Freie Bühne Wieden: „Zusammen ist man weniger allein“ als Ode an die Freundschaft

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Hoch die Töpfe: Michaela Ehrenstein, Dany Sigel, Anatol Rieger und Alexander Wussow in „Zusammen ist man weniger allein“ in der Freien Bühne Wieden (Foto: Rolf Bock)

Ein herzerwärmendes Stück über das Zusammenleben gegensätzlicher Individuen in einer Mehr-Generationen-WG steht derzeit auf dem Spielplan der Freien Bühne Wieden. Helmuth Fuschl hat Anna Gavaldas Roman „Zusammen ist man weniger allein“ ohne Rührseligkeit, aber mit viel Gespür für die liebenswerten Eigenarten der einzelnen Charaktere inszeniert. Gavaldas Roman (die Autorin wurde 1970 in Boulogne-Billancourt/Frankreich geboren) wurde von Anna Bechstein für die Bühne adaptiert und von Claude Berri im Jahr 2007 erfolgreich verfilmt.

Das Stück hält hoch, worauf es im zwischenmenschlichen Dasein wirklich ankommt: Freundschaft, Zusammenhalt, Verantwortungsgefühl. Philibert, ein philantropisch veranlagter Adelsspross mit Hang zum Stottern in Stress-Situationen, teilt seine Wohnung mit dem raubeinigen Koch Franck. Die beiden Männer könnten unterschiedlicher nicht sein: Während Franck, von seinem Job sehr gefordert, seinen Launen ungeniert freien Lauf lässt und sich mit wechselnden Liebesabenteuern seine karge Freizeit vertreibt, quartiert der zurückhaltende, aber sehr fürsorgliche Philibert die junge, an Grippe erkrankte Putzfrau Camille bei sich ein, die in einer kleinen kalten Dachwohnung ihr Dasein fristet. Philibert und Camille, die eigentlich eine talentierte Malerin ist, freunden sich rasch an, sehr zum Ärger von Franck, der seine Ruhe haben möchte. Als mit Francks pflegebedürftiger Großmutter Paulette auf Camilles Initiative hin eine neue Bewohnerin in die WG einzieht, sehen sich die Bewohner mit neuen Anforderungen konfrontiert…

Helmuth Fuschl ist eine sehr beschwingte Inszenierung mit heiter-ernsten Tönen gelungen, die eingespielten Chansons in den Umbaupausen verleihen dem Stück französisches Flair. Alexander Wussow ist ein liebenswürdiger Philibert und adeliger Wohnungseigentümer zum Gernhaben, fernab von jedem Standesdünkel. Michaela Ehrenstein mimt die anfänglich schwerkranke Camille höchst überzeugend und blüht dann als Beschützerin für Paulette auf, wenn es gilt, Verantwortung für die Pflege der betagten Dame zu übernehmen. Anatol Rieger grollt sich als Franck sehr glaubhaft durch den Alltag seiner WG, nicht ohne dabei die eine oder andere Flasche Bier zu leeren und seinen Mitbewohnern besserwisserische Küchentipps zu geben – doch auch hinter dieser harten Schale verbirgt sich ein weicher Kern. Dany Sigel liefert eine berührende Darstellung von Francks Großmutter Paulette, die zunehmend in ihrer eigenen Welt lebt und sich im Pflegeheim fürchterlich einsam fühlt. Das Ensemble komplettieren Angela Schneider als Mitarbeiterin des Sozialamts und Altenpflegerin sowie Vera Bernhauser als Francks Freundin.

Siegbert Zivny hat, sehr ausgeklügelt, eine gemütliche Wohnküche mit Patina samt Chaiselongue auf die Bühne gestellt, die auch noch Raum für Camilles Schlafkammer und – separat – Paulettes Zimmer im Pflegeheim bietet. Barbara Langbeins Kostüme wurden adäquat an die Charaktere angepasst – Alexander Wussow vornehm in Hemd, Hose und Gilet samt Krawattenschleife und extravagantem Stirnband, Michaela Ehrenstein unkonventionell als Künstlerinnennatur gewandet – und runden die Inszenierung perfekt ab.

Fazit: Ein zu Herzen gehender Abend, der mit heiterer Leichtigkeit große Lebensfreude versprüht!

„Zusammen ist man weniger allein“: Gespielt wird noch bis 17. März in der Freien Bühne Wieden (4., Wiedner Hauptstraße 60b), Beginn: jeweils 19.30 Uhr.

Weitere Informationen: www.freiebuehnewieden.at

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