Andreas Steppan, Xina Ziegler, Steffi Paschke, Peter Färber & Pia Strauss & (v.l.n.r.) Martin_Rehberger

„Der nackte Wahnsinn“ im Gloria Theater: Tumulte vor und hinter den Kulissen

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Andreas Steppan, Xina Ziegler, Steffi Paschke, Peter Färber & Pia Strauss & (v.l.n.r.) Martin_Rehberger
„Der nackte Wahnsinn“: Andreas Steppan, Xina Ziegler, Steffi Paschke, Peter Faerber und Pia Strauss (Foto: Martin Rehberger)

Michael Frayns exquisite Farce „Der nackte Wahnsinn“ (im Original: „Noises Off“) ist ein Kabinettstück dieser Gattung, und wohl kaum eine andere Komödie hätte stimmiger zur Wiedereröffnung des Gloria Theater in Wien-Floridsdorf gepasst als diese. Der britische Autor (Jahrgang 1933) zeichnet in seinem Stück-im-Stück (uraufgeführt 1982 in London) ein höchst amüsantes Porträt einer Theatertruppe, die mit einem Boulevardstück durch die Lande zieht und dabei allmählich, aufgrund von internen Querelen, in einem heillosen Durcheinander versinkt.

„Der nackte Wahnsinn“: Daniela Lehner, Christoph Fälbl (Foto: Martin Rehberger)
„Der nackte Wahnsinn“: Daniela Lehner, Christoph Fälbl (Foto: Martin Rehberger)

Der Reiz des Stückes besteht auch darin, dass es mit charmantem Lokalkolorit eingefärbt wird, und so erlebt das Publikum eine Theatertournee der besonderen Art, wenn die anfangs noch harmonisch agierenden Ensemblemitglieder von Südtirol durch die österreichische Provinz reisen und sich dabei zusehends in amourösen Verwicklungen samt Eifersuchtsdramen verlieren und jede Menge Chaos anrichten. Autor Frayn präsentiert die Handlung in drei Aufzügen, die allesamt den ersten Akt des Stückes zeigen, das die Theatertruppe aufführen möchte – zunächst die Generalprobe, danach eine Aufführung einige Wochen später während der Tour aus Backstage-Sicht, und zu guter Letzt eine Vorstellung kurz vor Tournee-Ende, bei der das Ensemble schon am Rande des Nervenzusammenbruchs agiert, völlig losgelöst von jeglicher Regieführung, und die Aufführung komplett außer Kontrolle gerät.

Claudia Rohnefeld, die auch die künstlerische Leitung des Gloria Theaters inne hat, und Thomas Schreiweis haben das zeitlos funktionierende Stück-im-Stück rasant und mit höchster Präzision inszeniert. Auch der Kulissenumbau vor dem dritten Akt auf offener Bühne, den die Mitwirkenden und das Bühnentechnikteam gemeinsam bewerkstelligen, ist eine Choreografie für sich. Das Ensemble wirbelt mit großem Körpereinsatz über die Bühne und liefert treppauf, treppab eine Tour de Force, die ihresgleichen sucht und eine beeindruckende Kondition abverlangt.

„Der nackte Wahnsinn“: Christoph Fälbl, Steffi Paschke und Géza Terner (Foto: Martin Rehberger)
„Der nackte Wahnsinn“: Christoph Fälbl, Steffi Paschke und Géza Terner (Foto: Martin Rehberger)

Andreas Steppan spielt den Regisseur Leonhard Dallmayer, der gütig und meist sehr harmonisch mit seinem Ensemble interagiert, Christoph Fälbl verkörpert den diskussionsfreudigen Schauspieler Gerry, der den Probenprozess hartnäckig  aufhält und den Geduldsfaden aller strapaziert, Steffi Paschke mimt Dotty, die als Haushälterin Frau Guggenbichler mit Text und Requisiten kämpft. Daniela Lehner spielt die junge Nachwuchsdarstellerin Julia, die bei den Proben durch geistige Abwesenheit glänzt und immer wieder ihre Kontaktlinsen sucht, Géza Terner mimt den hypersensiblen Schauspieler Frederick, der in belastenden Situationen sofort zu Nasenbluten neigt, Pia Strauss verkörpert die Darstellerin Belinda, die mit ihrer ruhigen, besonnenen Art das Ensemble zusammenzuhalten versucht, und Peter Faerber mimt den schwerhörigen Schauspieler Helmuth, der fortwährend seine Einsätze verpasst und etwas zu sehr dem Alkohol zuspricht. Georg Hasenzagl spielt den gestressten, unter massivem Schlafmangel leidenden Inspizienten Tim, der auch noch als Einspringer fungieren muss, und Xina Ziegler spielt die überforderte, aber pflichtbewusste Regieassistentin Poppy. Das Timing passt, die Pointen sitzen punktgenau, ebenso funktioniert jeder Handgriff mit den unzähligen Requisiten – eine Axt, ein Blumenstrauß, eine Whiskyflasche, ein Teller mit Sardinen und ein Telefon, um nur einige zu nennen.

„Der nackte Wahnsinn“: Georg Hasenzagl (Foto: Martin Rehberger)
„Der nackte Wahnsinn“: Georg Hasenzagl (Foto: Martin Rehberger)

Robert Notsch hat ein zweigeschoßiges Bühnenbild mit zahlreichen Türen kreiert (Bühnenbau: Die Bühnenwerkstatt), die unentwegt auf und zu gehen. Im unteren Bereich wurde ein rustikaler Wohnbereich im Landhausstil mit einem großen Fenster eingerichtet, oben führen die Türen in die Kulissen, die dann im zweiten Akt, um 180 Grad gedreht, zu sehen sind. Petra Teufelsbauer hat das Ensemble bzw. die Theatertruppe in Kostüme mit stimmigem 80er-Jahre-Flair eingekleidet.

Fazit: Einen besseren Neustart hätte das Gloria Theater nicht hinlegen können! Die temporeiche Inszenierung überzeugt durch präzise Maßarbeit und lebt von der riesigen Portion Spielfreude aller Mitwirkenden. Unbedingt sehenswert!

„Der nackte Wahnsinn – Noises Off“: Zu sehen bis 3. Mai 2026 im Gloria Theater (21., Prager Straße 9).

Weitere Informationen: gloria-theater.at

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