
Ein höchst charmantes und vergnügliches Stück aus der Feder des Schweizer Autors Charles Lewinsky steht in den kommenden Wochen auf dem Spielplan der Komödie am Kai, die dieser Tage auch ihr 44-jähriges Bestehen feierte. Am 27. Mai 1982 läutete das Kellertheater unter der Direktion von Erich L. Koller mit dem Lustspiel „Gute Nacht, Liebling – und wünsch mir Glück“ des britischen Dramatikers William Douglas Home seinen Spielbetrieb ein. Bis heute, nunmehr unter der Leitung von Sissy Koller-Boran und Andrea Eckstein, wird dem dem Amüsement des Publikums auf hohem Niveau Rechnung getragen.
„Oma-Trick“ lautet der Titel der Komödie, die als österreichische Erstaufführung gezeigt wird und voller Wendungen ist – denn hier ist es schließlich der „Enkel“, der hinters Licht geführt wird. Ein junger Mann besucht auf Anweisung seines Chefs dessen Mutter in einem Pflegeheim, allerdings mit der denkbar schlechtesten Intention: Als „Enkel“ der betagten Dame soll er ihr eine Unterschrift auf einem Vertrag abnötigen, mit dem ihr Sohn neuer Eigentümer einer wertvollen Immobilie wird. Doch die vermeintliche „Oma“ führt den jungen Mann aufs Glatteis und dreht den Spieß einfach um. Im Nu entwickelt sich ein Katz-und-Maus-Spiel der ganz besonderen Art, und der „Enkel“ manövriert sich selbst in ein Dickicht an Widersprüchen…
Autor Charles Lewinsky (geboren 1946 in Zürich) hat das Zwei-Personen-Stück sehr raffiniert konstruiert und mit einem hohen dramaturgischen Spannungsbogen versehen. Das Regie-Duo Sissy Boran und Andrea Eckstein setzt auf wohl dosiertes Tempo und lässt den beiden Mitwirkenden genügend Raum, ihre Charaktere präzise auszugestalten, um das Publikum dabei immer wieder schon mit der nächsten Wendung zu überraschen.
Warmherzige Komödie mit Tiefgang
Doris Weiner und Lukas Meier legen große Spielfreude an den Tag. Als vermeintlich verwirrte „Oma“ bzw. Chefsekretärin im Ruhestand zieht Doris Weiner alle Register und legt das Kabinettstück einer agilen und robusten Seniorin an den Tag, die ihrem so viel jüngeren Kontrahenten eine ordentliche Retourkutsche verpasst. Eben noch mit dem Rollator unterwegs, schiebt sie diesen im nächsten Augenblick zur Seite und zeigt ihrem „Enkel“, dass sie weitaus fitter ist als angenommen. Sehr überzeugend und lebensnah gelingt Doris Weiner ihre Darstellung einer schlagfertigen, fantasiebegabten und gewitzten Dame, die dem grauen Alltag im Pensionistenheim ein Schnippchen schlagen will.

Lukas Meier verleiht dem von seinem Arbeitgeber drangsalierten Immobiliensachbearbeiter charmant-unbeholfene Züge, wenn er sich von der ihm völlig unbekannten „Oma“ täuschen lässt und ihren fiktiven Erinnerungen an gemeinsame Griechenlandurlaube Glauben schenkt. Nach und nach gewinnt der junge Mann im Stück aber an Selbstvertrauen, mit dem Lukas Meier seine Bühnenfigur graduell und gekonnt ausstattet.
Kostümbildnerin Petra Teufelsbauer hat beide Mitwirkenden sehr passend zu ihren Charakteren eingekleidet, wobei das rosafarbenen Strickjäckchen die vermeintliche Harmlosigkeit der „Oma“-Figur geradezu betont, hingegen Lukas Meier im dunkelblauen Anzug sehr businessmäßig wirkt. Bühnenbildner Martin Gesslbauer hat ein funktionell ausgestattetes Zimmer in einem Pensionistenwohnhaus kreiert, an dessen einer Wand, quasi als Blickfang und Lichtblick für die Bewohnerin, der großformatige Wochenplan mit sämtlichen Aktivitäten des Hauses platziert wurde.
„Oma-Trick“ ist eine warmherzige Komödie mit Tiefgang, die deutlich vor Augen führt, dass auch im auch fortgeschrittenen Lebensalter Träume und Sehnsüchte ihren Platz haben und nur ein gelungenes Miteinander der Generationen eine zukunftsweisende Perspektive hat. Große Empfehlung!
„Oma-Trick“: Bis 20. Juni sowie von 28. August bis 19. September 2026 in der Komödie am Kai (1., Franz-Josefs-Kai 29), jeweils Dienstag bis Samstag (Beginn: 20 Uhr, Sonntag, 13. September, Beginn: 16 Uhr).
Weitere Informationen: www.komoedieamkai.at, Karten unter: tickets@komoedieamkai.at