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„Dracula“: Geballte Emotionen im schaurig-schönen Reich der Finsternis

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„Dracula – das Musical”: Lisa Habermann (Mina), Jan Ammann (Graf Dracula) (Foto: Nico Moser)

Der Fürst der Finsternis beißt wieder zu! Der deutsche Musical-Produzent ShowSlot schickt derzeit eine opulente Inszenierung von „Dracula – das Musical“ auf Tour, die leider viel zu kurz in Wien gastiert hat, ab sofort in Deutschland unterwegs ist und am 25. und 26. April Station in Graz macht.

Gleich vorweg: Diese Show hat es in sich! „Dracula“ birgt zweieinhalb Stunden lang geballte Emotionen, gepaart mit mitreißender Musik, und präsentiert sich als wirklich gelungenes Theaterereignis mit einem stimmgewaltigen Ensemble. Regisseur Alex Balga und Co-Regisseurin und Choreografin Natalie Holtom haben die romantisch-düstere Love-Story als effektvolles, für die große Bühne konzipiertes Spektakel inszeniert. Die Musik von Frank Wildhorn, insgesamt 22 Songs (ohne Reprisen, Prolog und Finale), von gefühlvoll bis rockig, zieht vom ersten Takt an (das achtköpfige Orchester unter der Leitung von Simon Münzmay spielt grandios!) in den Bann der Geschichte.

Die dramaturgische Bearbeitung der Romanvorlage von Bram Stokers „Dracula” (1897 veröffentlicht) erweist sich als durchaus bühnentauglich (Buch und Gesangstexte: Don Black und Christopher Hampton): Der junge Anwalt Jonathan Harker reist nach Transsilvanien, da der Graf ein Grundstück in England erwerben möchte. Kaum sieht der Fürst der Finsternis ein Bildnis von Mina, Jonathans Verlobter, ist er ihr regelrecht verfallen. Im Nu sieht sich Harker einerseits der Verführung durch die im Haus lebenden Vampirbräute (eine großartig choreografierte Ensembleszene auf der raffiniert gebauten Stiege), andererseits der Bedrohung durch Dracula selbst gegenüber. Dessen Suche nach Mina in England gestaltet sich schaurig-blutig (wohl aber diesbezüglich immer mit einem Augenzwinkern versehen), bis es zum Aufeinandertreffen zwischen dem Grafen und seiner Angebeteten kommt – schlussendlich muss sich diese entscheiden, ob sie alle Brücken hinter sich abbricht oder doch in ihr gewohntes Leben zurückkehrt.

„Dracula – das Musical”: Foto: Nico Moser
„Dracula – das Musical”: Philipp Dietrich (Jonathan Harker), Nicole Klünsner, Noraleen Amhausend und Duygu Yüzbasiouglu (Vampirbräute) Foto: Nico Moser

Lisa Habermann (in der Premierenbesetzung) und Jan Ammann als innerlich zerrissene Mina und charismatisch-furchteinflößender Dracula sind ein fulminant aufeinander eingespieltes Duo, das die großen Emotionen zwischen ihren Charakteren glaubhaft verkörpert. Beide gleichermaßen ausdrucksstark in der Stimme, harmonieren der kraftvolle Bariton und die nuanciert singende Sopranistin einerseits großartig, transportieren aber auch die Ambivalenz ihrer Gefühle zueinander ausgesprochen nachvollziehbar.

Philipp Dietrich gibt einen ausgeglichenen, vernunftbetonten Jonathan, der sich plötzlich mit der Anwesenheit eines völlig unberechenbaren Kontrahenten gegenüber sieht. Munja Viktoria Meier überzeugt als selbstbewusste Lucy Westenra, die sich zwischen ihren Heiratskandidaten kaum entscheiden kann (mit viel Humor gespielt!), dennoch aber dem Grafen verfällt. Marius Bingel versucht als Professor Van Helsing dem Untoten Einhalt zu gebieten, gelangt aber bald an seine Grenzen. Stimmlich und darstellerisch grandios agieren die drei Vampirbräute Nicole Klünsner, Noraleen Amhausend und Duygu Yüzbasiouglu. Vincent van Gorp (Arthur Holmwood), Felix Heller (Dr. Jack Seward) und Thomas Schreier (Quincy Morris) liefern auch hier gemeinsam starke Ensembleszenen ab, wenn ihre Charaktere in den Kampf gegen die Vampir-Welt einsteigen. Matthias Trattner verkörpert den bedauernswerten Patienten Renfield, der mit Vorliebe Fliegen verspeist (herrlich gespielt) und sein Leben verliert, weil er sich auf Minas Seite schlägt.

