KosmosTheater: „Medea. Stimmen“ als hochspannender Polit-Krimi

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Petra Staduan (Agameda, Glauke), Jens Ole Schmieder (Akamas, Leukon), Jan Hutter (Jason, Presbon) und Anne Grabowski (Medea, v. l. n. r.) bei der beeindruckenden Premiere im KosmosTheater (Foto: Bettina Frenzel)

Die sprachgewaltige Autorin Christa Wolf rollt die Mordfälle rund um Medea, „die Fremde“, als hochspannenden Polit-Krimi auf, geschildert aus den verschiedenen Perspektiven der unmittelbar Beteiligten. Medea, die Kindsmörderin? Barbarin aus dem Osten? Opfer von Verleumdung? Rebellin gegen das Establishment?

Die Hetzjagd gegen Medea, die ins reiche Korinth geflüchtet ist und damit geradewegs in ein patriarchal-kapitalistisches System, beginnt, als sie sich der Anpassung verweigert und die vorhandenen Machtstrukturen entlarvt. Unter den Gesichtspunkten der aktuellen Flucht- und Migrationsbewegungen ist Christa Wolfs Szenario aktueller denn je und stellt die bis jetzt radikalste Korrektur des Medea-Mythos dar.

Die vier grandiosen Darsteller – Anne Grabowski, Jan Hutter, Jens Ole Schmieder, Petra Staduan – interagieren in einem beklemmenden Fanal, das seine Protagonistin verschlingen will. Eine spannende Inszenierung (Regie: Julia Nina Kneussel, Dramaturgie: Martina Theissl, Musik: Markus Jakisic), der das nüchterne Ambiente (Ausstattung: Caro Stark) sehr zugute kommt.

„Wenn unsere Kultur in Krisen gerät, fällt sie immer wieder auf das gleiche Verhalten zurück: die Schuld bei Außenseitern suchen, diese ausgrenzen, sie zu Sündenböcken stempeln.“ (Christa Wolf in „Die Zeit“, 10/2007)

Noch bis 18. März ist das KosmosTheater (7., Siebensterngasse 42) Bühne für  „Medea. Stimmen“ (nach dem Roman von Christa Wolf), Beginn: jeweils 20.00 Uhr.

Weitere Informationen: www.kosmostheater.at

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