
Portraittheater feiert 20 Jahre! Zum Jubiläum setzt das Wiener Ensemble rund um Anita Zieher und Margit Mezgolich die Uraufführung „Das hat doch eine Frau erfunden!“ in Szene und rückt damit die oft übersehenen Erfinderinnen hinter bahnbrechenden Innovationen ins Rampenlicht.
Premiere ist am 28. September 2026 an der TU Wien.
Im Stück stehen Pionierinnen wie Ada Lovelace, Mária Telkes und Josephine Cochrane im Fokus – und damit Frauen, deren Erfindungen von Computertechnologie über Solarenergie bis hin zu arbeitserleichternden Alltagshelfern reichen.
Anlässlich der Premiere habe ich mich mit Anita Zieher, Autorin, Schauspielerin und Gründerin von portraittheater, via E-Mail über weibliche Erfindungskraft, geschichtliche Narrative und wie wichtig es ist, hartnäckig zu bleiben, unterhalten.
Wer heute einen Geschirrspüler einschaltet, wird sich kaum damit befasst haben, von wem und unter welchen Umständen dieses Gerät erfunden wurde. Wahrscheinlich geht es vielen Pionierinnen und Zeitgenossinnen von Josephine Cochrane so, deren Name einer breiten Öffentlichkeit kaum bekannt ist? Anita Zieher: Tatsächlich wissen wir viel zu wenig über die Leistungen von Frauen in der Technikgeschichte. Es war bei den Recherchen spannend herauszufinden, wie viele Dinge, die wir im Alltag benützen, von Frauen erfunden wurden, etwa die Sitzheizung, die Straßenkehrmaschine oder die Papierwindel.
Natürlich wissen wir auch von vielen anderen Alltagsgegenständen nicht, wer sie erfunden hat, aber was sich jedenfalls sagen lässt: Die Technikgeschichte muss neu geschrieben werden, um die Beiträge von Frauen sichtbarer zu machen. Die Recherche am neuen Stück war jedenfalls sehr spannend. Margit Mezgolich, die nicht nur Regie, sondern auch Dramaturgie bei diesem Stück macht, und ich sind vor der Herausforderung gestanden, aus der Vielzahl an beeindruckenden Erfinderinnen ein paar auszuwählen.
Warum wurde weibliche Erfindungskraft oftmals übersehen?
Frauen hatten früher kaum Zugang zu Bildung, sie durften keine Ausbildung machen, keinen Beruf ausüben. Dazu kam, dass Frauen lange Zeit kein Eigentum besitzen durften und deshalb auch kein Patent anmelden konnten. Umso erstaunlicher ist es wie viele Frauen trotz dieser Hürden etwas erfunden haben. Darüber hinaus stellt sich natürlich immer die Frage, wer geschichtliche Narrative bestimmt, und da wurden Frauen in der Geschichte oft ignoriert oder sogar gelöscht.
Was vereint diese Pionierinnen von damals?
Diese Frauen haben ein Problem im Alltag oder in ihrem Arbeitsbereich erkannt und versucht, eine Lösung zu finden. Dafür haben sie viel Zeit, viel Arbeit und teilweise sogar viel Geld in die Entwicklung von Prototypen der Erfindung investiert. Bewundernswert ist, wie hartnäckig sie drangeblieben sind, bis sie schließlich eine funktionierende, praktische Lösung gefunden haben.
Mit welchem Anspruch wurde portraittheater gegründet, was war die Idee dahinter?
Ich habe vor 20 Jahren die Idee gehabt, ein Stück über die Philosophin Hannah Arendt zu machen. Ich wollte nicht nur eine Lesung zu ihrem 100. Geburtstag machen, sondern sie mit Originalzitaten als Figur dem Publikum näher bringen. Deshalb habe ich die Regisseurin Brigitte Pointner gefragt, ob sie Lust hätte, ein Stück mit mir zu entwickeln. Wir haben dann noch die Musikerin Margarethe Herbert an Bord geholt und schließlich portraittheater gegründet.
Wir wollten sowohl wichtige Ereignisse und Entwicklungen im Leben der historischen Frauen auf die Bühne bringen als auch ihre Arbeit vorstellen. Bei Biopics ist es ja oft so, dass der Schwerpunkt sehr auf private Storys gelegt wird. Uns war wichtig, dass man hinterher weiß, womit sich diese Frauen beschäftigt haben. Von Anfang an war klar, dass wir mit Quellen arbeiten und uns wissenschaftlich beraten lassen. Unser Stück über Hannah Arendt ist damals so gut angekommen, dass wir gleich beschlossen haben, das nächste zu machen. Ich habe in den 20 Jahren mit den Regisseurinnen Brigitte Pointner, Sandra Schüddekopf und Margit Mezgolich zusammengearbeitet, großteils haben wir die Stücke gemeinsam geschrieben. Jedes Stück von portraittheater ist anders gebaut, um jeder Frau und den jeweiligen Themen neu zu begegnen.
Portraittheater produziert biografische Stücke über Frauen, die in der Kultur, Wissenschaft oder Politik herausragende Leistungen auf ihrem Gebiet vollbracht haben. Wie wählen Sie die betreffenden Persönlichkeiten aus? Und welche hat Sie ganz besonders inspiriert?
Es ist mir wichtig Frauen zu porträtieren, deren Leben und Werk innovativ, relevant und auch heute noch inspirierend ist. Manchmal kommen auch Institutionen auf portraittheater zu, mit der Idee für einen Stückauftrag. Im Laufe der Jahre sind dadurch viele schöne Kooperationen entstanden. Mit dem Theater Drachengasse arbeite ich schon seit 17 Jahren zusammen, auch mit der TU Wien gibt es schon eine sehr lange Zusammenarbeit.
Ich habe von jeder einzelnen Frau, die ich gespielt habe, viel gelernt, von jeder etwas für mein Leben mitgenommen. Es hilft mir manchmal, wenn ich an die die Hartnäckigkeit von Käthe Leichter (Sozialwissenschafterin und Widerstandskämpferin, Anm.), die Resilienz von Margarethe Ottillinger (Wirtschaftswissenschafterin und ÖMV-Vorstandsdirektorin, Anm.) oder den Mut von Maria Emhart (Widerstandskämpferin und Politikerin, Anm.) denke, mit Herausforderungen in meinem Leben besser umzugehen. Beim aktuellen Stück staune ich vor allem über die Kreativität und Begabung der Erfinderinnen und denke mir immer wieder: Wow, so vieles haben Frauen erfunden!

Portraittheater mit „Das hat doch eine Frau erfunden!“:
Premiere: 28. September 2026, TU Wien, eine Zusatzvorstellung findet tags darauf statt, Beginn: 17:30 Uhr.
Aufführungsserie: 10. bis 28. November 2026, Theater Drachengasse (Bar & Co), Beginn: 20 Uhr.
Weitere Informationen: www.portraittheater.net
www.drachengasse.at