
„Die Operette, nur ganz anders“ lautet der Untertitel der sehr erfrischend anders anmutenden Neuinterpretation namens „Die Rache der Fledermaus“, die in der TheaterArche zur Uraufführung gelangte. Autor und Regisseur Thyl Hanscho hat das Werk von Grund auf neu gedacht und die Handlung samt ihrem Figurenpersonal mit großem Ideenreichtum und ebensolcher Entdeckungsfreude auf ihre Aussage hin abgeklopft und dabei neue, amüsant-skurrile Erzählstränge gefunden.
Herausgekommen ist ein grooviges Musiktheaterstück, das sich auf drei Charaktere beschränkt, die ihre ganz eigenen Wege gehen dürfen: Rosalinde emanzipiert sich von ihrem untreuen Ehemann Gabriel und ihrem aufdringlichen Liebhaber Alfred und beschließt, sich mit ihrem Dienstmädchen Adele, quasi ihrer „Partnerin in Crime“, an ihrem Gatten auf der Silvesterparty des Oligarchen Orlofsky zu rächen. Adele wiederum will sich aus ihrer Abhängigkeit befreien und sucht den Aufstieg als Bühnenkünstlerin, was aber Rosalindes Plänen zuwiderläuft. Und der Polizist Frosch hinterfragt seine Existenz, bekommt die Chance zur Entfaltung und stürzt sich ins Partygeschehen.
Nach einer Idee von Manami Okazaki, Co-Leiterin der TheaterArche, hat sich Thyl Hanscho profund mit der „Fledermaus“-Materie auseinandergesetzt und bietet den Mitwirkenden einen großen Spielraum, der von diesen weidlich genutzt wird: Anne Rab verkörpert eine entschlossene Rosalinde in großer Aufbruchstimmung, wenn sie, als Batwoman maskiert, mit Adele auf der Damentoilette des Clubs Schlachtpläne schmiedet. Manami Okazaki spielt und singt (als klassisch ausgebildete Sopranistin) eine durchaus resolute, ihren eigenen Weg suchende Adele, die quasi auch als Robin eine Stütze für Rosalinde ist, sich aber auch nicht mehr von ihr bevormunden lassen möchte. Sebastian Eggers Frosch (und Joker) darf gleich zu Beginn des Stücks seines Amtes walten und reflektiert, im weiteren Verlauf, seinen Weg zur Selbstermächtigung.
Bernd Oliver Fröhlich bettet den Abend in eine neu arrangierte „Fledermaus“-Klangwelt ein und liefert eine große Bandbreite an verfremdeten, aber dennoch bestens bekannten Melodien, vom originellen Handy-Klingelton bis zum groovigen Clubsound. Rapsongs, dargeboten von Anne Rab, und klassische Gesangseinlagen von Manami Okazaki, die sich auch grandios auf dem Klavier begleitet, schenken dem Abend eine facettenreiche musikalische Melange.
Die Ausstattung (Konzept: Nathalie Noël, Ausarbeitung: Cintia Sepp, Mitarbeit: Linda Specto, Nadja Skudnigg) vermittelt farbenfrohes Comic-Flair – von den knalligen Kostümen (Hanna Trofymchuk) bis hin zu den witzig anmutenden, zweidimensionalen Requisiten und den bemalten Kartonschachteln, die das Bühnenbild darstellen, von Akt zu Akt gewendet werden und somit je, nachdem, Großstadtkulisse, Waschraumambiente sowie Fledermaus- und (Vogel-)Strauß/Strauss-Flair zeigen. Ludwig Drahosch hat dazu noch ein sehr ausgeklügeltes Lichtdesign entworfen.
Fazit: „Die Fledermaus“ – einmal ganz anders, unkonventionell-witzig und auf jeden Fall einen Besuch wert!
„Die Rache der Fledermaus“: Nur mehr am 31. Jänner 2026 in der TheaterArche (6., Münzwardeingasse 2), Beginn: 19.30 Uhr.
Weitere Informationen: www.theaterarche.at