Komödie am Kai: Warum der Papst in der Küche Kartoffeln schält

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Familie Leibowitz mit ihrem „Gast“ beim Essen (v. l.): Katja Hauser, Rudi Larsen, Leonie Reiss, Bruno Thost und Marius Zernatto (Foto: Komödie am Kai)

Ein zeitlos aktuelles Stück aus der Feder von João Bethencourt steht derzeit als Gastspielproduktion von Bruno Thost auf dem Spielplan der Komödie am Kai.

Bethencourts warmherzige Komödie „Der Tag, an dem der Papst gekidnappt wurde“ (Uraufführung: 1972 in Rio de Janeiro) ist eine wunderbare Utopie, wie es wäre, wenn die Menschen auch nur für einen Tag weltweit friedlich miteinander zusammenlebten.

Sein Stück hat Bethencourt (geboren 1924 in Budapest, verstorben in Rio de Janeiro 2006), im Jahre 1967 angesiedelt. Der Autor verpackt seine Vision in einen höchst kuriosen Plot, der in New York spielt: Der jüdische Taxifahrer Samuel Leibowitz entführt kurzerhand den Papst, als dieser zufällig in Samuels Wagen steigt. Der unerwartete „Gast“ wird umgehend in die koschere Speisekammer des Hauses Leibowitz gesperrt, wo er anfangs noch für Onkel Harry aus Chicago gehalten wird.

Im Nu weiß die ganze völlig fassungslose Familie Bescheid, und auch Rabbi Meyer, ein Onkel von Samuel, hat die Situation durchschaut. Klar ist auch, dass ein besonders hohes „Lösegeld“ gefordert werden muss allerdings nicht in monetärer Hinsicht, sondern in Form eines 24 Stunden währenden Weltfriedens.

Samuel hat dabei aber die Rechnung ohne Rabbi Meyer gemacht: Der verrät das Versteck des Papstes, und sogleich wird das Haus der Familie Leibowitz von Einsatzkräften belagert.

Ein Topf guter Suppe hält die Familie zusammen

Eine turbulente Handlung erfordert eine ebensolche Umsetzung, und diese ist Regisseurin Katja Hauser meisterlich gelungen. Sie selbst spielt Sara, Samuels Frau, die erst völlig fassungslos über die Untat ihres Gatten ist, um dann kurze Zeit später mit dem Papst gemütlich in der Küche zu sitzen. Hauser schafft die rührende Darstellung einer Mutter, die ihre Familie mit einem Topf guter Suppe zusammenhält und ihren Mann selbstbewusst zur Räson bringt, aber dennoch zu ihm steht.

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Rabbi Meyer (Josef Pechhacker) hat das Geheimnis entdeckt (im Bild: mit Rudi Larsen und Leonie Reiss). Foto: Komödie am Kai

Rudi Larsen spielt den überdrehten Taxifahrer, der über seine eigene Courage erschrickt, dann aber zur Höchstform aufläuft, um sein umstelltes Haus zu verteidigen. In witzig-absurden Szenen kommandiert der Ex-Sprengmeister seinen Sohn beide haben sich militärisch adjustiert (lustiger Regieeinfall: Der Sohn hat sich einen Kochtopf auf den Kopf geschnallt) durch das sich zuspitzende Geschehen.

Leonie Reiss und Marius Zernatto wirbeln als Tochter Miriam und Sohn Irving über die Bühne. Reiss überzeugt mit einer liebenswerten Darstellung der Tochter des Hauses, die sich auf Anhieb mit dem „Gast“ versteht, Zernatto sorgt für sehr viel Schwung auf der Bühne, wenn er zwischen seinem Vater im Haus und der Polizei vor der Tür vermittelt.

Ein Geschenk zum 80er: Bruno Thost als gütiger Papst

Als Papst brilliert Bruno Thost, der kürzlich seinen 80. Geburtstag feierte. Die fiktive Figur wurde dem realen Papst Paul VI. nachempfunden, der im Jahre 1967 den Weltfriedenstag einführte. Thost gibt ein gütigen, verbindenden Heiligen Vater, der seiner „Gastgeberin“ beim Kartoffelschälen hilft und mit Rabbi Meyer Schach spielt. Beim Abschied von seinen neugewonnen Freunden erhält das Kirchenoberhaupt sogar eine Gurke aus dem familieneigenen Garten.

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Marius Zernatto und Rudi Larsen als Sohn und Vater verteidigen das Haus mit schwerem Geschütz. (Foto: Komödie am Kai)

Josef Pechhacker mimt einen mit allen Wassern gewaschenen Rabbi, der weil er aus seinem Wissensvorsprung kein Hehl macht eine kalte Dusche abbekommt, Franz Becke ist ein strenger Kardinal, der den Papst befreien will, um am Ende feststellen zu müssen, dass sich die Welt gerade ein wenig verbessert hat.

Hausers temporeiche Inszenierung findet in einem sehr detailreich und im Retro-Chic (auffällig: Kühlschrank und Fernseher) gestalteten Bühnenbild von Siegbert Zivny ihren Platz, als Blickfang schmücken Kinderzeichnungen die Wände. Ebenfalls in die 60er passend: die stilvollen Kostüme von Jenny Thost.

„Der Tag, an dem der Papst gekidnappt wurde“ ist noch bis 18. Juni in der Komödie am Kai, dienstags bis samstags (Beginn: 20.15 Uhr), zu sehen.

Weitere Informationen: www.komoedieamkai.at