
Im Jubiläumsjahr 2025 kommt man auch in Bad Ischl nicht am Jahresregenten Johann Strauss vorbei, und das ist gut so! In dieser Saison, die dem Publikum die 65. Ausgabe des Lehár Festivals beschert, setzt man (neben Offenbachs „Orpheus in der Unterwelt“ und Lehárs „Die blaue Mazur“) auf „Eine Nacht in Venedig“.
Gleich vorweg: Wieder einmal zeigen die auf dem Programmheft als „größtes Operetten-Festival Europas“ ausgewiesenen Festspiele, wie zeitlos aktuell und unverkrampft diese Theatergattung auch heute noch auf der Bühne zur Geltung kommen kann.
„Die Operette lebt!“ gab sich Intendant Thomas Enzinger bei der Premiere überzeugt, und dieser Aussage möchte man, nach einem Besuch der Inszenierung von „Eine Nacht in Venedig“, gerne zustimmen. Die Intention des Regisseurs Wolfgang Dosch, so ist dem Programmheft zu entnehmen, die Patina des Werks zum Glänzen bringen, geht durchwegs auf. Und so verzichtet die Produktion auf eine bemühte Transformierung ins Heute und setzt stattdessen auf Humor und Augenzwinkern, auch wenn die Geschichte samt ihrem Frauenbild aus der Zeit gefallen scheint.
Die Inszenierung lebt von ihrer stimmungsvolle Atmosphäre sowie dem feinen Gesang und zelebriert die wunderbaren Strauss-Klänge, die das Franz Lehár-Orchester unter der Leitung von Marius Burkert mit großer Verve zum Besten gibt. Treppauf und treppab geht es auf der Bühne rund, die Stefan Wiel – ein bisserl Kitsch darf sein – mit fantasievollen Malereien, einem überdimensionalen Halbmond und einem romantisch anmutenden Sternenhimmel ausgestattet hat. Auch bei den Kostümen wurde aus dem Vollen geschöpft – Sven Bindseil hat das Ensemble in farbenprächtige Gewänder gekleidet, das Lichtdesign von Johann Hofbauer rundet das bunte Spektakel ab.
Edle Stimmen und kraftvolles Spiel
Die Solistinnen und Solisten überzeugen durchwegs mit edlen Stimmen und kraftvollem Spiel: Matjaž Stopinšek mit humoristischem Unterton als verwegener Herzog Guido von Urbino, Tina Jaeger, Marie-Luise Engel-Schottleitner und Ena Topčibašić als Anina, Ciboletta und Barbara Delaqua, die zu guter Letzt das Sagen haben, Yichi Xu als eifersüchtiger Caramello sowie Wolfgang Dosch als quicklebendiger Pappacoda, der bei der Premiere für erkrankten Roman Martin einsprang. Miriam Portmann als Agricola, Erich Langwiesner als Senator Delaqua und Nikola Basta als Enrico Piselli ergänzen das Ensemble. Choreografin Evamaria Mayer lässt dazu sechs Tänzerinnen und Tänzer im betriebsamen Geschehen mitwirken, und auch der Chor des Lehár-Festivals (Einstudierung: Matthias Schoberwalter) fügt sich stimmig ein.
Wer vor der Vorstellung noch ein wenig Zeit hat, sollte der Ausstellung „Wahrhafte Wonne – 200 Jahre Johann Strauss“ einen Besuch abstatten: Auf Schautafeln vor dem Eingang zum Theatersaal zeichnet Marie-Theres Arnbom, die ehemalige Direktorin des Wiener Theatermuseums, die Beziehung des Jahresregenten Strauss zur Kurstadt Bad Ischl in vielen Facetten nach und hinterfragt seine Bedeutung für ein heutiges Publikum.
Fazit: Der wertschätzende Umgang mit dem Genre der Operette in Bad Ischl ist auch heuer wieder ein Lichtblick für all jene, die ihre Freude an schlüssigen, zeitgemäßen, leichtblütigen Operetten-Inszenierungen haben. Große Empfehlung, nicht zuletzt auch der Strauss’schen Evergreens wegen!
„Eine Nacht in Venedig“ beim Lehár Festival Bad Ischl: Bis 23. August 2025 im Kongress- und Theaterhaus an ausgewählten Terminen (Beginn: 20 Uhr bzw. 15.30 Uhr).
Weitere Informationen: www.leharfestival.at