Abschied von Nika Brettschneider

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Nika Brettschneider in der österreichischen Erstaufführung von Alaine Polcz’ Frau an der Front“ in der Inszenierung von András Léner (Foto: Ludvík Kavín)

Morgen, Montag (9. Juli), findet die feierliche Verabschiedung von Nika Brettschneider statt: Die Co-Gründerin und -Leiterin des Theater Brett verstarb am 30. Juni im 68. Lebensjahr.

Brettschneider leistete, gemeinsam mit ihrem Ehemann Ludvík Kavín, großartige und wichtige Theaterarbeit: Im Theater Brett in der Münzwardeingasse in Wien-Mariahilf gelangen Stücke vorwiegend mittel- und osteuropäischer Autoren zur Aufführung – erlesene Raritäten, die das Publikum sonst kaum zu sehen bekommt. In der österreichischen Erstaufführung von Alaine Polcz’ Frau an der Front“, dramatisiert und inszeniert von András Léner, zeichnete Brettschneider im Jahr 2016 die Lebenserinnerungen der jungen Alaine im Zweiten Weltkrieg nach.

Beim Mitteleuropäischen Theaterkarussell zeigten Brettschneider und Kavín zeitgenössische Positionen aus – bei der zwölften Auflage im Jahr 2016 – Polen, Tschechien und der Slowakei. „Dem österreichischen Publikum wird ermöglicht, die Theaterlandschaften der oben genannten Länder zu erkunden und die ästhetischen, künstlerischen sowie die thematischen Tendenzen und zeitgenössischen Entwicklungen wahrzunehmen“, schilderten Nika Brettschneider und Ludvík Kavín damals die Intention des höchst engagierten Projekts.

Auch der künstlerischen Nachwuchsförderung wurde und wird im Theater Brett stets großer Raum gegeben: Im Rahmen des jährlichen mehrsprachigen, internationalen Sommer-Theater-Karussells, das Nika Brettschneider und Ludvík Kavín organisierten und betreuten, zeigen junge Theaterschaffende ihr beachtliches Können.

Nika Brettschneider, geboren 1951 in Ostrau/ČSSR, absovierte im Jahr 1973 die Theaterfakultät der Janáček-Akademie der musischen Künste in Brünn und erhielt damit den akademischen Titel MgA (Magister der Künste). In den folgenden vier Jahren war sie an experimentellen Bühnen engagiert, bis sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Ludvík Kavín – beide unterzeichneten die Charta 77 – die ČSSR verlassen mussten. Bereits zwei Jahre später, 1979, wurde der Verein Theater Brett-Compagnie Brettschneider gegründet, 1982 wurde die Schauspielerin und Regisseurin mit dem Förderungspreis im Rahmen der Josef-Kainz-Medaille ausgezeichnet. Ab 1990 lehrte Brettschneider an der Theaterfakultät der Janáček-Akademie der musischen Künste, wo sie ein Schauspielatelier leitete und nach einer Habilitation im Jahr 1997 zur Universitätsprofessorin ernannt wurde.

Die feierliche Verabschiedung von Nika Brettschneider findet morgen, Montag, den 9. Juli, um 15 Uhr in der Feuerhalle Wien-Simmering statt.

Die Aufführungen, die ich im Theater Brett (erstmals in den 90er Jahren) gesehen habe, eröffneten meist neue Horizonte und spornen an, über den gewohnten Tellerrand zu blicken. Sprachbarrieren gibt es keine, da nicht-deutschsprachige Aufführungen mit Übertiteln gezeigt werden. Nika Brettschneider verdanken wir viele spannende, geistreiche und überraschende Abende, die in der hiesigen Theaterlandschaft außerordentlich fehlen werden.

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