„Butterbrot“ im Theater Center Forum: Das weite Land männlicher Innenwelten

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„Butterbrot“: Männer-WG in der Bredouille – Rudi Larsen (l.), Felix Kurmayer, Marcus Strahl (Foto: Rolf Bock)

Das weite Land männlicher Innenwelten analysiert Gabriel Barylli in seiner Erfolgskomödie „Butterbrot“ auf höchst geistreiche Art und Weise, mit viel Humor und einer perfekten Mischung aus Leichtigkeit und Tiefgang. Vor 20 Jahren wurde das Stück im Theater beim Auersperg gespielt, und mit der selben Besetzung von damals, unter der ausgeklügelten Regie von Martin Gesslbauer, ist es jetzt im Theater Center Forum als Produktion der Neuen Bühne Wien zu sehen.

Ein geselliges Abendessen hätte es werden sollen, mit Stefan, Martin, Peter und dessen Frau Lilli. Doch Peter allein platzt in die Wohnung der Freunde – er hatte einen heftigen Streit mit seiner Frau, noch dazu an seinem Geburtstag. So ganz genau hat es Peter mit der ehelichen Treue nicht genommen, doch nun hat auch Lilli ihn betrogen – eine unhaltbare Situation für Peter. Da er nicht mehr zu Hause wohnen kann, zieht er kurzerhand bei Stefan und Martin ein, und im Nu hat sich eine eingeschworene Drei-Männer-WG gebildet. Alles geht so lange gut, bis Martin zarte Bande mit einer jungen Frau knüpft und sein Beziehungsleben hinterfragt. Auf einmal steht die gute Stimmung auf der Kippe, und das freundschaftliche Gefüge droht zu zerbröckeln…

Fernab von Pathos und jeglichen Stereotypen hat Regisseur Martin Gesslbauer sämtliche Nuancen der drei Charaktere mit seinem grandiosen Schauspieler-Trio herausgearbeitet. Stefan, der Schauspieler mit Hang zur profunden Analyse, verkörpert von Marcus Strahl, bemüht sich um Wahrhaftigkeit in seinem Beruf und muss sich stattdessen mit ignorantem Theaterpublikum herumschlagen. Felix Kurmayer mimt den sanftmütigen Architekten Martin, der auch nach einigen Fehlversuchen noch bereit ist, sich Hals über Kopf fest zu binden, was wiederum der abgeklärte Stefan nicht verstehen kann, für den Martins Entscheidung viel zu schnell vonstatten geht. Und außerdem: Wozu sei denn eine Hochzeit überhaupt notwendig? Rudi Larsens Peter, ein Schuhverkäufer, ist ein Machotyp mit prahlerischem Gehabe, der den Freunden einredet, dass er nun ein freier Mann sei und in Wirklichkeit das genaue Gegenteil davon ist.

Die vielen stimmigen Details der Inszenierung machen das Stück so sehenswert, das von Gesslbauer mit vielen Pointen ins Heute transferiert wurde und keinerlei Patina zeigt. Großartig: die Einstiegsszene, in der Marcus Strahl in „bratort“-Schürze und mit Dyson-Staubsauger das stylishe Wohnzimmer durchpflügt (und dabei wütend auf Martin ist, der die Hausarbeit auf Stefan abgewälzt hat). Auch die nonverbale Kommunikation gelingt eindrucksvoll – die Blicke, die vornehmlich Stefan seinem Mitbewohner Martin zuwirft, verfehlen ihre Wirkung nicht.

Martin Gesslbauers Bühnenbild ist sehr reduziert, wenige Möbelstücke reichen aus und sorgen für eine kühle Ästhetik im Wohn-Esszimmer, unterschiedliche Lichstimmungen tauchen die Bühnenrückwand in geschmackvolle Farben. Fazit: Eine Inszenierung, die unglaublich viel Freude bereitet und darüber hinaus auch zum Nachdenken anregt.

Gespielt wird bis 3. März (täglich außer sonntags und montags) im Theater Center Forum (9., Porzellangasse 50), Beginn: jeweils 19.30 Uhr. Achtung: Karten sind nur noch für die Vorstellung am 1. März verfügbar! Wegen des großen Erfolges ist eine Wiederaufnahme der Produktion von 6. November bis 1. Dezember angesetzt. Kartenreservierungen sind ab 1. Juli möglich!

Weitere Informationen: www.theatercenterforum.com bzw. www.nbw.at

6 Kommentare

  1. Danke für Die wunderbare Kritik! Es hat mir beziehungsweise uns sehr sehr großen Spaß gemacht und macht es noch immer! Liebe Grüße und auf ein baldiges Wiiedersehen Rudi Larsen

    1. Danke für das wertschätzende Feedback! Ich wünsche Ihnen und Ihren Kollegen noch eine schöne Spielzeit im TCF und auf Tournee! Liebe Grüße, Anja Schmidt

    1. Und wie er lebt!
      Danke an den Autor für ein zeitloses Stück voll von Lebensfreude, Poesie und Klugheit!
      Danke an Anja Schmidt für die Wertschätzung kleiner Bühnen-keine Selbstverständlichkeit heute !

      1. Danke an alle, die so einen wunderbaren Theaterabend überhaupt möglich machen!
        Die kleinen Bühnen und die freie Szene liegen mir schon sehr lange am Herzen, vor allem, wenn mit so viel Liebe zum Detail gearbeitet wird.

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