„The Fall of Alice“: Düster-poetisches Kopfkino im Spektakel

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„The Fall of Alice“: Nina-Marie Mayer (Mitte), Sabine Steinegger (l.) und Kerstin Wessely (Foto: R. M. Detoyato)

Ein erst jüngst gegründetes Theaterensemble bringt frischen Wind in die englischsprachige Theaterszene dieser Stadt: Mental Eclipse Theatre House, der Verein zur Pflege und Förderung der darstellenden Kunst, gastiert mit seiner zweiten Produktion, „The Fall of Alice“, im Spektakel.

Regisseur Jason Cloud hat den Stoff von Lewis Carrolls Kinderbuchklassiker „Alice’s Adventures in Wonderland“ bühnentauglich adaptiert und für fünf Akteure und ein (jung) erwachsenes Publikum in packende 60 Minuten verdichtet. Fernab vom lustig-bunten Treiben im kindgerechten Wunderland stellt sich diese Bearbeitung als düster-poetisches Suspense- und Mystery-Stück mit Augenzwinkern dar.

Die jugendliche Alice fühlt sich von ihren Eltern zurückgesetzt, Feindseligkeit und Zerstörungswut richten sich gegen ihre Schwester und deren Habseligkeiten. Sie lässt sich von einem Fremden überreden, ihm in ein ihr unbekanntes Terrain zu folgen. Und schon findet sich Alice inmitten eines wunderlichen Abenteuerlandes wieder, macht die Bekanntschaft mit dem überdrehten Hasen, der unergründlichen Katze und den exaltierten Zwillingen Tweedledum und Tweedledee. Doch das Wunderland offenbart auch seine bedrohlichen Seiten, und so kommt Alice mit einem gefährlichen Utensil in ihrem Zuhause an…

„The Fall of Alice“: Tamalynne Grant und Jason Cloud (Foto: R. M. Detoyato)

Atmosphärisch sehr dichte Szenen, die mit einem geringen Maß an Ausstattung auskommen, umso mehr aber die Fantasie der Zusehenden ankurbeln: „The Fall of Alice“ präsentiert sich in in Jason Clouds Inszenierung als bilderreiches Kopfkino, das viel Raum für Interpretationen lässt. Ausgeklügelte Lichtstimmungen auf der dunkel gehaltenen Bühne, dramatische Momente mittels adäquater Musik, ein Fenster mit Vorhang in Alices Zimmer, der sich verheißungsvoll im Wind bewegt (eine Vorahnung auf den Eintritt ins Wunderland?), sorgen für nachhaltige Eindrücke.

Die fünf Mitwirkenden bringen eine beachtliche Ensembleleistung auf die Bühne: Nina-Marie Mayer als trotzköpfige Alice, die ihre Lektion erst lernen muss, Tamalynne Grant als kecke, schwer durchschaubare Katze, Sabine Steinegger vielseitig als verschrobener Hase in Zeitnot, der gerne über den Durst trinkt, als Zwillingshälfte sowie als Alices drangsalierte Schwester, Kerstin Wessely ebenso mannigfaltig als anderer Teil des kapriziösen Zwillingsduos sowie als Unheilbringerin im schwarzen Cape, und nicht zuletzt Jason Cloud selbst als einnehmender Erzähler, der Alice ins Wunderland lockt, sowie als weißes Kaninchen.

Fazit: Man darf gespannt sein, welche Aktivitäten das Mental Eclipse Theatre House als nächstes auf die Bühne zaubern wird!

Gespielt wird am 8. und 9. Juni im Spektakel (5., Hamburgerstraße 14), Beginn: jeweils 20 Uhr.

Weitere Informationen: www.mentaleclipsetheater.com bzw. spektakel.wien

 

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