„Party für eine Leiche“ im Theater Center Forum: Krimi-Spannung als raffiniertes Katz-und-Maus-Spiel

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„Party für eine Leiche“ mit exzellentem Ensemble im Theater Center Forum (v. l.): Beate Gramer, Andrea Nitsche, Michael Mischinsky, Kerstin Raunig, Anna Dangel, Thomas Bauer und Tobias Reinthaller (Foto: Richard Cieslar)

Mit einer schwarz-weiß-schaurigen Filmsequenz startet Patrick Hamiltons Kriminalstück „Party für eine Leiche“ („Rope“) auf der Bühne des Theater Center Forums: Die junge Studentin Eva (Leonie Reiss) wird in der Wohnung zweier Kommilitoninnen kaltblütig mit einem Strick erdrosselt. Johanna und Charlotte haben aus Lust am – vermeintlich – perfekten Mord das Verbrechen gemeinschaftlich geplant, erstere als ausführende und treibende Kraft, die zweitgenannte als nervenschwache Komplizin.

Eiskalt und berechnend wird das Mordopfer in einer Truhe abgelegt, die fortan als Tischersatz dient. Die beiden Studentinnen haben Freunde zu einer Party geladen und dazu auch den Vater der jungen Eva, Professor Paulsen, dessen Interesse auf Johannas geerbte Bibliothek gelenkt wird. Während des gemütlichen Beisammenseins erfährt dieser vom Verschwinden seiner Tochter, und von jenem Moment an fokussiert sich das Augenmerk der Gäste auf die geräumige Truhe, die – eher ungewöhnlich – mitten im Wohnzimmer der beiden Gastgeberinnen steht.

Krimi-Spannung mit Echtzeit-Charakter

Spannungsgeladen hat Erich Martin Wolf Hamiltons Thriller aus dem Jahr 1929 (der knapp 20 Jahre später von Alfred Hitchcock unter dem gleich lautenden Titel „Rope“, dt. „Cocktail für eine Leiche“, verfilmt wurde) mit einem exzellenten Ensemble inszeniert. Beate Gramer verleiht ihrer Figur gespenstisch eiskalte Züge, ihre Johanna hält das verübte Verbrechen schon aus Hochmut heraus für unaufklärbar. Andrea Nitsches rastlos-aufgewühlte Charlotte wiederum bildet den Gegenpol zu ihrer Freundin: Schnell machen sich bei ihr Gewissensbisse breit, und sie flieht in den Alkohol, allerdings wohl weniger aus Reue, sondern eher aus Angst, als Teil des Täterinnen-Duos aufzufliegen.

Noch wähnt sich das mörderische Duo Johanna (Beate Gramer, l.) und Charlotte (Andrea Nitsche) in Sicherheit. (Foto: Richard Cieslar)

Kerstin Raunig und Anna Dangel setzen als Freundinnen der Gastgeberin einen heiteren Kontrapunkt zu den beiden anderen Damen: Erstere sorgt als gutgelaunte Leila für vergnügliche Momente während der Party, ebenso Dangel als treuherzige Vera, deren Interesse für die Truhe spürbar wächst. Michael Mischinsky gibt gekonnt den nichtsahnenden Vater des Opfers, den Johannas Bibliothek fasziniert, der jedoch in Sorge umschwenkt, als er vom Verschwinden seiner Tochter telefonisch informiert wird.

Grandios mimt Tobias Reinthaller den Jung-Autor Tobias, der bald Lunte riecht: Sehr packend gestaltet sich der Dialog mit Gastgeberin Johanna über die Truhe, und kurzerhand entwickelt sich ein raffiniertes Katz-und-Maus-Spiel mit psychologisierenden Untertönen zwischen den beiden. Feine Akzente setzt Thomas Bauer als nobel zurückhaltender Butler Sebastian, der sich keinen Reim auf die Truhe und den fehlenden Tisch machen kann.

Regisseur Erich Martin Wolf hat die Handlung in Hamburg angesetzt und aus den beiden ursprünglich männlichen Tätern Frauenrollen gestaltet. Dramaturgisch bemerkenswert: Zusätzliche Spannung erhält das Stück durch seinen Echtzeit-Charakter, die Spielzeit entspricht praktisch der gespielten Zeit. Die eleganten Kostüme (Barbara Langbein) und das stilvolle Wohnzimmer-Interieur auf der Bühne (Siegbert Zivny) lassen meisterhaft ein 50er-Jahre-Ambiente entstehen.

Freunde kultivierter Krimi-Spannung sollten diese Produktion keinesfalls versäumen!

Gespielt wird bis 8. April sowie von 19. bis 29. April (täglich außer sonntags und montags), Beginn: jeweils 19.30 Uhr.

Weitere Informationen: www.theatercenterforum.com

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