Allgemein

Theater Brett: Auf den Spuren vielfältiger Versuchungen

„Fünf Sprachen, fünf Länder, viel Spaß“ – unter diesem Motto fand das diesjährige Sommer-Theater-Karussell im Wiener Theater Brett statt. Neun junge Theaterschaffende aus Ungarn, Polen, Tschechien, der Slowakei und Österreich hatten sich zu einem zweiwöchigen Arbeitstreffen in Wien versammelt, um danach die ideenreichen Ergebnisse im Rahmen zweier Aufführungen vor Publikum zu präsentieren. „Die Versuchung“ hieß die szenische Collage, in der sich das junge Ensemble – Petra Acs, Agnesz Csikász, Anna

Sommerspiele Grein: Wie frau einen eifersüchtigen Gatten kuriert

Es ist schon etwas ganz Besonderes, einer Vorstellung im ältesten (in seinem Originalzustand weitestgehend erhaltenen) bürgerlichen Theater dieses Landes beizuwohnen: Das Stadttheater Grein wurde im Jahre 1791 von der Greiner Bürgerschaft gegründet und feiert heuer demnach sein 225-jähriges Bestehen. Intendant Michael Gert hat für die 53. Saison seiner Sommerspiele eine Komödie des französischen Autors Didier Caron, Jahrgang 1963, ausgewählt: „Die Auster“ („L’Huitre“, Übersetzung: Thomas Stroux), uraufgeführt im Jahre 2008 in

Theater Center Forum: Turbulenzen rund um die Liebe und eine lebendige Leiche

„Außer Kontrolle“ lautet der Titel der Farce aus der Feder von Ray Cooney, die derzeit auf dem Spielplan des Theater Center Forums steht, und der Name des Stücks ist Programm: Ein britischer Staatsminister möchte mit der Sekretärin der Oppositionspartei ein Tête-à-tête in einem Hotel verbringen, gibt aber vor, an einer Regierungssitzung teilzunehmen. Das Schäferstündchen wird durch die Entdeckung eines regungslosen Körpers im Zimmer vereitelt, und von nun an gilt es,

Theater Center Forum: Acht Frauen und ein Todesfall

Sieben Frauen versammeln sich in einer abgeschiedenen Villa in den Bergen, um gemeinsam das Weihnachtsfest zu feiern. Die vermeintliche Familienidylle trügt, denn der Hausherr liegt tot in seinem Zimmer – ermordet mit einem Brieföffner. Eine achte Frau erscheint auf der Bildfläche, der„unerwartete Gast“. Das Haus ist eingeschneit, das Telefonkabel wurde durchgeschnitten. Ein Plot, der frappant an Agatha Christies „Die Mausefalle“ erinnert. Christoph Prückner hat mit der Kriminalkomödie „8 Frauen“ (Uraufführung:

Komödie am Kai: Warum der Papst in der Küche Kartoffeln schält

Ein zeitlos aktuelles Stück aus der Feder von João Bethencourt steht derzeit als Gastspielproduktion von Bruno Thost auf dem Spielplan der Komödie am Kai. Bethencourts warmherzige Komödie „Der Tag, an dem der Papst gekidnappt wurde“ (Uraufführung: 1972 in Rio de Janeiro) ist eine wunderbare Utopie, wie es wäre, wenn die Menschen – auch nur für einen Tag – weltweit friedlich miteinander zusammenlebten. Sein Stück hat Bethencourt (geboren 1924 in Budapest,

„Die Drei von der Zweigstelle“: Virtuoses Pointen-Ping-Pong im Theater Center Forum

Ein Thema, bei dem einem das Lachen im Hals stecken bleiben könnte: Schon wieder ist eine Bank pleite! Und zwar die kleine Filiale der Ring-Bank in Maria Leiten, deren ganzes Geld verspekuliert wurde. Aber von wem? In Frage kommen nur: der Filialleiter, Franz Terczek, sowie seine Stellvertreterin, Mag. Klara Oswald. Zwischen beiden entspinnen sich heftige Wortgefechte, eine Schuldzuweisung jagt die andere. Die Ausgangssituation der Burleske „Die Drei von der Zweigstelle“

Kurz gebloggt: Rendezvous mit Hermann Leopoldi und Helly Möslein in der Freien Bühne Wieden

Heute eine Kurz-Kritik, abseits der Anja Schmidt – Kultur-Schatulle: Gestern habe ich der Freien Bühne Wieden einen Besuch abgestattet, um dort einen wunderbaren Abend im Zeichen des wienerischen Chansons zu verbringen. „Ach, Sie sind mir so bekannt!“ nennt sich das Programm (Buch und Regie: Gerald Szyszkowitz), in dem Susanne Marik, großartig begleitet von Béla Fischer am Klavier, einen Streifzug durch das Werk des Wiener Komponisten (1888 bis 1959) unternimmt. Marik

Theater Experiment: Heiter-philosophische Diskurse unter weiß-blauem Himmel

Walter Hasenclevers Komödie „Ehen werden im Himmel geschlossen“ hat Gertraud Frey für das Theater Experiment, das heuer sein 60-jähriges Bestehen feiert, stimmungsvoll auf dessen Bühne gebracht. Dabei greift die Gattung „Komödie“ doch fast ein wenig zu kurz: Hasenclever handelt substanzielle Themen wie Eigenverantwortung und Entscheidungsfreiheit, basierend auf den Konventionen seiner Zeit (das Stück wurde im Jahre 1928 uraufgeführt), auf heiter-philosophische Weise ab. Mit seinem Vierakter erntete Hasenclever großen Erfolg, sah

Freie Bühne Wieden: Verhängnisvolles Ende einer Männerfreundschaft

Welch Mammutprojekt Michaela Ehrenstein mit der Inszenierung von Jean Anouilhs „Becket oder Die Ehre Gottes“ auf die Bühne ihres Hauses gehievt hat, ist für die  Zuschauerin wohl nur erahnbar. Tatsache ist, dass das in Wien selten aufgeführte Stück – die Uraufführung fand im Jahre 1959 im Théâtre Montparnasse in Paris statt – mit nicht weniger als 18 Schauspielern (eigentlich 19, da die Rolle des Papstes doppelt besetzt wurde) in einer

Theater Experiment: Hasenclevers „Ehen werden im Himmel geschlossen“ ab 19. April

In seiner Jubiläumssaison bringt das Theater Experiment, das heuer sein 60-jähriges Bestehen feiert, eine Komödie von Walter Hasenclever (1890 bis 1940) heraus. Der Vierakter „Ehen werden im Himmel geschlossen“ wurde im Jahr 1928 mit großem Erfolg veröffentlicht. Das Stück wirft die philosophische Frage auf, wie autonom der Mensch in seiner Entscheidungsfreiheit ist, wenn er – mit Hilfe von oben – eine zweite Chance erhält: Gott, der schon in Pension gehen