Serapions Ensemble im Odeon Theater: Bildgewaltiges Bewegungstheater mit Sogwirkung

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Odeon Koom Posh Helmut Krbec
„Koom Posh“:  Eine umherziehende Gruppe von Revoluzzern sucht die Stadt der Gerechtigkeit – bildgewaltig umgesetzt vom Serapions Ensemble in seiner jüngsten Inszenierung (Foto: Odeon/Helmut Krbec)

Das lange Warten hat sich definitiv gelohnt: Mehr als ein Jahr nach der ursprünglich geplanten Premiere präsentiert das Serapions Ensemble im Odeon Theater seine jüngste Schöpfung „Koom Posh“.

Zwei Inspirationsquellen speisten die Inszenierung, die von Max Kaufmann und Mario Mattiazzo nach einer Anregung von Erwin Piplits gemeinsam mit dem Ensemble geschaffen wurde: das Drama „Die Stadt der Gerechtigkeit“ des russischen Schriftstellers (und Gründungsmitglied der Petrograder Literatengruppe „Serapions Brüder“) Lev Lunz (1901-1924) einerseits, sowie die Novelle „Das Kommende Geschlecht“ des britischen Autors Edward Bulwer-Lytton (1803-1873) andererseits.

Zauberhafte Wirkung von Theater in all seinen Facetten

Die Handlung wird vom elfköpfigen Ensemble (Elvis Alive, Julio Cesar Manfugás Foster, José Antonio Rey Garcia, Ana Grigalashvili, Mercedes Miriam Vargas Iribar, Miriam Mercedes Vargas Iribar, Zsuzsanna Enikö Iszlay, Dascha Ivanova, Mario Mattiazzo, Gerwich Rozmyslowski, Sandra Rato da Trindade) in einem pausenlosen Abend als bildgewaltiges Bewegungstheaterstück auf der Bühne verkörpert. Eine umherziehende Gruppe von Revoluzzern erreicht die Stadt der Gerechtigkeit, die sich durch Konformismus und Monotonie auszeichnet. Die Begegnungen mit der ansässigen Bevölkerung, die im Gleichschritt, in weiße Einheitskleidung gewandet und weiß maskiert, ihrer Wege geht und dabei via Lautsprecher beschallt wird, finden zwischen Ablehnung und Annäherung statt. Die Konfrontation der unterschiedlichen Daseinskonzepte führt zu Aggression und mündet schließlich in der Zerstörung der Stadt.

Diese Inszenierung des Serapions Ensembles zeigt einmal mehr die zauberhafte Wirkung von Theater in all seinen Facetten auf. Wenn sich die Mitwirkenden zu den stampfenden Rhythmen der Musik (Kompositionen: Blueblut) in ihrer eigenen, gemeinsam geschaffenen und sehr präzise ausgeführten Choreografie bewegen, bieten sich dem Publikum nachhaltig einprägsame Bilder. Die Bühne (Max Kaufmann, Eva Grün) mit imposanten, verschiebbaren Stoffbahnen und Spiegeln sowie einem eingebauten Kippeffekt wird zum Schauplatz der Auseinandersetzungen. Wechselndes Licht (Gestaltung: Krisha Piplits, Michael Illich) taucht das Geschehen in unterschiedlichste Szenarien.

Auf eindrucksvolle Weise zeigt sich, dass das Serapions Ensemble in seiner ganz eigenen Sprache Theater mit Sogwirkung erschafft, der man sich kaum entziehen kann und die das Publikum auch durchaus fordert. Und wie immer beeindrucken die Ensembleleistung und das Zusammenspiel sämtlicher Ingredienzen auf höchstem Niveau. Ein Theatererlebnis mit Nachhall!

„Koom Posh“: Serapions Ensemble im Odeon (2., Taborstraße 10): 22.-26., 29. und 30. Juni 2021 sowie 1.-3. und 6.-10. Juli 2021, Beginn: jeweils 20 Uhr

Weitere Informationen: www.odeon-theater.at

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