
„Agathe Bauer“, ein politisches Konzerttheaterstück über Macht, Meinung und Mitsprache für junges Publikum, feiert als Produktion von Theater ANSICHT im Rahmen von Junge Theater Wien am 16. April in der VHS Großfeldsiedlung seine Uraufführung.
Auf der Bühne lesen fünf Sängerinnen aus dem Tagebuch von „Agathe Bauer“ und begegnen darin Situationen aus dem Alltag, die irritieren, nachhallen und nicht unkommentiert bleiben sollten. Diese Momente werden zu Songs, die zum Mitsingen und Mittanzen, zum Mitdenken und Mitfühlen einladen.
Julia Meinx und Flo Staffelmayr zeichnen für Regie, Text und Musik von „Agathe Bauer“ verantwortlich. Mit beiden habe ich mich via E-Mail über Wortspiele, die Möglichkeiten, bei Jugendlichen politisches Interesse zu wecken, und Partizipation im Theater unterhalten.
„Agathe Bauer“ klingt nach einem Allerweltsnamen, tatsächlich verbirgt sich aber ein Wortspiel dahinter. Wer ist denn eigentlich Agathe Bauer?
Julia Meinx und Flo Staffelmayr: Agathe Bauer ist eine frei erfundene Figur, die sich aber auf ein bekanntes Missverständnis, auf ein Falsch-Verstehen bezieht. 1990 brachten Snap! den Song „The Power“ heraus, und dessen Refrain kann man auf Deutsch als Agathe Bauer missdeuten. Wir verstehen Agathe Bauer als faszinierendes Spiel mit Doppeldeutigkeiten und versteckten Interpretationen. Was ist wahr und was nicht? Habe ich das gerade wirklich gehört? Kann das sein? Für uns ist dieses Projekt ein deutliches Zeichen gegen die politischen Verführungen, die einfache Lösungen propagieren und dabei sowohl künstlerische Freiheit, als auch Diversität gefährden. Die Protagonistin erhebt sich und wehrt sich gegen diese Vereinfachungen.

Das Stück ist ein Statement für Zivilcourage und soll ermutigen, Position zu beziehen und sich seiner gesellschaftlichen Verantwortung bewusst zu werden. Wie kann das mit den Mitteln des Theaters erreicht werden, vor allem bei einer jungen Zielgruppe?
Theater ANSICHT macht seit vielen Jahren politisches Theater für junge Menschen. Dabei haben wir festgestellt, dass Kinder und Jugendliche sehr interessiert sind an gesellschaftspolitischen Fragestellungen, dass es aber wenig Möglichkeiten gibt, dies zu diskutieren oder propagierte Meinungen zu hinterfragen. Wir wollen Jugendliche darin bestärken sich auszudrücken und aktiv zu werden. Musik, Theater, Sprache, Performance und Kunst im Allgemeinen kann uns emotional berühren und dadurch zu Größerem inspirieren. Unser Ziel ist es, ein cooles Event für Jugendliche zu schaffen, das ihr politisches Interesse weckt und sie dazu ermutigt, sich demokratiepolitisch zu engagieren. Mit wachsendem Unbehagen beobachten wir politischen Entwicklungen, gesellschaftliche Radikalisierungen und die budgetären Einschränkungen. Kunst soll inspirieren und Menschen wachrütteln, damit unsere Gesellschaft vielfältig bleibt. So ist die Idee zu Agathe Bauer entstanden.
Das Publikum wird bei „Agathe Bauer“ ausdrücklich zur Interaktion eingeladen. Was erwartet die Zusehenden bzw. was erwartet Ihr Euch vom Publikum?
Bei all unseren Stücken versuchen wir das Publikum direkt zu involvieren, zu ermutigen mitzumachen, Teil von etwas zu werden. Dies scheint uns ein geeignetes Mittel, um Situationen für junge Menschen tatsächlich erlebbar zu machen, um einen Denkprozess auszulösen.
Fünf Sängerinnen lesen und singen aus Agathes Tagebuch. Warum wurde die Rolle so vielfältig besetzt?
Zivilcourage geht uns alle etwas an und steht im klaren Widerspruch zum Mitläufertum. Wir können alle Agathe sein, die ihre Stimme erhebt, die sich traut ihre Meinung offen auszusprechen. Aus diesem Grund wollten wir die zentrale Figur nicht auf eine Person reduzieren, sondern vielmehr mehrere Facetten ihrer Persönlichkeit zeigen.

Wann, wo und mit welcher Intention wurde Theater Ansicht gegründet?
Die Idee hinter Theater ANSICHT ist es, philosophische Gedanken, gesellschaftliche Themen und politische Fragestellungen aufzugreifen und erlebbar zu machen. Dies passiert über Theaterstücke, Musik, Spielformate oder in Workshops , die den Dialog und das kritische Denken fördern.
Die Produktion wird für alle ab 14 Jahren empfohlen.
„Agathe Bauer“: Zu sehen an insgesamt zehn Terminen in allen fünf Junge Theater Wien-Bezirken.
Weitere Termine, Informationen und Tickets: jungetheaterwien.at/agathebauer bzw. theateransicht.at