Bronski & Grünberg: Antigone, Iphigenie und der Wunsch nach Freiheit

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Bronski & Grünberg-Theater: Julia Edtmeier (l.) und Aleksandra Corovic sind ab 1. Februar in „Anti_gone“ zu sehen. (Foto: Tim Hüning)

Das Bronski & Grünberg-Theater in der Müllnergasse 2 ist eine der spannendsten Neuentdeckungen in dieser Spielzeit. In seiner ersten Produktion des neuen Jahres werden ab 1. Februar gleich zwei antike Klassiker ins Jetzt gehievt: Antigone trifft auf Iphigenie – mit Live-Musik, Gesang und sehr viel Körpereinsatz.

Im Wartezimmer eines Therapeuten sitzt die gelangweilte Iphigenie. Mit dem Smartphone in der Hand und in Zeitschriften blätternd wartet sie auf ihre Mutter Klytämnestra. Wenig später betritt die unbändige Antigone den Warteraum und verwickelt die jugendlich-naive Iphigenie in therapeutische Rollenspiele. Durch ihr eigenes Spiel aufgewühlt, sucht sie immer wieder Sicherheit im Rauchen einer Zigarette – doch Tabakkonsum ist hier nicht gestattet.

Fragen werden aufgeworfen: Was ist das Geheimnis des Menschen, wenn alles über ihn bekannt gemacht wird? Was bleibt übrig, wenn Informationen über alles und jeden verfügbar werden? Ist die totale Überwachung das Ende der menschlichen Geschichte? Ist die globale Vernetzung und Datenspeicherung das Ende des freien Willens? Ist das Bestreben nach totaler Sicherheit das Ende unserer Handlungshoheit? Wie kann man seinen ganz privaten, eigenen Raum noch behaupten, wenn man von allen Seiten zur Definition seiner selbst gezwungen wird?

Für Antigone ist die Seele der Ursprung allen Widerstandes. Die Seele zu schützen, ist Aufgabe jedes Menschen – tut er es nicht, setzt er sich der Gefahr aus, eine Nummer in einer Masse von Nummern zu sein.

Steve Schmidt inszeniert nach Text und Konzept von Aristoteles Chaitidis, Aleksandra Corovic und Julia Edtmeier spielen Antigone bzw. Iphigenie. In weiteren Rollen wirken Jan Walter als Wächter und Alfred Pschill als Klytämnestra mit.

„Anti_gone“ hat am 1. Februar im Bronski & Grünberg-Theater (9., Müllnergasse 2) Premiere (Beginn: 19.30 Uhr), weitere Vorstellungen finden am 2./ 9./ 10./ 15./ 16./ 17. Februar  sowie am 14./ 15./ 16. März statt.

Weitere Informationen: www.bronski-gruenberg.at

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