„Die Perle Anna“: Schimmernder Boulevard-Klassiker in der Komödie am Kai

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„Die Perle Anna“ in der Komödie am Kai: Ulli Fessl, Ralph Saml, Lara Neversal (Foto: Komödie am Kai)

Marc Camoletti (1923-2003) war ein Meister des dramaturgisch ausgeklügelten Lustspiels, seine Stücke wie „Boeing Boeing“, „Das (perfekte) Desaster Dinner“ oder „Die Perle Anna“ sind mittlerweile zu Klassikern des gehobenen Boulevard-Theaters mutiert. Letztgenanntes Stück hat Prinzipalin Sissy Boran in einer Bearbeitung von Andrea Eckstein für ihre Komödie am Kai stimmungsvoll und mit einem vortrefflichen Ensemble in Szene gesetzt.

Camolettis Lustspiel lebt nicht zuletzt von seinem Schwung, mit dem die sechs Türen auf der Bühne auf und zu gehen. Die drei Damen und zwei Herren bewegen sich mit großer Spielfreude durch die Handlung, die in ein nobles Apartment nach Wien-Hietzing verlegt wurde. Dort hält die Haushälterin Anna, eben eine echte „Perle“, das Szepter in der Hand, wenn es darum geht, die Heimlichkeiten der gnädigen Herrschaften zum eigenen Vorteil zu gebrauchen.

„Die Perle Anna“: Victor Kautsch, Irene Budischowsky, Ulli Fessl (Foto: Komödie am Kai)

Denn sowohl Claudia als auch Bernhard, die Eigentümer der schicken Wohnung, gehen außerehelichen Romanzen nach: Bernhard gaukelt seiner Gattin eine dringend notwendige Dienstreise nach Kärnten vor und überredet sie, nach langer Zeit doch endlich wieder ihre Mutter in Bregenz zu besuchen. Auch Anna soll das Haus verlassen und ihrer Schwester und dem Schwager in Mistelbach Gesellschaft leisten. Doch beide Ehepartner landen nach fingierten Abreisen wieder in ihrem Refugium, und beide nicht allein: Bernhard hat seine junge heiratswillige Freundin Cathy im Schlepptau, Claudia wiederum möchte die Gunst der Stunde nützen, um mit ihrem frisch geangelten Geliebten Robert traute Zweisamkeit zu genießen. Aber auch Anna versteht es, aus der Situation Profit zu schlagen, spart sich das erhaltene Geld für die Reise zu ihrer Schwester und erhofft sich einen gemütlichen Abend daheim. Als nun alle Beteiligten wieder zu Hause ankommen, ist guter Rat teuer, und Anna muss sich gehörig ins Zeug legen, um dem heraufdräuenden Chaos Einhalt zu gebieten.

Sissy Boran hat das Tür-auf-Tür-zu-Stück im gelungenen Bühnenbild von Siegbert Zivny (Kostüme: Barbara Langbein) mit feinem Gespür für treffsichere Pointen und punktgenaues Timing in Szene gesetzt. Ulli Fessl als Premierenbesetzung lieferte ein Bravourstück einer gewitzten, mit allen Wassern gewaschenen und geschäftstüchtigen „Perle“ ab, der es mit vielen Tricks gelingt, ihre Brötchengeber samt deren Hausgästen in Schach zu halten (mittlerweile verkörpert die vielseitig talentierte Eva Agai als Alternativbesetzung die Rolle der Haushälterin). Irene Budischowsky als Claudia und Ralph Saml als Bernhard geben ein grandioses Paar ab, das getrennt voneinander vor seiner Haushälterin in Erklärungsnotstand gerät. Victor Kautsch ist ein hinreissender Robert (aus dem Sportler im Original wurde ein Sportfotograf) mit französischem Akzent, Lara Neversal (eine großartige Neuentdeckung auf der Bühne der Komödie am Kai) eine entzückende Cathy aus der Schweiz.

„Die Perle Anna“ ist ein schimmernder Boulevard-Klassiker, den es sich unbedingt anzusehen lohnt!

„Die Perle Anna“: bis 5. Jänner in der Komödie am Kai (1., Franz-Josefs-Kai 29), zu sehen täglich außer sonntags und montags (Beginn jeweils: 20.15 Uhr), zu Silvester um 18 und 21 Uhr.

Weitere Informationen: www.komoedieamkai.at, Karten unter: tickets@komoedieamkai.at

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