„Die Drei von der Zweigstelle“: Virtuoses Pointen-Ping-Pong im Theater Center Forum

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Üben sich in gegenseitigen Schuldzuweisungen, wer das Geld verspekuliert haben könnte: Oliver Hebeler als Filialleiter und Eva Christina Binder als seine Stellvertreterin (Foto: Oliver Hebeler)

Ein Thema, bei dem einem das Lachen im Hals stecken bleiben könnte: Schon wieder ist eine Bank pleite!

Und zwar die kleine Filiale der Ring-Bank in Maria Leiten, deren ganzes Geld verspekuliert wurde. Aber von wem? In Frage kommen nur: der Filialleiter, Franz Terczek, sowie seine Stellvertreterin, Mag. Klara Oswald.

Zwischen beiden entspinnen sich heftige Wortgefechte, eine Schuldzuweisung jagt die andere. Die Ausgangssituation der Burleske „Die Drei von der Zweigstelle“ von Joesi Prokopetz und Fritz Schindlecker, die derzeit als Uraufführung im Theater Center Forum auf dem Spielplan steht, spiegelt die Nachrichtenlage der Finanzwelt der letzten Jahre wider.

Ein mysteriöser schwarzer Koffer kommt ins Spiel

Terczek und Oswald könnten unterschiedlicher nicht sein: er ein ehemaliger Banklehrling, der sich zielstrebig zum Zweigstellenleiter emporgearbeitet hat, sie eine besserwisserische Wirtschaftsakademikerin, die großen Wert auf die gegenderte Version ihres akademischen Titels legt. Zu den beiden gesellt sich die ungarische Reinigungskraft Jonia Belushi, die die Nerven ihrer Kollegen mit allerlei Sinnsprüchen aus ihrer Heimat über Gebühr strapaziert.

Guter Rat ist nun teuer, wenn es gilt, die Kunden, die ihr Geld abheben wollen, mit wohlüberlegten Ausreden abzufertigen. Die Lage spitzt sich zu, als ein schwarzer Koffer ins Spiel kommt, und ab da werden die Karten neu gemischt…

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Doris P. Kofler (mit Oliver Hebeler) als Nagelstudio-Besitzerin Nancy Hinterkerner, die zum Gefallen der Bankmitarbeiter Geld nicht abheben, sondern einzahlen möchte. (Foto: Oliver Hebeler)

Prokopetz und Schindlecker servieren dem Publikum messerscharf geschliffene Pointen, die vom Ensemble fabelhaft umgesetzt werden. Regisseur Oliver Hebeler, der auch den Filialleiter verkörpert, setzt auf flotte Wortduelle das Timing sitzt perfekt, und die Spielfreude ist allen vier Mitwirkenden deutlich anzumerken.

Hebeler mimt mit sehr viel Witz einen chaotisch-überforderten Filialleiter, der sich offenkundig weder mit Zahlen noch mit Fremdwörtern besonders gut auskennt. Für viele Lacher sorgt die Szene, in der die Besitzerin eines Nagelstudios eine Summe auf ihr Konto überweisen möchte, und Terczek zwecks Addition der Beträge den Abakus auf seinem Schreibtisch heranzieht.

Die Pointen fliegen hin und her

Eva Christina Binder stellt eine toughe, schlagfertige Bankangestellte dar, die ihren Chef nur allzu gerne kompromittiert, um ihm ihre akademische Überlegenheit beweisen zu können. Binder und Hebeler sind virtuos aufeinander eingespielt, und die Pointen fliegen hin und her.

Alle Facetten ihres komödiantischen Talents darf Doris P. Kofler ausspielen: Als oben erwähnte ungarische Putzfrau (einmal im Wildkatzen-Look, ein anderes Mal im bunten Dschungel-Outfit), als Nagelstudio-Besitzerin, die „Nails mit Köpfchen“ macht, als Polizistin, die bei ihren Amtshandlungen oftmals mit dem Amtsdeutsch in Konflikt gerät, sowie als eifersüchtige Frau Terczek alle Figuren sind grundverschieden, werden aber gleichermaßen vergnüglich mit Leben erfüllt.

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Victor Weiss fegt als Rächer der Enterbten über die Bühne. (Foto: Oliver Hebeler)

Auch Victor Weiss schlüpft gleich in mehrere Rollen und glänzt als entrückter Historiker in Geldnöten, als aufgebrachter Stammkunde, der sich in breitem steirischen Dialekt echauffiert, sowie als Pfarrer, der sich über einen Geldsegen für eine neue Orgel (Vetternwirtschaft!) freuen darf. Auch als Rächer der Enterbten fegt Weiss über die Bühne und hat die Lacher auf seiner Seite.

Die kleine Bühne des Theater Center Forums II wurde bis ins Detail liebevoll gestaltet, auch die Requisiten von Doris P. Kofler, die ebenso für die Kostüme verantwortlich zeichnet, ziehen die Blicke auf sich: Dreierlei Erfrischungsgetränke, eines davon in ungesund anmutendem Blau, stehen auf dem Tisch der Wirtschafts-Magistra, die mit einer rosafarbenen Tragtasche einer Konditoreikette das Geschehen betritt.

Wer die gelungene Inszenierung noch sehen möchte, sollte sich beeilen: „Die Drei von der Zweigstelle“ wird nur mehr bis 25. Mai im Theater Center Forum, Porzellangasse 50, gespielt (Beginn: 20 Uhr).

Weitere Informationen: www.theatercenterforum.com

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