„Funny Money!“ in der Komödie am Kai: Fünf Millionen, eine Knackwurst und ein verwechselter Aktenkoffer

Veröffentlicht von
„Funny Money!“ (v. l.): Ralph Saml, Natascha Shalaby, Victor Kautsch, Eva-Christina Binder, Anatol Rieger, Rochus Millauer, Rafael Witak (Foto: Komödie am Kai)

Ein unscheinbarer Aktenkoffer, der in der Straßenbahn vertauscht wird, gerät zum Corpus delicti in einem heiklen Fall: Just an seinem Geburtstag eignet sich der biedere Buchhalter Karl Nowak aus Versehen den Aktenkoffer seines Sitznachbarn an, in dem sich zu seiner großen Überraschung fünfeinhalb Millionen Schilling befinden. Zu Hause wird Gattin Elfie vor vollendete Tatsachen gestellt – Karl will sich mit der riesigen Summe absetzen, bevor der tatsächliche Eigentümer Ansprüche stellt. Noch am selben Abend soll es gemäß Karls Plan nach Barcelona gehen, die Flüge werden gebucht, und ein Taxi wird gerufen. Doch Elfie findet keinerlei Gefallen an Karls Vorhaben, immerhin hat sie doch ein befreundetes Ehepaar zur Feier des (Geburts-)Tages eingeladen. Zudem werden zwei Kommissare vorstellig, und Karl rettet sich in seiner Not in immer aberwitzigere Ausflüchte, um der Situation Herr zu werden – vor allem, als dann noch ein gewisser Herr Oktokoff auftaucht, der Ansprüche auf das Geld erhebt…

Ray Cooney (geboren 1932 in London), der Großmeister der britischen Farce („Außer Kontrolle“ und „Taxi, Taxi“ stammen ebenso aus seiner Feder), hat auch in „Funny Money!“ alle Ingredienzen vereint, die Stücken dieses Genres den zündenden Funken verleihen. Ein Blick ins Programmheft lohnt sich: In einer Abhandlung unter dem Titel „Die Regeln der Farce“ beschreibt Autor Cooney die Mechanismen und Unterschiede von bzw. zwischen Komödie, Tragödie und Farce. „Je mehr ich darüber nachdenke, desto stärker wird meine Überzeugung, dass aller Wahrscheinlichkeit nach die Farce mehr mit der Tragödie gemein hat als mit der Komödie“, ist der Autor überzeugt.

Aber selbstverständlich gibt es bei „Funny Money!“ viel zu lachen! Für die Komödie am Kai haben Sissy Boran und Andrea Eckstein (die auch für die Bearbeitung verantwortlich zeichnet) Cooneys Spektakel als Füllhorn an skurril-witzigen Situationen in rasanter Abfolge inszeniert, über die man sich köstlich amüsiert. Die Handlung wurde zudem von England nach Wien-Ottakring verlegt, in den Mai des Jahres 1969, als die Queen auf Staatsbesuch in Österreich war.

Barbara Langbein hat für das Ensemble passende Kostüme im Sixties-Look kreiert. Das gemütliche Wohnzimmer der Nowaks (Bühnenbild: Siegbert Zivny) ist Treffpunkt für die Charaktere des Stücks, die von einem glänzenden Ensemble mit prallem Leben erfüllt werden: Victor Kautsch mimt auf hinreissende Art und Weise den Biedermann im grauen Anzug, der sich die Chance seines Lebens erhofft und alles daran setzt, seine Pläne zu verwirklichen. Ihm Zur Seite, grandios, Eva-Christina Binder als Gattin Elfie, die kein gesteigertes Interesse an einer Auswanderung hat und im grassierendem Chaos zunehmend in den Alkohol flüchtet. Herrlich polternd gibt Rochus Millauer den temperamentvollen Taxifahrer Schurli, dessen Gewieftheit nicht zu unterschätzen ist. Anatol Rieger verkörpert glaubhaft den – vordergründig – sittenstrengen Kriminalbeamten Pokorny, der allerdings gerne die Hand für ein „Körberlgeld“ aufhält. Sein Gegenüber ist der sehr geduldige, feinfühlige Kommissar Huber (großartig: Rafael Witak), der die Dame des Hauses über einen Leichenfund informieren muss und peu à peu seine Contenance verliert, da sein Anliegen (die Leiche muss identifiziert werden!) kein Gehör findet. Natascha Shalaby und Ralph Saml liefern eine beachtliche Darstellung von Sissy und Franz, dem befreundeten Ehepaar, das, anstatt in Ruhe Karls Geburtstag zu feiern, in das abstruse Getümmel hineingezogen wird. Felix Millauer darf als verletzter Fußgänger über die Bühne torkeln – ob er der geheimnisvolle Eigentümer der riesigen Summe ist?

Fazit: „Funny Money!“ sollte sich unbedingt ansehen, wer wissen möchte, wie das Chaos seinen Lauf nimmt, welche Rolle eine angebissene Knackwurst spielt und ob es die Nowaks tatsächlich nach Barcelona schaffen. Ein erstklassiges Vergnügen!

„Funny Money!“: bis 11. Jänner 2020 in der Komödie am Kai (1., Franz-Josefs-Kai 29), zu sehen täglich außer Sonntag und Montag, Beginn jeweils: 20.15 Uhr.

Weitere Informationen: www.komoedieamkai.at, Karten unter: tickets@komoedieamkai.at

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.