„Wird schon schiefgehen“: Lachtheater mit Artistik-Faktor im Wiener Metropol

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„Wird schon schiefgehen”: Michael Duregger (v. l.), Martin Gesslbauer, Claudia Rohnefeld, Alexander Jagsch und Paul König (Foto: Andreas Lepsi/Wiener Metropol)

„Wird schon schiefgehen“ ist die traditionelle Antwort auf einen Toi-toi-toi-Glückwunsch, aber auch der deutsche Titel der britischen Erfolgskomödie „The Play that goes wrong”, die derzeit auf dem Spielplan des Wiener Metropol als österreichische Erstaufführung steht.

Und der Titel ist Programm: Das Autoren-Trio Jonathan Sayer, Henry Shields und Henry Lewis hat ein wahres Pointen-Feuerwerk geschrieben, das seinesgleichen sucht. „The Play that goes wrong” wurde im Jahr 2014 in London uraufgeführt, mit dem Laurence-Olivier-Preis ausgezeichnet und läuft seither ohne Unterbrechung am Londoner Westend. Die deutschsprachige Erstaufführung fand unter dem Titel „Mord auf Schloß Haversham” Ende 2016 im oberfränkischen Theater Hof statt.

„Wird schon schiefgehen” ist ein Stück im Stück, bei dem eine engagierte Laienschauspieltruppe einen Krimiklassiker nach Art von Agatha Christie auf die Bühne bringen will. Und genau hier hakt es: Nichts, aber auch gar nichts funktioniert nach Plan – die Tür lässt sich nicht öffnen, die Wanddekoration fällt herunter, die Tonzuspielungen gehen daneben, die Akteure verheddern sich im Text. Profis spielen Amateure, und das ist Schauspielkunst vom Feinsten.

Marcus Strahl hat mit seiner Inszenierung präzise Maßarbeit geliefert, die vom Ensemble punktgenau – Dialogpointen wie Slapstickszenen – umgesetzt wird. Als Zuschauer kommt man aus dem Staunen nicht heraus, wieviel Körpereinsatz den Mitwirkenden abverlangt wird. Die Handlung des Stücks im Stück ist reichlich verworren (aber darauf kommt es ohnedies nicht an): Florence (umwerfend als gelenkige Dramaqueen Sandra agiert Leila Strahl) und Charles (Bernhard Viktorin grandios als Jonas, der eine ziemlich lebendige Leiche spielt), der Schlosserbe, wollen ihre Verlobung feiern, doch dazu kommt es nicht, fällt Charles doch einem Giftmord zum Opfer.

„Wird schon schiefgehen”: Paul König (v. l.), Michael Duregger (v. l.), Martin Gesslbauer, Leila Strahl und Claudia Rohnefeld (Foto: Andreas Lepsi/Wiener Metropol)

Verdächtig sind sie alle: Perkins, der alte Butler (Martin Gesslbauer glänzt als textunsicherer Daniel, der Fremdwörter spicken muss und nur mit Mühe aus einem endlos langen Hänger herausfindet), Charles‘ Bruder Cecil (genial verkörpert von Michael Duregger als beifallsheischender Max) oder Arthur, der Gärtner (ebenfalls Michael Duregger), ebenso wie Florences Bruder Thomas (Paul König famos als aufgedrehter Laien-Mime Robert). Alexander Jagsch mimt Chris, den Leiter der Theatertruppe, glaubhaft am Rande des Nervenzusammenbruchs und spielt den forschen Inspektor, der den Mordfall aufklären soll. Claudia Rohnefeld darf als Inspizientin Anni nicht nur den Kaminsims reparieren (der dann doch nicht hält), sondern hat auch als Einspringerin für Sandra ihren großen Auftritt, wenngleich auch mit dem Textbuch in der Hand, was für Chaos sorgt, wenn die einzelnen Blätter durch die Luft fliegen. Unfassbar lustig wird es dann, wenn die spielfreudige Anni der zuvor außer Gefecht gesetzten Sandra die Rolle abspenstig machen will, diese aber wieder die Bühne betritt und beide gleichzeitig ihren Text aufsagen. Ronald Kuste hat als Techniker Ronny als einziger die Ruhe weg und findet sich plötzlich in einer Kuss-Szene mit Arthur, dem Gärtner, wieder.

Martin Gesslbauer hat ein Bühnenbild mit „Wow”-Effekt geschaffen. Von der ebenerdigen Bibliothek geht es hinauf in den ersten Stock, der allerdings – ohne zu viel zu verraten – im Verlauf der Handlung in seiner Stabilität kräftig nachgibt. Wie die Mitwirkenden mit artistischem Talent auf der schiefen Ebene agieren (allen voran Gesslbauer, der mit einer Chaiselongue hantieren muss), ringt Anerkennung ab.

„Wird schon schiefgehen” ist ein Stück, das zum nochmaligen Anschauen einlädt, so viele Details passieren gleichzeitig auf der Bühne. Strahls Inszenierung überzeugt auch nicht zuletzt durch ein gehöriges Tempo, bei dem man sich als Betrachterin fragt, welche Katastrophe wohl als nächstes über die Bühne hereinbrechen wird. Unbedingte Empfehlung, für alle, die sich einmal wieder königlich amüsieren wollen!

„Wird schon schiefgehen“: bis 30. März im Wiener Metropol (17., Hernalser Hauptstraße 55), Beginn: 20 Uhr

Weitere Informationen: www.wiener-metropol.at

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