Köstlich-komisches Chaos-Rendezvous: „Wer heiratet schon freiwillig?“ im Theater Center Forum

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„Wer heiratet schon freiwillig?“: Ingo Paulick, Beate Gramer, Leila Müller (Foto: Rolf Bock)

„Wer heiratet schon freiwillig?“ nennt sich die turbulente Komödie des Stuttgarter Autors Gerry Jansen (Jahrgang 1965), die Regisseur Erich Martin Wolf als Produktion seiner Österreichischen Theatergemeinde auf der Bühne des Theater Center Forum in Szene gesetzt hat. Jansen mixt in seinem Stück die bewährten Ingredienzen dieses Genre – junges Paar in spe hofft auf romantische Annäherung, die aber nicht so wirklich klappen will, weil störende Kräfte dagegen wirken – auf ungemein unterhaltsame Weise, und heraus kommt ein Feuerwerk an absurd-komischen und zum Tränenlachen animierenden Situationen, die das Publikum auf Trab halten.

Tim, ein begabter Violinist, freut sich auf ein Tête-à-tête mit einer ihm unbekannten jungen Frau, die eine Heiratsannonce aufgegeben hat. Die Vorbereitungen in seinem Ferienhaus sind alle getroffen, als plötzlich Tims Orchesterleiter Bernhard samt seiner Freundin Karin bei der Tür hereinschneit. Beide sind wild entschlossen zu bleiben, und wäre dem nicht schon genug, erscheint plötzlich ein arbeitswütiger Installateur auf der Bildfläche – Tims Verabredung mit seiner Verlobten in spe scheint somit in weite Ferne zu rücken. Ab da reiht sich ein Missverständnis an das nächste, unvorhersehbare Allianzen werden geschmiedet, und weibliche Solidarität setzt dem Chaos die Krone auf…

„Wer heiratet schon freiwillig?“: Adrian Kraege, Ingo Paulick, Michael Mischinsky (Foto: Rolf Bock)

Das fünfköpfige Ensemble zieht unter Erich Martin Wolfs temporeicher, aber auch präziser Regie alle Register seines Könnens. Das Timing passt perfekt, wenn die Türen des behaglichen Wohnzimmers auf der Bühne blitzschnell auf und zu gehen.

Ingo Paulick agiert sehenswert als ordnungsliebender Tim am Rande des Nervenzusammenbruchs, wenn er – anstatt in den Genuss süßer Zweisamkeit zu kommen – sich anbahnende Katastrophen im zwischenmenschlichen Bereich zu verhindern sucht, dafür aber noch weiter in den Strudel der Ereignisse hineingezogen wird. Ein kongeniales Duo verkörpern Beate Gramer und Michael Mischinsky als streitlustiges Paar Karin und Bernhard. Mischinsky mimt den selbstgefälligen Maestro mit Macho-Manieren einfach grandios, Gramer wiederum gibt ihm als seine selbstbewusste Freundin auf sarkastische Weise ordentlich Kontra. Leila Müller beeindruckt als Natascha, Tims bis dato unbekannte Herzdame, mit überzeugendem osteuropäischen Akzent, die sich von der Männerwelt nicht auf den Arm nehmen lässt. Adrian Kraege heizt als übereifriger, stotternder und herrlich tollpatschiger Installateur, der auch Hochprozentigem nicht abgeneigt ist, das Geschehen weiter an und taucht justament in den unpassendsten Momenten auf.

Bühnenbildner Siegbert Zivny hat ein komfortables Wohnzimmer mit vielen Türen und einer musikalischen Note konstruiert, Barbara Langbein die Kostüme, perfekt zu den Charakteren passend, entworfen.

Wer wissen möchte, welche haarsträubenden Situationen das Quintett noch meistern muss, warum ein Einbruch für Ablenkung sorgen soll und ob Tim am Ende tatsächlich seine Herzdame in die Arme schließen darf – dem sei ein Besuch im Theater Center Forum wärmstens ans Herz gelegt.

Gespielt wird bis 28. April im Theater Center Forum (9., Porzellangasse 50), Beginn: jeweils 19.30 Uhr.

Weitere Informationen: www.theatercenterforum.com

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