„5 Männer“ in der Freien Bühne Wieden: Lebensweisheiten zwischen Whisky und Tee

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Fünf Männer in der Runde: Leopold Dallinger, Marcus Strahl, Markus Tavakoli, Rudolf Larsen, Markus Schramm (Foto: Rolf Bock)

Beziehungsgeschichten sind sein Lebensthema, schreibt Autor Gabriel Barylli im Programmheft seines jüngsten Stückes „5 Männer“, das seine Uraufführung in der Freien Bühne Wieden erlebte. Denn, so  Barylli, alles ließe sich davon ableiten: Liebesglück oder -pech hätte Einfluss auf unseren Alltag, den Job, aber auch – vom Kleinen aufs große Ganze geschlossen – auf unsere Gesellschaft.

Schon in seinem ersten Roman, „Butterbrot“, 1988 erschienen und in der dramatisierten Version im selben Jahr uraufgeführt, verstrickte Barylli drei Freunde in eine Innenbeschau männlicher Gefühlswelten. Für dieses Stück hat der Autor fünf Männer ersonnen, alle miteinander befreundet, die zusammen einen gemütlichen Abend verbringen wollen. Manuel, ein Schauspieler, hat die anderen zu sich eingeladen, weil er mit ihrer Hilfe den Dingen auf den Grund gehen will – was macht den Mann im Innersten aus? Diese Kernfrage will Manuel mit seinen Freunden diskutieren, nicht ahnend, dass jeder von ihnen sein eigenes Päckchen mit sich herumträgt…

Barylli hat sein Stück um eine sinnierende Männer-Runde in orientalisch anmutendem Ambiente (Bühnenbild: Martin Gesslbauer), mit feinen Vorhängen und Teppichen ausgekleidet, auch gleich selbst inszeniert. Nach und nach trudeln die Freunde also ein in Manuels Wohnung. Dieser ist vorweg noch ganz in seine Arbeit als Regisseur vertieft, denn seine „Faust“-Premiere steht an, und Manuel verstrickt sich immer mehr in existenzielle Grundfragen – solange, bis er das Nervenkostüm seiner Freunde beinahe überstrapaziert. Marcus Strahl gelingt hier eine sehr fein differenzierte Darstellung eines vom Leben enttäuschten (seine Frau hat ihn wegen eines Jüngeren, einem Regieassisten, verlassen) zwischen Tiefgründigkeit und Galgenhumor.

Der erste Gast bei Manuels Herrenabend ist sein Schauspiellehrer Friedrich, eine Art väterlicher Freund und der Philosoph in der Runde. Höchst überzeugend mimt Rudi Larsen den Fels in der Brandung, den scheinbar – fast – nichts aus der Ruhe bringen kann und der mit einer gehörigen Portion Lebensklugheit ausgestattet ist. Ebenso mit von der Partie ist Martin, der daran verzweifelt, dass seine Partnerin keine Kinder in die Welt setzen möchte, so wie rund 25 Prozent der Frauen in der westlichen Welt. Markus Schramm liefert eine sehr glaubhafte Interpretation eines Mannes ab, der sein Lebensziel, eine Familie zu gründen, verraten sieht und daher zu unlauteren Methoden greift. Robert wiederum ist momentan glücklos in Sachen Liebesdingen: In einer Ausnahmesituation ist er seiner Frau gegenüber handgreiflich geworden, als sie ihm vorgeworfen hat, sich von seiner Familie emotional zu entfernen. Leopold Dallinger mimt gekonnt einen vor Selbstmitleid zerfließenden Robert, der seine Entgleisung mittlerweile bedauert und sein trauriges Schicksal, künftig alleine in einer Ein-Zimmer-Wohnung leben zu müssen, bereits besiegelt sieht.

Auftritt Suleiman, der für seine Freunde sogleich das Essen mitbringt. Für den gläubigen Muslim ist die Sache klar: Freiheit in Liebesdingen sei keine Option für ihn, immerhin sei seine von den Eltern arrangierte Ehe auch glücklich. Hier entspinnt sich prompt ein Disput innerhalb der Herrenrunde, betreffend unterschiedlicher Lebensanschauungen – zwischen einer, auf den ersten Blick vielleicht kräfteschonender anmutenden Gesellschaftsordnung, und einer anderen, in der selbstverantwortliche Individuen nach eigenem Gutdünken handeln. Markus Tavakoli verleiht seiner Figur durchaus verbindliche Züge, wenngleich sein Suleiman als einziger von seiner Einstellung felsenfest überzeugt ist. Zwischen Whisky und Tee (letzteren trinkt Suleiman) wird diskutiert, und zu guter Letzt dürfen auch die kubanischen Zigarren nicht fehlen. Nach und nach leert sich Manuels Wohnung wieder, und er bleibt allein zurück, wiederum seine Situation reflektierend.

Baryllis „5 Männer“ zeichnet sich durch eine sehr lebendige Figurenzeichnung aus, die pointierten Dialoge laden zum Nachdenken ein – und die Zuschauerin amüsiert es, wie sehr (auch) männliche Wesen in ihre Welten verstrickt sein können.

„5 Männer“: Gespielt wird noch bis 11. Mai in der Freien Bühne Wieden (4., Wiedner Hauptstraße 60b), Beginn: jeweils 19.30 Uhr.

Weitere Informationen: www.freiebuehnewieden.at

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