Freie Bühne Wieden: Eine Ära geht zu Ende – und ein Neubeginn steht vor der Tür

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Michaela Ehrenstein verabschiedet sich nach 16 Jahren als Direktorin der Freien Bühen Wieden. (Foto: Robert Peres)
Michaela Ehrenstein verabschiedete sich nach 16 Jahren als Direktorin der Freien Bühne Wieden in Anwesenheit zahlreicher Weggefährten. (Foto: Robert Peres)

Ein Abend, der Erinnerungen wachrief und zugleich ein Kapitel Wiener Theatergeschichte feierlich zu Ende gehen ließ: Im Rahmen eines stimmungsvollen Gala-Abends blickte Michaela Ehrenstein, Direktorin der Freien Bühne Wieden, auf 16 erfolgreiche Jahre als Theaterleiterin zurück – eine Position, die sie mit Jahresende zurücklegt.

Vor knapp 50 Jahre gründete Topsy Küppers die Freie Bühne Wieden, die mit dem Eröffnungsstück „Heute Abend Lola Blau“ von Küppers Ehemann Georg Kreisler sogleich einen großen Erfolg verbuchen konnte. Zum Jahreswechsel 2000/2001 übergab sie die Leitung an den Autor und Regisseur Gerald Szyszkowitz, der das Theater als Uraufführungsbühne etablierte.

Symbolische Schlüsselübergabe: Theaterdirektorin Michaela Ehrenstein mit ihrem Nachfolger Nachfolger Gernot Kranner (Foto: Robert Peres)
Symbolische Schlüsselübergabe: Theaterdirektorin Michaela Ehrenstein mit ihrem Nachfolger Nachfolger Gernot Kranner (Foto: Robert Peres)

Mit dem umgedichteten Lied „Ich weiß auf der Wieden ein Theaterjuwel“ (nach: „Ich weiß auf der Wieden ein kleines Hotel“) von Ralph Benatzky gleich zu Beginn brachte Michaela Ehrenstein die Intention des Abends auf den Punkt. Mehr als 70 Ur- und Erstaufführungen setzte die Direktorin seit Jänner 2010 auf den Spielplan, immer mit der Motivation, angestammte Pfade zu verlassen und relevanten, auch politischen Themen eine Bühne zu bieten. Frauenbiografien nahmen einen großen Stellenwert ein, wie beispielsweise Stücke über Bertha von Suttner, Hedy Lamarr oder Juliette Gréco. Mit Jean Anouilhs „Becket und die Ehre Gottes“ hievte Ehrenstein als Regisseurin 2016 eine selten gespielte Rarität auf die Bühne, gleichsam als Mammutprojekt mit 18 Mitwirkenden.

25 Jahre lang war die Freie Bühne Wieden künstlerische Heimat für Michaela Ehrenstein, die ihre persönlichen Erinnerungen in Anwesenheit zahlreicher Ensemblemitglieder, die auf der mit einem roten Teppich ausgestatteten Bühne Platz genommen hatten, mit dem Publikum teilte. Béla Fischer begleitete den Abend gefühlvoll am Klavier, Projektionen von Fotos und Plakaten vergangener Produktionen auf der Bühne weckten zahlreiche Erinnerungen.

Herzliche Danksagungen ergingen von Michaela Ehrenstein an ihre Eltern, die den Theaterbetrieb all die Jahre tatkräftig unterstützten, an sämtliche Teammitglieder auf und hinter der Bühne, an an- und abwesende Mitwirkende aus ihrer Direktionszeit und an Weggefährten, die ihr künstlerisches Wirken begleiteten. Marcus Strahl, der in zahlreichen Produktionen mitspielte und auch einige Male im Haus Regie führte, bedankte sich im Namen seiner Kollegenschaft ebenfalls bei der scheidenden Theaterleiterin.

Förderung junger Talente

Doch wo sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere: Gernot Kranner wird mit kommendem Jahr die Freie Bühne Wieden übernehmen. Nach würdigenden Worten für die Leistung seiner Vorgängerin skizzierte er seine Pläne für das Theater, das am 26. Februar 2026 neu eröffnen wird. Unter seiner Leitung soll das Haus ebenso Platz für aktuelle Stoffe bieten und Nachwuchskräften aus Schauspiel und Regie gleichsam als Talenteschmiede eine künstlerische Heimat bereitstellen. Auch Kranner betonte die Wichtigkeit von Kunst und Kultur als Kitt für die Gesellschaft. Den symbolischen Schlüssel nahm der designierte Theaterdirektor in Anwesenheit seines Sohnes Sebastian und seiner Nichte Stella Kranner entgegen.

Für mich persönlich hatte die Freie Bühne Wieden mit ihrer Programmatik, nahezu ausschließlich Ur- und Erstaufführungen auf den Spielplan zu setzen, ein Alleinstellungsmerkmal in der Wiener Theaterlandschaft inne. Neue Stücke galt es zu entdecken, in spannende Stoffe konnte man sich vertiefen. „Wir wollen Sie berühren und verzaubern, Zum Denken anregen und auf die Welt gemeinsam schau’n, Damit wir’s nicht später bedauern. Die Stücke sind neu und die Bandbreite groß, die Kunst ist so wichtig für die Seele“, heißt es in dem oben genannten Lied. In diesem Sinne: Vielen Dank an alle Beteiligten für viele schöne Jahre in diesem Theaterjuwel! Und dem neuen Team sei von Herzen alles Gute gewünscht, auf viele weitere Jahre voller spannender Theaterentdeckungen in der Freien Bühne Wieden!

Zu guter Letzt noch ein Programmtipp: Am Silvesterabend lässt Michaela Ehrenstein mit „Theater, oh, Theater, Du“ das Jahr künstlerisch mit Einblicken in ihr Wirken, Texten und Liedern in der Freien Bühne Wieden ausklingen. Mit Walter Lochmann am Klavier (Beginn: 18 Uhr)!

Weitere Informationen: www.freiebuehnewieden.at