Komödie am Kai: Wenn das Kartenspiel aus der Komfortzone lockt

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„Herzdame sticht Treffkönig – Einer muss gewinnen“: Johannes Terne, Doris Weiner (Foto: Komödie am Kai)
„Herzdame sticht Treffkönig – Einer muss gewinnen“: Johannes Terne, Doris Weiner (Foto: Komödie am Kai)

In eine ruhige Ecke eines Pensionistenwohnhauses hat sich Bewohner Weller Martin zurückgezogen, zu sehr ist er von der „fürsorglichen Belagerung“ durch das Pflegepersonal genervt. Ebendort trifft er auf Fonsia Dorsey, die ebenfalls in der Seniorenresidenz lebt und sich mit ihrem Dasein augenscheinlich arrangiert hat. Zuerst nur widerwillig stimmt Fonsia zu, mit Weller eine Partie Gin Rommé zu spielen. Doch aus einer Partie werden viele, und aus den beiden Bewohnern werden (Karten-)Spielende, die nach und nach ihre Masken fallen lassen. Zu lange haben es sich beide in einer Komfortzone aus Selbstbetrug und Schönfärberei gemütlich gemacht.

Auf welch vielschichtige Art und Weise dies geschieht, zeigt das Stück „Gin Rommé“ aus der Feder des US-amerikanischen Autors Donald L. Coburn (1938 bis 2025): 1977 uraufgeführt und im Jahr darauf mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet, steht es derzeit unter dem Titel „Herzdame sticht Treffkönig – Einer muss gewinnen“ auf dem Spielplan der Komödie am Kai.

Doris Happl setzt in ihrer Inszenierung ganz auf die Gegensätzlichkeit der beiden Hauptcharaktere und kreiert dadurch einen bemerkenswerten Spannungsbogen. Der Regisseurin und den Mitwirkenden gelingt es, die vielen Zwischentöne in den Dialogen sehr präzise herauszuarbeiten und dadurch eine durchgängig stimmige, dichte Atmosphäre zu erschaffen.

Doris Weiner gestaltet ihre Rolle als Fonsia gekonnt reduziert, feine Mimik und Gestik lassen anfangs nur erahnen, was sie tatsächlich verbirgt. Im Verlauf des Stücks gewinnt Fonsia, erst ruhig und abwartend in ihrem Auftreten, aber mit leisem, schelmischem Humor ausgestattet, deutlich an Stärke, und es dauert nicht lange, bis sich beide Spielpartner auf Augenhöhe begegnen. Die Genauigkeit und das Timing, mit denen Doris Weiner die zögerlichen Momente ihrer Fonsia verkörpert, beeindrucken sehr.

Johannes Terne gibt einen ruppigen, aufbrausenden, von seinem Dasein in der Seniorenresidenz verbitterten Weller Martin. Deutlich gibt er seiner Spielpartnerin, die er anfänglich erst zu einer Partie Gin Rommé überreden musste, zu verstehen, dass er sich in seiner Ehre gekränkt fühlt, wenn sie ein Spiel nach dem anderen gewinnt. Auch hier wird die Vielschichtigkeit des Charakters von Johannes Terne großartig gezeichnet, wenn sich Wellers cholerischer Anfall mit einer großen Portion Zerrissenheit mischt.

Eva Agai spielt grandios jenen Typus von Pflegekraft, der Bewohner Weller Martin so gerne aus dem Weg geht.

Das Kartenspiel am kleinen runden Tisch wird so zum Schauplatz für einen Schlagabtausch zwischen zwei Persönlichkeiten, die einander nicht gesucht, aber zweifelsohne gefunden haben.
„Herzdame sticht Treffkönig – Einer muss gewinnen“ ist zudem ein wunderbares Sinnbild dafür, dass es nie zu spät sein kann, um über sich hinauszuwachsen und neue Wege zu beschreiten.
Große Empfehlung!

„Herzdame sticht Treffkönig – Einer muss gewinnen“: Bis 4. Oktober 2026 in der Komödie am Kai (1., Franz-Josefs-Kai 29).

Weitere Informationen: www.komoedieamkai.at, Karten unter: tickets@komoedieamkai.at

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