnen Szenen.

Eszter Hollósi, Manuel Dragan und Anatol Rieger widmen sich ihren Rollen mit größter Spielfreude, und mit jeder Szene steigt die Neugierde, welchen Verlauf das Stück denn nun nehmen könnte. Eszter Hóllosi verleiht ihrer Lehrerin Anna eine große Portion Resolutheit, zugleich aber doch auch Sorge um den guten Ruf, als publik wird, dass Anna mit zwei Männern unter einem Dach wohnt. Manuel Dragan sorgt als ihr Ex-Gatte Ivo mit spanischem Akzent für allerlei Missverständnisse und verleiht seinem Charakter eine so große Sanftmut, dass selbst Marko ihn sympathisch finden muss. Anatol Rieger wiederum gefällt als gelassener Marko, der seinem neuen Freund Ivo Schnurren aus seiner Zeit beim Bundesheer erzählt, nicht ahnend, welche Verwicklungen er damit heraufbeschwört. Hóllosi ist übrigens in einer Doppelrolle zu sehen, doch was es damit auf sich hat und welche Wendung das Stück im weiteren Verlauf nimmt, das soll an dieser Stelle nicht verraten werden.

Welche Herausforderungen Anna, Marko und Ivo bis zum Schluss stemmen müssen, das gilt es, sich im Theater Center Forum selbst anzusehen. Fest steht: „Pantoffelhelden“ ist eine großartige Komödie rund um weibliche Selbstbestimmung, männliche Solidarität, Kochabende zwischen Moussaka und Kartoffelauflauf, Kartenspielrunden, Freundschaft, Versöhnung und neue Chancen. Große Empfehlung!

„Pantoffelhelden“: Gespielt wird bis 9. Oktober 2021 im Theater Center Forum (9., Porzellangasse 50), täglich außer Sonntag und Montag, Beginn jeweils: 20 Uhr

Weitere Informationen: www.theatercenterforum.com

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