„Familie Trapp # ein Chor flieht vor Hitler“: Auf den Spuren einer singenden Großfamilie

Veröffentlicht von
„Familie Trapp # ein Chor flieht vor Hitler“: Eva Billisich, Corinna Pumm, Roman Kollmer (Foto: Benjamin Epp)

Spannender Geschichtsunterricht, verpackt in ein lehrreiches Theaterstück, wird derzeit auf der Souterrainbühne im Café Prückel geboten. Autor Helmut Korherr hat sich der Entstehungsgeschichte des berühmten Chores der Familie Trapp angenommen und zeichnet in prägnanten Bildern den bewegten Werdegang der Singgemeinschaft nach.

Gänzlich ohne Kitsch und süßlich-sentimentale Musical-Stimmung hat Regisseur Kurt Ockermüller das Stück „Familie Trapp # ein Chor flieht vor Hitler“ mit einem glänzenden fünfköpfigen Ensemble inszeniert. Die Handlung setzt zu Jahresbeginn 1934 ein und endet im Oktober 1939: Die einzelnen Szenen, die einen Bogen von der Lammer-Bank in Zell am See, zur Villa Trapp in Aigen über die erste Reise in die USA, die Tournee nach Schweden und die Rückkehr in die USA spannen, bekommen mittels Hintergrundprojektionen (Benjamin Epp) einen authentischen Charakter.

Profunde Recherchen zeichnen Korherrs Stück aus, in die Dialoge hat der Autor viele erhellende Fakten eingearbeitet. Gleich zu Beginn erfährt das Publikum, dass Maria Trapp (25 Jahre jünger als ihr Gatte) ausgebildete Volksschullehrerin und keine Novizin war, wie im Musical von Richard Rodgers und Oscar Hammerstein (Uraufführung: 1959) bzw. im Film von Wolfgang Liebeneiner (1956) dargestellt.

„Familie Trapp # ein Chor flieht vor Hitler“: Kurt Hexmann, Reinhard Steiner, Roman Kollmer, Corinna Pumm (Foto: Benjamin Epp)

Zuvor wird aber noch klar, wie es überhaupt zur Gründung des Chores kam: Durch den Konkurs der Lammer-Bank, bei der das Vermögen der Familie Trapp angelegt war, rutschte diese in den finanziellen Ruin. Um Einkünfte zu erwirtschaften, vermietet die Familie Teile des Hauses an Studenten der katholischen Universität. Eine eigens eingerichtete Kapelle wird ab 1935 von Pater Dr. Franz Wasner betreut, der die musikalische Leitung des Familienchores übernimmt. Baron von Trapp, der eigentlich einem Rittergeschlecht entstammt, muss erst durch Intervention seitens der Opernsängerin Lotte Lehmann und den Überredungskünsten seiner Frau vom Potenzial seines Familienchores überzeugt werden, zu groß sind die Standesdünkel für den ehemals Adeligen. Als die Familie erkennt, dass die Gefahr, die von den Nazis ausgeht, immer größer wird, entschließt sie sich, in die USA zu emigrieren.

Roman Kollmer verkörpert Georg von Trapp als von den historischen und privaten Ereignissen gezeichneten, tiefbetrübten Menschen. Den Niedergang der Monarchie musste der ehemalige k.u.k. Marineoffizier erst verarbeiten, ebenso wie den finanziellen Zusammenbruch der Familie, um mit dem Einmarsch der Nationalsozialisten seine Welt völlig aus den Angeln gehoben zu sehen. Corinna Pumm ist eine warmherzige, aber auch entschlossene junge Frau Baronin, die sich für das Wohl ihrer Familie energisch einsetzt und sich selbst mühselig Kenntnisse der englischen Sprache beibringt. Ihr zur Seite steht  Pater Dr. Franz Wasner, der (das Publikum erfährt es aus einem berührenden, amikal gehaltenen Dialog zwischen den beiden Charakteren) wie Maria von Trapp aus bescheidenen Verhältnissen stammt und die Familie als Chorleiter mit größtem Engagement unterstützt. Kurt Hexmann mimt Wasner als hellsichtigen Retter in der Not, der der Familie geistesgegenwärtig hilft, eine Überfahrtmöglichkeit in die USA zu bekommen. Reinhard Steiner verkörpert Rupert von Trapp, den ältesten Sprößling von Georg und seiner ersten Gattin Agathe Whitehead, der der einzige Nachkomme bleibt, der im Stück zu sehen ist. Als Jung-Mediziner weigert sich Rupert – sehr eindringlich von Steiner dargestellt – im nationalsozialistischen Wien zu praktizieren, obwohl er eine vielversprechende Position angeboten bekommen hat. Eva Billisch beeindruckt in einer Doppelrolle: Als konsternierte Bankchefin Auguste Lammer zeichnet sie für den Bankrott der Familie Trapp verantwortlich, als charmanter Opernstar Lotte Lehmann leistet sie bei der Gründung des Chores erheblichen Vorschub.

Sehr beklemmend wird die Stimmung gegen des Stückes, als die Familie in der überheizten Registraturhalle von Ellis Island auf ihr Einreiseverfahren wartet. Die Ungewissheit, ob die Prozedur problemlos vonstatten geht, lässt Assoziationen auf das Hier und Jetzt zu. Erwin Bail hat ein praktikables Bühnenbild geschaffen, das mit einigen Sitzgelegenheiten, einem Tisch und wenigen Requisiten sämtliche szenische Anforderungen ideal erfüllt. Barbara Langbein hat die Mitglieder der Familie Trapp in Tracht gekleidet, die Bankchefin und die Kammersängerin mit der Zeit angepassten Kostümen ausgestattet.

Helmut Korherrs „Familie Trapp # ein Chor flieht vor Hitler“ präsentiert sich als zeitgeschichtlich aufschlussreiches Stück und stellt einen relevanten Beitrag zum Gedenkjahr 2018 dar, den es sich unbedingt anzusehen lohnt.

Kunst im Prückel: „Familie Trapp # ein Chor flieht vor Hitler“ von Helmut Korherr, Aufführungen am 14./19./20./21. April (Beginn: jeweils 19.30 Uhr) sowie am 22. April (Beginn: 16 Uhr), Souterrainbühne im Café Prückel (1., Biberstraße 2), Karten: www.kip.co.at

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.