Wachaufestspiele Weißenkirchen: Drei Tenöre, viele Türen und ein Teddybär

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Tenöre unter sich: Stephan Paryla-Raky als Tito Merelli (l.), Ben Marecek als Carlo Nucci und Michael Duregger als Max mit Gerhard Dorfer als Impresario Henry Saunders (Foto: Rolf Bock)

Sommertheater vom Feinsten – eine meisterhafte Komödie aus der Feder Ken Ludwigs, in Szene gesetzt im romantischen Ambiente des Teisenhoferhofs in Weißenkirchen in der Wachau – präsentiert Marcus Strahl im 14. Jahr seiner Intendanz.

Die österreichische Erstaufführung von „Das Geheimnis der drei Tenöre” ist mehr als gelungen und schließt da an, wo Ludwigs Erfolgsstück „Otello darf nicht platzen” aufhört: Max ist inzwischen der Schwiegersohn des Impresarios Henry Saunders, sieht baldigen Vaterfreuden entgegen und hat sich zu einem ernstzunehmenden Tenor gemausert.

Schauplatz ist wiederum eine elegante Hotelsuite, die zum Treffpunkt für alle Beteiligten wird – dieses Mal im Pariser Faubourg Ritz, das Teil des Olympiastadions ist, in dem ein Konzert der drei Tenöre planmäßig über die Bühne gehen soll. Und wieder ist es Tito Merelli, italienischer Startenor, der mit seiner heißblütigen Gattin Maria anreist, und für Aufruhr am laufenden Band sorgt.

Deren Tochter Mimi, ihres Zeichens mit dem aufstrebenden Tenor Carlo Nucci verbandelt, ist auch nicht gerade unbeteiligt an dem Tohuwabohu, das durch eine Verkettung von Missverständnissen und Verwechslungen entfacht wird. Das geplante – ausverkaufte – Konzert scheint schon ins Wasser zu fallen, zudem ist Merellis sensible Künstlerseele ohnedies schon überstrapaziert, da Carlo Nucci niemand Geringerer als der Top-Rivale des Startenors ist. Als auch noch die russische Starsopranistin Tatiana auf der Bildfläche erscheint, ist das Chaos perfekt, vor allem als dann auch noch Beppo, der Hotelpage, in Erscheinung tritt: Beppo sieht Merelli nicht nur zum Verwechseln ähnlich, sondern besitzt auch noch eine imposante Singstimme…

Soffi Schweighofer (Mimi Merelli) und Ben Marecek (Carlo Nucci) (Foto: Rolf Bock)

Regisseur Marcus Strahl setzt in seiner Inszenierung und Bearbeitung (deutschsprachige Fassung: Maria Harpner/Anatol Preissler) auf Präzision und Tempo gleichermaßen und erzielt mit punktgenau platzierten Details eine bemerkenswerte Wirkung auf der Bühne: Herrlich anzusehen ist die Szene, in der sich Michael Duregger als Assistent Max geschmeidig verrenkt, um das Glas des trinkfreudigen Merelli quasi handstreichartig im Vorbeigehen zu leeren oder wie sich Page Beppo (sensationell in einer Doppelrolle: Stefan Paryla-Raky) an den erlesenen Buffetspezialitäten wie Rindszunge, Oliven und Co. delektiert. Ebenso wird ein Teddybär, der auf dem Telefon in der Hotelsuite sitzt, gekonnt ins Geschehen integriert.

Wie perfekt das Timing funktioniert, lässt sich nicht nur daran erkennen, wie Stephan Paryla-Raky blitzschnell als Merelli hinter einer Tür verschwindet, um nur wenige Augenblicke später durch die andere als Beppo wieder die Szene zu betreten. Paryla-Rakys Darstellung des aufbrausenden Startenors einerseits und des gewitzten Hotelpagen andererseits ist eine Meisterleistung für sich. Aber auch die anderen beiden Sänger-Mimen zeigen großes komödiantisches Talent: Michael Duregger muss als Troubleshooter Max Nervenstärke mit Körpereinsatz beweisen, und Ben Marecek ist als Merellis Rivale kaum vor dessen Attacken sicher. Großartig sind alle drei bei der lippensynchronen Interpretation (musikalische Leitung und Einstudierung: Elena Gertcheva) der Opern-Arien aus der „Konserve”.

Als strenger Impresario Saunders, der die Situation stets im Griff hat, imponiert Gerhard Dorfer. Leila Strahl glänzt als leidenschaftliche Tenorsgattin und italienische „Mamma”, der die Familie über alles geht, Eva-Christina Binder mimt bravourös die russische Starsopranistin Tatiana mit Hang zum Dramatischen. Soffi Schweighofer gefällt als junge Mimi, die mit ihrem Liebsten sogar ein ums andere Mal im Kleiderschrank verschwinden muss, wenn die Lage allzu brenzlig wird.

Martin Gesslbauer hat eine stilvolle Hotelsuite mit vielen Türen auf der Bühne im Teisenhoferhof eingerichtet, Christine Zauchingers geschmackvolle Kostüme sorgen für elegantes Flair.

Eva-Christina Binder (Tatiana Racón), Leila Strahl (Maria Merelli) (Foto: Rolf Bock)

Mit welch grandiosem Trick es Regisseur Marcus Strahl gelingt, auch den vierten Tenor auf der Bühne erscheinen zu lassen, wird an dieser Stelle nicht verraten. Ein schwungvolles Finale mit einem Szenendurchlauf in Zeitraffer rundet den überaus gelungenen Abend ab. Ein spritziger Kulturgenuss in reizvollem Ambiente – sehr sehenswert!

Wachaufestspiele in Weißenkirchen: „Das Geheimnis der drei Tenöre”, zu sehen jeweils freitag und samstags (Beginn: 20 Uhr), sowie sonntags (Beginn: 16 bzw. 20 Uhr) bis 25. August.

Weitere Informationen: www.wachaufestspiele.com

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