Bildstarke Momente auf der Simultanbühne

Das Bühnenbild (Sam Madwar) spielt alle Stücke: Zwei einander zulaufende Stiegen samt Übergang bilden das Grundkonstrukt, dazu bietet ein verschiebbares Tor Möglichkeiten für diverse Auf- und Abtritte. Riesige Stoffbahnen dienen als Blickfang bei Szenen, die den Fokus auf einzelne Charaktere richten oder etwa auf dem Meer spielen, ebenso wie als farbiges Leuchtsignal, wenn es blutig wird. Die Bühne selbst wird auf sehr ausgeklügelte Weise bespielt, indem ein Vorhang den Raum zuweilen in zwei Hälften teilt und so eine parallele Ebene herstellt. Zusätzlich wird auch der Bühnenhintergrund separat sehr wirkungsvoll in Szene gesetzt, gleichsam als Erweiterung des klassischen Guckkastens. Insgesamt gelingen solcherart durchwegs großartige, bildstarke Momente.

„Dracula – das Musical”: Lisa Habermann (Mina), Jan Ammann (Graf Dracula) (Foto: Nico Moser)
„Dracula – das Musical”: Lisa Habermann (Mina), Jan Ammann (Graf Dracula) (Foto: Nico Moser)

Irina Hofer hat sämtliche Mitwirkende in historisierende Kostüme gewandet, allen voran den Grafen in einen rot-schwarzen Edel-Anzug (davor ist er noch mit weißgrauer Mähne und langem Mantel zu sehen), farblich dazu passend Mina in eine lange Abendrobe, die Vampirbräute hingegen verführen den ahnungslosen Jonathan in dünnen weißen, blutbefleckten Kleidern. Das herausragende, absolut stimmige Lichtdesign (Michael Grundner) samt temporär aufsteigenden Nebelschwaden verleiht dem ganzen Spektakel den letzten Schliff.

Die Uraufführung von „Dracula – das Musical“ fand übrigens im Oktober 2001 im La Jolla Playhouse in San Diego (USA), die deutschsprachige Erstaufführung folgte im April 2005 im Theater St. Gallen (Schweiz). Wer nun auch in den Genuss von großen Bühnenemotionen und Gänsehautfeeling pur kommen möchte, sollte sich die unten genannten Termine jetzt schon vormerken. Große Empfehlung für alle Fans von humoristisch angehauchten Vampir-Storys, die gerne in mitreißender Musik schwelgen!

Termine 2026:
02.02.–03.02.2026 Nürnberg (Meistersingerhalle)
07.02.–08.02.2026 Frankfurt (myticket Jahrhunderthalle)
13.02.–15.02.2026 Duisburg (Theater am Marientor)
20.02.–22.02.2026 Dresden (Messe)
26.02.–01.03.2026 Köln (Motorworld)
06.03.–08.03.2026 Bremen (Metropol-Theater)
12.03.–14.03.2026 Hannover (Theater am Aegi)
30.03.–02.04.2026 Stuttgart (Liederhalle, Hegel-Saal)
25.04.–26.04.2026 Graz (Helmut-List-Halle)
01.05.–07.06.2026 Berlin (Stage Bluemax Theater)

Nächste Spielsaison in Wien:
23.11.–28.11.2027 Museumsquartier, Halle E

Tickets bei www.eventim.de und www.oeticket.com

Weitere Informationen: showslot.com/dracula

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