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Open House Theatre mit „A Christmas Carol“: Funkelnder Kino-Spirit zum runden Jubiläum

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„A Christmas Carol“: Randall Galore, Louise-Marie Prack (Foto: Karin Svadlenak-Gomez)

Alle Jahre wieder geht für eine besonders liebenswerte Theatertradition der Vorhang auf: Charles Dickens’ „A Christmas Carol“ ist seit 40 Jahren ein Fixpunkt im Wiener Veranstaltungskalender (ursprünglich hatte das International Theatre in der Porzellangasse die Initialzündung dazu gestartet und das Stück jedes Jahr auf seinen Spielplan gesetzt), seit 2012 ist das Open House Theatre Gastgeber dieser Produktion.

Im Theater Spielraum, das bis zum Jahr 1999 fast ein Jahrhundert lang als Lichtspielhaus betrieben wurde (zuletzt als Erika-Kino), ist also auch heuer wieder Weihnachtsstimmung angesagt. Das Regie-Duo Helena und Pete Steele hat diesen Movie-Spirit von einst als Inspirationsquelle genommen und daraus eine Rahmenhandlung kreiert.

Mit viel Liebe zum Detail sind Cast und Leading Team bei der Sache: Die unvergängliche Geschichte des hartherzigen Geschäftsmanns Ebeneezer Scrooge, der zu Weihnachten Besuch von drei Geistern bekommt, die ihn mit seiner Vergangenheit, der Gegenwart und einer möglichen – niederschmetternden – Zukunft konfrontieren und ihn dadurch eines Besseren belehren, verfehlt auch in der diesjährigen Inszenierung nicht ihre Wirkung.

„A Christmas Carol“: Foto: Karin Svadlenak-Gomez
„A Christmas Carol“: Nicola Ségur-Cabanac, Louise-Marie Prack, Bianca Tornea, James Irons, Daniel Arora (Foto: Karin Svadlenak-Gomez)

Das sechsköpfige Ensemble spielt mit großer Lebendigkeit, lässt aber auch Augenblicke der Stille und des Innehaltens zu. Randall Galera verleiht sowohl dem raubeinigen Geschäftsmann wie auch dem selbstherrlichen Studioboss aus der Rahmenhandlung, der sein Team tyrannisiert, zynisch-verbitterte Züge, die nach der Läuterung der beiden Charaktere, glänzend gespielt, ins Gegenteil umschlagen. Louise-Marie Prack gelingt eine mitreißend Darstellung der von ihr verkörperten Figuren – als empathischer Geist der gegenwärtigen Weihnachten, aber auch als Martha, der Tochter des Scrooge-Angestellten Bob Cratchit, sowie auch als tief enttäuschte Bell, der Verlobten des jungen Ebeneezer. Nicola Ségur-Cabanac zeigt sich äußerst wandlungsfähig als wohlgesinnter Geist der vergangenen Weihnachten und, in berührenden Momenten, als Mrs. Cratchit, die –  in der unglückseligen Zukunftsperspektive – um ihren kleinen Sohn Tim trauert. Bianca Tornea beeindruckt als resolute Regieassistentin Charlie ebenso wie auch als bezaubernde Fan, Schwester von Ebeneezer, und als lebenslustiger Tiny Tim. Daniel Arora mimt den leidgeplagten Bob Cratchit, den humorvollen Lehrherrn des jungen Scrooge, Mr. Fezziwig, und den gutgelaunten Freund von Scrooge-Neffen Fred, Topper, mit einer großen Bandbreite an Ausdruck. Last but not least glänzt James Irons als gutherziger Fred, der seinen Onkel aus seinem Groll herausreißen möchte, ebenso wie als Ebeneezer, der schon in jungen Jahren bittere Lektionen lernen muss, sowie als Business-Partner Marley beziehungsweise dessen Geist.

Co-Regisseur Pete Steel hat auch dieses Mal Elemente des Puppentheaters einfließen lassen, eindrückliche Szenen mit dem Ensemble und zwei Figuren – Ebeneezer als Kind sowie eine überdimensionale Geister-Skulptur – sind dem Regie-Duo Helena und Pete Steele hiermit gelungen. Maria Krebs hat wunderschöne, detailreiche historische Kostüme kreiert, das wandelbare Bühnenbild (Design: Pete Steele, Bau und Malerei: Marc Rothschild und Emma Downey) kommt durch eine Stadt-Silhouette im Hintergrund und fahrbare Quader, die außen Fassade, Fensterfront, Kamin oder Weihnachtsbaum darstellen und in ihrem Inneren Platz für Filmset- oder Wohnungsausstattung bieten, sowie einer Tür auf Rollen großartig zur Geltung. Das Lichtdesign von Robert G. Neumayr setzt dazu die passenden Akzente.

Fazit: Eine rundum geglückte Jubiläumsproduktion, die sich wahrlich sehen lassen kann und funkelnden Weihnachtsspirit im besten Sinne verbreitet!

„A Christmas Carol“: Eine Produktion von Open House Theatre im Theater Spielraum, zu sehen bis 23. Dezember 2025 (7., Kaiserstraße 46), Beginn: jeweils 19.30 Uhr.

Weitere Informationen: www.openhousetheatre.at